Durchwachsene Silphie – Energiepflanze mit hohem Potenzial

Die Biomassepflanze „Silphium perfoliatum“ aus Nordamerika könnte künftig auch in Deutschland große Bedeutung als Energielieferant erlangen. Die sogenannte „Durchwachsene Silphie“ weckt bei Landwirten zunehmendes Interesse, da die Ergebnisse erster Anbauversuche in Thüringen vielversprechend sind. Die Silage der Silphie lässt sich als Viehfutter oder als Koferment in Biogasanlagen verwenden.

Die neue Kulturpflanze zeichnet sich durch hohe Biomasseproduktionsraten aus und ist zudem mehrjährig. Da sich die Jungpflanzen nur langsam entwickeln, ist im Pflanzjahr eine Unkrautbekämpfung notwendig. In den Folgejahren sind keine Pflanzenschutzmaßnahmen mehr nötig. Die Erträge liegen ab dem zweiten Anbaujahr zwischen 13 und mehr als 20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und bewegen sich damit auf dem Niveau von Silomais an dem jeweiligen Standort. Auch die Methanausbeute der Silphie ist mit der von Mais vergleichbar. Bis zu 15 Jahre kann die Pflanze mit geringem Arbeitsaufwand und einer geringen Belastung für die Umwelt beerntet werden, denn in den Folgejahren nach dem Anpflanzjahr fällt lediglich die Düngung an.

An das Klima stellt die Silphie keine besonderen Ansprüche und lässt sich daher problemlos in Europa anbauen. Sie wird auch als Becherpflanze bezeichnet, da ihre Blätter so geformt sind, dass sie Regen und Tau auffangen. Weil die Pflanze dieses Wasser aufnehmen kann, ist sie sehr trockenresistent und nicht ausschließlich auf ausreichende Niederschläge angewiesen. Im Gegensatz zu anderen Energiepflanzen, die Feuchtigkeit nur aus dem Boden beziehen können, ist sie hervorragend an trockene Standorte angepasst. Hinsichtlich der Vorfrucht sowie des Bodens ist die Silphie ebenfalls relativ anspruchslos. Am besten gedeiht sie an humosen Standorten mit guter Wasserführung. Lediglich für den Anbau in staunassen Lagen ist sie nicht geeignet.

Der ökologische Vorteil der langlebigen Staude ist in der Bereicherung der Artenvielfalt zu sehen und im ganzjährigen Bewuchs des Ackers, durch den die Bodenerosion vermindert wird. Während ihrer langen Blütezeit bieten die gelben Blüten vielen Insekten Nahrung. Besonders beliebt ist die Pflanze bei Honigbienen, was ihren Anbau auch für Imker interessant macht.

Bisher wird die Durchwachsene Silphie in Deutschland lediglich zu Forschungszwecken angebaut. Da ihre Kultivierung aktuell noch mit Schwierigkeiten verbunden ist, sind Saatgut und Jungpflanzen nur schwer und in geringen Mengen zu bekommen. Um das Anbaurisiko zu minimieren und eine schnellere Entwicklung dichter Bestände zu ermöglichen, empfiehlt sich das aufwendige Setzen vorkultivierter Jungpflanzen. In Forschungsprojekten der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft wird jedoch daran gearbeitet, das Saatgut so zu modifizieren, dass es direkt gesät werden kann.

Damit sich die Durchwachsene Silphie als kommerzielle Energiepflanze etablieren kann, muss der hohe und kostspielige Aufwand im Pflanzjahr verringert und die Verfügbarkeit des Saatguts verbessert werden. Sollte dies möglich sein, könnte die Becherpflanze aufgrund ihrer hervorragenden Ökobilanz eine gute Alternative zum Mais sein und zukünftig in Biogasanlagen zur Energiegewinnung genutzt werden. 

Lauren Mertens

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