Erstes Miscanthus-Biomassekraftwerk

Miscanthus

Miscanthus giganteus, ein Süßgras aus Japan, gewinnt als nachwachsender Rohstoff zunehmend an Bedeutung. Die Pflanze zeichnet sich durch hohe Biomasse-produktionsraten und hohe Trockenmasseerträge aus. Miscanthus, das Stielblütengras, wird aufgrund seines hohen Brennwerts als Brennstoff zur Strom- und Wärmegewinnung eingesetzt. In Petzenkirchen in Österreich ist nun das erste zu 100 Prozent mit Miscanthus betriebene öffentliche Biomasseheizwerk in Betrieb.

Realisiert wurde das Kraftwerk von der nahwaerme.at Energiecontracting GmbH zusammen mit dem Betreiberpartner n.nahwaerme Energiecontracting GmbH & Co. KG. Miscanthus bietet zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Energiepflanzen. Es handelt sich um eine mehrjährige Pflanze, was sich günstig auf die Anbauflächen auswirkt. Geerntet werden kann bereits ab dem zweiten Jahr der Bepflanzung, ab dem dritten Jahr kann mit vollen Erträgen gerechnet werden. Das sonnenliebende C4-Gewächs weist eine sehr effektive Photosynthese auf. Pro Megajoule eingestrahlter Energie werden etwa 2,5 Gramm Biomasse gebildet. Auf ertragreichen Böden kann mit Trockenmasseerträgen von 15 bis 25 Tonnen gerechnet werden.

„Miscanthus hat mit Abstand das höchste Potenzial an Trockensubstanzbildungsvermögen aller Energiepflanzen“, erklärt Projektentwickler Johannes Furtlehner. Ein Kilogramm Miscanthus hat etwa 4,3 Kilowattstunden Brennstoffwärme und einen Wassergehalt von nur zwölf Prozent. Die Ernte kann Mitte April mit herkömmlichen Maishäckslern durchgeführt werden. Das Gras wird trocken geerntet und direkt eingelagert. Schon im Frühjahr ist somit das Heizmaterial für die kommende Heizsaison gesichert.

Das Heizwerk in Petzenkirchen wird von Landwirten aus der unmittelbaren Umgebung beliefert, das hält die Transportwege und so die CO2-Bilanz gering. Die Anlage wurde auf dem Grundstück der Familie Rauner errichtet. Landwirt Christain Rauner erklärt, er habe sich an dem Pionierprojekt beteiligt, weil er von Miscanthus überzeugt sei und keine Düngemittel, kein Saatgut und keinen speziellen Maschineneinsatz benötigte (Miscanthus ist sehr widerstandsfähig gegen Schädlinge.) Er baue 40 Hektar auf seinen Feldern an, 20 Hektar davon seien für das Biomasseheizwerk (BHW) vorgesehen. Bis Dato habe er Erträge von 17 bis 25 Tonnen, so Rauner. Miscanthus benötige nicht unbedingt hochwertige Böden, im Gegenteil habe er beobachtet, dass sich die Bodenqualität durch den Anbau von Miscanthus verbessere.

Am 14. November 2011 war der offizielle Betriebstart des Heizwerks. Errichtet wurde die Anlage in nur drei Monaten Bauzeit. Über ein 650 Meter langes Nahwärmenetz werden derzeit acht Wärmeabnehmer versorgt: Haubis, Volksbank, Kindergarten, Volksschule, Kirche und Pfarrhof sowie Wohneinheit der Familie Rauner. Die Jahreswärmeabgabe liegt bei ungefähr 1.200 Megawattstunden. Der jährliche Brennstoffbedarf beträgt zirka 400 Tonnen Miscanthus, die nach der Ernte eingelagert werden müssen, deshalb ist das Brennstofflager großzügig dimensioniert. Die Wärmeerzeugung im BHW Petzenkirchen erfolgt im Winter durch eine Binder TRSF 300-Kilowatt-Kesselanlage (inklusive Abgasreinigung), die speziell für den Einsatz von Miscanthus adaptiert worden ist. Im Sommer wird mit einer 150-Kilowatt-Kesselanlage von der Firma ETA geheizt. Als Ausfallsreserve ist ein Anschluss für eine mobile Heizzentrale vorgesehen. Die Ascheaustragung erfolgt mittels Steigschnecke in einen dafür vorgesehen Container.

Zur Abdeckung von Spitzenlasten und tageszeitlich bedingten Schwankungen des Wärmeverbrauchs wurde ein 20-Quadratmeter-Pufferspeicher installiert. Die gesamte Anlage des Heizwerks kann vollautomatisch betrieben werden. Heizwart Christian Rauner und ein Fernwartungssystem garantieren eine bestmögliche und sichere Wärmeversorgung der angeschlossenen Haushalte.

Bisher ist die Anlage problemlos gelaufen. Herausforderungen sieht man bei der Einstellung und Regelung, da sich Miscanthus beim Verbrennungsprozess anders als andere Energieträger verhält. Projektentwickler Furtlehner zeigt sich aber zuversichtlich. Die Endabnehmer jedenfalls sind mit der Heizleistung und der Versorgungslage sehr zufrieden.

Josephin Lehnert

3 Bemerkungen

  • An den Projektentwickler Johannes Furtlehner.

    Miscanthus hat mit Abstand das- höchste Potenzial an Trockensubstanzbildungsvermögen aller Energiepflanzen

    Herr Furtlehner, schon mal von Igniscum gehört ?

    mfg
    jfk

  • „Bis Dato habe er Erträge von 17 bis 25 Tonnen, so Rauner.“
    Auf was bezieht sich diese Angabe? m²? Hektar? Fußballfeld? Shuhgröße?

    Zur Abdeckung von Spitzenlasten und tageszeitlich bedingten Schwankungen des Wärmeverbrauchs wurde ein 20-Quadratmeter-Pufferspeicher installiert.“
    Könnten damit vielleicht 20m³ gemeint sein? 20m² sind absolut nichtssagend.