Der Boom der Energiedörfer

Biogasanlage mit Windrad

Mit rentablen Produktionsbedingungen hat die heutige Landwirtschaft kaum noch etwas zu tun. Die Preise für landwirtschaftlich produzierte Güter sinken immer weiter in den Keller, da sie sich mehr und mehr dem Weltmarktniveau anpassen. Es gibt zwar Alternativen, bei denen sich höhere Erlöse erzielen lassen, zum Beispiel die Direktvermarktung. Allerdings ist dieser Markt begrenzt und auch die Rahmenbedingungen für diesen Sektor sind umfangreich und längst nicht jedermanns Sache.

Eine Umstrukturierung ihres Betriebes erscheint vielen Landwirten deutlich rentabler. Immer mehr Landwirte setzten daher auf die Energiewirtschaft. Und das nicht nur als Biomasseproduzent, sondern gleichzeitig auch als Energielieferant, denn der Energiehunger scheint unersättlich.

Zusammenspiel nötig

Dass Landwirtschaft, Energie und Bevölkerung nicht zwangsläufig einen Konflikt darstellen müssen, sondern harmonisch miteinander und vor allem voneinander profitieren, zeigen die zahlreichen „Bioenergiedörfer“. Bislang wurden 134 Bioenergiedörfer im gesamten Bundesgebiet realisiert beziehungsweise sind konkret in Planung. Ihr Anliegen ist es, einen Großteil des Strom- und Wärmebedarfs aus dem Energieträger Biomasse zu generieren. Ein Unterfangen, bei dem Bürger und Bauern Hand in Hand zusammenarbeiten müssen. Oft sind es nämlich nicht die technischen Herausforderungen oder gar die Verfügbarkeit der Biomasse, die über Erfolg oder Scheitern des geplanten Projekts entscheiden, sondern die Vorbehalte der Dorfbewohner.

Doch genau wie die Bauern sind auch sie ein unverzichtbares Glied in der Kette des Gelingens. Immerhin sind sie es, die als Kunden Strom und Wärme abnehmen und vom Projekt entsprechend überzeugt sein müssen. Der Fokus liegt also nicht vordergründig auf der Technik, sondern insbesondere auf sozialen und ökonomischen Aspekten, die auch die rechtlichen und landwirtschaftlichen Seiten, etwa den naturschonenden Biomasseanbau mit einschließen.

Vorurteile abbauen

Vielen Vorurteilen der Biomasse gegenüber lässt sich dabei schon im Vorfeld der Wind aus den Segeln nehmen. So soll ein Bioenergiedorf mindestens so viel Strom aus Biomasse erzeugen, wie das Dorf benötigt und mindestens die Hälfte des Wärmebedarfs aus ihrer Biomasse decken können. Außerdem sollten über 50 Prozent der Anlagen den Landwirten beziehungsweise Wärmeabnehmern gehören. Die eingesetzte Biomasse stammt dabei nicht aus Genpflanzen und wird auch nicht aus Maismonokulturen gewonnen.

Zwar gibt es für den Begriff „Bioenergiedorf“ keine klaren, gesetzlich festgelegten Vorgaben, dennoch folgen Bioenergiedörfer in der Regel dieser Definition. Sie wurde vom Institut für Bioenergiedörfer Göttingen e.V. (ibeg) entwickelt, das schon bei der Umsetzung des Bioenergiedorfes Jühnde, bekannt als erstes Bioenergiedorf in Deutschland, federführend mitwirkte.

Judith Schomaker

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