Die Biogas-Konkurrenten

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Der forcierte Ausbau von Biogasanlagen in ländlichen Gegenden stößt nicht selten auf massive Proteste aus der Bevölkerung. Befürchtet wird vor allem eine unangenehme Geruchsbelästigung, doch auch in den eigenen Reihen werden immer öfter Proteste laut.

Ursprünglich auf die Düngereinsparung ausgerichtet, hat sich bei der Vergärung von Gülle immer mehr der Energiegewinnungsaspekt durchgesetzt. Unterstützt durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) wurde dann schnell nach effizienteren Möglichkeiten Ausschau gehalten, um Energie aus der Biogasanlage zu gewinnen. Reine Gülleanlagen schossen sich durch die schlechte Fermenterauslastung dabei rasch ins Abseits, Rest- und Abfallstoffe wurden zunehmend interessanter.

Durch die steigende Anzahl der Biogasanlagen reichten die angebotenen Reststoffe jedoch nicht mehr aus, um die große Zahl der Anlagen zu bedienen und auch die Novellierung des EEG trug ihren Teil dazu bei, dass eigens für den Betrieb von Biogasanlagen angebaute Energiepflanzen, vor allem Mais, aber auch Gras, stark zunahmen.

Besonders Niedersachsen gilt in Sachen Biogas als unangefochtene Nummer 1 im ganzen Bundesgebiet. Vor allem in der Fleischerzeuger-Hochburg Vechta/Cloppenburg gehört Mais zu den häufigsten Sorten, die auf den Feldern zu finden sind. Immerhin ist die Menge des erzeugten Biogases dafür verantwortlich, wie hoch die Stromproduktion und damit der Gewinn ausfällt. Je Großvieheinheit lassen sich im Jahr bis zu 500 Kubikmeter Biogas erzeugen, bei Gras liegt die erzeugte Biogasmenge schon bei bis zu 6.000 Kubikmeter je Hektar und bei Silomais lassen sich mit einem Hektar Anbaufläche bis zu 12.000 Kubikmeter Biogas erwarten! Keine schwere Rechnung, um die Rentabilität einer geplanten Biogasanlage zu ermitteln, doch gerade hier tritt die Problematik auf, die in den eigenen landwirtschaftlichen Reihen zu gehörigem Unmut führt.

Mit einem Kubikmeter Biogas lassen sich bis zu 2,2 Kliowattstunden Strom erzeugen. Je mehr Fläche zum Anbau von Energiepflanzen zur Verfügung steht, desto mehr Strom lässt sich also erzeugen und je höher fällt der Gewinn für den Anlagenbetreiber aus. Die Preise für zugepachtete Flächen relativieren sich dabei recht schnell. Zwar wird mit steigenden Pachtpreisen der Gewinn entsprechend geschmälert, nichtsdestotrotz sind Biogasanlagenbetreiber aber dazu in der Lage, mit höheren Hektarpachtpreisen zu kalkulieren, als reine Acker- oder Viehzuchtbetriebe.

Besonderen Unmut fahren sich Betreiber von Biogasanlagen und diejenigen, die den Neubau einer Anlage in Erwägung ziehen, durch diesen Umstand aber nicht nur bei Berufskollegen ein. Gerade die angesprochene Fleischerzeugerhochburg ist zugleich auch eine Hochburg der Pferdezucht und deren Betreiber sind ebenso abhängig von den zur Verfügung stehenden Weideflächen, wie Biogasbauern. Der Ausbau der Biogasanlagen treibt die Pachtpreise für Wiesen und damit auch die Heupreise in diesem Umfeld derart in die Höhe, dass sich kleine und große Zuchtbetriebe, sofern sie nicht über ausreichend eigene Flächen verfügen, nicht selten existenziell bedroht fühlen und mit sämtlichen Mitteln gegen den Ausbau der Biogasanlagen antreten.

Judith Schomaker

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