Elefantengras – ein echter Alleskönner

Was wäre, wenn aus einer Pflanze nicht nur wertvolle Biomasse zum Heizen gewonnen werden könnte, sondern diese auch gleichzeitig zahlreiche andere Verwendungsmöglichkeiten zu bieten hätte? Eine Pflanze, dessen Anbau keine Gegner auf den Plan ruft, wenn es um die heiße Diskussion des fragwürdigen Energiepflanzenanbaus geht. Kein Gewissenskonflikt beim Getreideanbau für die CO2– arme Energieerzeugung auf der einen und der Bekämpfung von Hungersnöten auf der anderen Seite. Wunschdenken? Nicht ganz, denn eine ganz bestimmte Pflanze, die Naturfreunde wohl eher aus dem heimischen Garten kennen, wartet gleich mit einer ganzen Palette an Einsatzmöglichkeiten auf – und bringt auch noch den eigenen Heizkessel zum glühen.

Was lange Zeit von Gärtnern geschätzt war, um einen möglichst schnellen und attraktiven Sichtschutz in den Garten zu zaubern, begeistert nun auch die Industrie. Und das gleich in mehreren Punkten. Miscanthus Rhizome, wohl besser bekannt unter dem Namen Chinaschilf oder Elefantengras, wird in den höchsten Tönen gelobt. Seine vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und sein enorm schnelles Wachstum, bei gleichzeitig Anspruchslosigkeit, machen es auch für die Industrie zu einem lukrativen Objekt der Begierde.

Zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten
Die Einsatzmöglichkeiten liegen sowohl auf dem Gartensektor, als auch bei der Herstellung von Zellulose oder Baustoffen. Selbst als Einstreualternative für die Landwirtschaft punktet das Elefantengras Dank seiner extremen Saugfähigkeit. Doch das Hauptaugenmerk liegt auf der Verwendungsmöglichkeit als Biomasselieferant, denn diese werden angesichts der Wichtigkeit, schädliches Klimagas auf ein Minimum zu reduzieren, immer beliebter. Schließlich gelangt bei deren Verfeuerung nur so viel CO2 wieder in die Umwelt, wie die Pflanzen im Laufe ihres Wachstums selber verbraucht haben.

Anspruchslose Energiepflanze
Hinzu kommt die Ertragsfreude des – bis zu vier Meter hohen – Elefantengrases. Auch ohne Dünger, allein die nährstoffreichen, toten Blätter der Pflanze, die dem Boden nach dem Abfallen wieder genügend Nährstoffe zukommen lassen, gedeihen die Pflanzen ganz prächtig und werfen ordentlich Biomasse-Material ab. Ein Hektar Chinaschilf, so schätzen Experten die Ausbeute auf europäischen Gefilden ein, entsprechen dabei über 5.000 Litern Heizöl extra leicht. Bedenkt man die Rohölpreise und die knapper werdenden Ressourcen des fossilen Rohstoffs, steckt ein hohes Gewinnpotenzial im Schilf.

Langsam aber sicher
Gut Ding will dennoch Weile haben und so ist auch die erste Ertragsernte erst zwei Jahre nach dem Setzen der Wurzelstöcke möglich. Im dritten Jahr hat das Chinagras dann seine eigentliche Größe erreicht und kann ab diesem Zeitpunkt jährlich geerntet werden – bei einer Nutzungsdauer von mindestens 20 Jahren. Die Ernte von Chinagras erinnert dabei an die des Maises. Mittlerweile gibt es Kombinationsgeräte, die das Elefantengras nicht nur Häckseln, sondern auch direkt pressen. Das garantiert höchste Reinheit des Ernteguts und damit hervorragende Brenneigenschaften, denn der Bodenkontakt und die hiermit verbundenen Verunreinigungen können so umgangen werden.

Ausbreitung ausgeschlossen
Auch ein eventueller Konflikt durch eine Vermischung mit einheimischen Pflanzen, das Elefantengras kommt ursprünglich aus Japan, muss kaum befürchtet werden, denn sie bildet keine Samen aus, sondern treibt aus dem Wurzelstock Jahr für Jahr wieder neu aus. Eine wahres Allroundtalent also, von dem in Zukunft sicherlich noch einiges zu hören sein wird.

Judith Schomaker

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.