Der Mensch macht Mist

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Was könnte man Besseres tun, als „Abfälle“, anstatt sie zu entsorgen, sinnvoll zu nutzen? Doch während etwa Gülle und Bioabfälle bereits in diversen Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden, spülen Toiletten nicht nur jede Menge Wasser, sondern auch ein großes Energiepotenzial durch die Kanäle. Mit Hilfe der „Loowatt“ könnte sich das ändern.

Loowatt, das ist eine Wortschöpfung aus den englischen Worten “Loo” (Klo) und “Watt” (Einheit der Leistung). Die Industriedesignerin Virginia Gardiner erdachte und konstruierte diese wasserlose Toilette und dazu die passende Biogasanlage, die, ganz nebenbei, auch noch Dünger liefert – und setzte dann ihre Idee mit Hilfe eines Teams aus Designern, Ingenieuren und Geschäftsleuten um.

Die erste Testanlage steht bereits seit Ende 2010/Anfang 2011 in England, in einem kleinen Ort namens Willowtree Marina in der Nähe von London – und funktioniert. Beliefert wird sie von mehreren Haushalten in der näheren Umgebung, die freiwillig an dem Projekt teilnehmen. Mit dem erzeugten Biogas wird in Marina gekocht und es werden Gaslampen angezündet.

Das System: Die Toilette funktioniert ähnlich wie ein moderner Windeleimer, ganz ohne Wasser. Dazu ist sie ausgekleidet mit einem biologisch abbaubaren Material. Was auch immer in der Toilette landet wird mit Hilfe einer kleinen Kurbel und mitsamt dem umgebenden Material komplett eine Ebene weiter nach unten befördert. Dort befindet sich der herausnehmbare Behälter, der nach oben hin durch einen Stoff luftdicht abgeschlossen ist. Das System ist dadurch geruchsfrei.

Der Behälter wiederum wird ein bis zwei Mal pro Woche in die anaerobe (sauerstofffreie) Biogasanlage entleert. Damit diese möglichst effizient arbeiten kann, benötigt der Gärbehälter konstant 30 bis 35 Grad Celsius. Um dies zu erreichen, muss die Anlage auf die besonderen Gegebenheiten des Einsatzortes angepasst werden. So ist zum Beispiel der Gärbehälter der Testanlage in England mit Dämmmaterial aus Flachs und Hanf gedämmt und wird außerdem von einer Solarthermieanlage beheizt.

Mögliche Einsatzorte: Neben dem Einsatz zu Hause gibt es noch weitere Möglichkeiten, die geradezu prädestiniert sind für die Loowatt: Da sie weder Wasseranschluss noch Chemikalien benötigt, eignet sie sich bestens als portable Toilette auf Bauplätzen, für Festivals oder auch für Campingplätze. Im besten Fall kann das produzierte Gas sogar direkt vor Ort, zum Beispiel zum Grillen auf dem Campingplatz oder für warme Duschen, verwendet werden.

Ein weiterer besonderer Einsatzort den die Erfinder sehen, sind Entwicklungsländer. 2,6 Milliarden Menschen leben heute ohne Toilette. Das sind mehr als 43 Prozent. Dorthin kann die Loowatt ein ganzes Stück mehr Komfort, mehr Hygiene und mehr Lebensqualität bringen. Und außerdem natürlich wertvolles Gas und Dünger für die Felder und Gärten.

Übrigens: Die „Kraftstoffproduktion“ eines einzelnen Menschen, so die Entwickler der Loowatt, reicht in etwa aus, um jeden Abend eine Leselampe zu betreiben.

Weitere Informationen und einige Videos finden Sie hier.

Nadine Wahl

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