Das bioliq-Verfahren – ein besonders nachhaltiger Kraftstoff

Kinder auf einem Strohballen

Der doch eigentlich so nachhaltige Biodiesel gerät zunehmend in Verruf. Denn für dessen Anbau gehen, vor allem in den Entwicklungsländern, wichtige Anbauflächen für Lebensmittel verloren. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat ein Verfahren entwickelt, das dieses Problem lösen könnte, indem es einen besonders nachhaltigen Kraftstoff auf der Basis von trockener Restbiomasse erzeugt.

bioliq – der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort „biomass to liquid“ zusammen. Und wie der Name schon erahnen lässt: Hierbei wird Biomasse in eine flüssige, verwertbare Form umgewandelt. Doch nicht nur der schon erwähnte Biokraftstoff kann damit hergestellt werden, sondern auch chemische Grundprodukte, wie beispielsweise Ethylen und Propylen.

Das Besondere beim bioliq-Verfahren: Als Rohstoff nimmt eine bioliq-Anlage so gut wie jedes pflanzliche Material an, vorausgesetzt es ist hinreichend trocken (weniger als 15 Prozent Wassergehalt). Besonders geeignet ist zellulosereiche, trockene Restbiomasse, wie Stroh und Restholz, aus Land-, Forstwirtschaft und Landschaftspflege. Laut Eckhard Dinjus, Chemie-Professor am KIT, lassen sich aus ungefähr sieben Tonnen Stroh eine Tonne Synthesekraftstoff herstellen.

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Mit dem Verfahren kann bisher ungenutzte, relativ preisgünstige Restbiomasse verwertet werden. Auch dass diese Restbiomasse mehr Asche und Heteroatome als beispielsweise rindenfreies Holz enthält und die verwendeten Zielstoffe eine geringere Energiedichte aufweisen, spielt beim bioliq-Verfahren keine große Rolle.

Der erste Schritt beim bioloq-Verfahren führt über dezentrale Pyrolyse-Analgen, in denen pflanzliche Abfälle in so genannten Bioslurry umgewandelt werden. Diese energiereiche Flüssigkeit landet danach in einer zentralen Anlage, die wiederum in einem mehrstufigen Prozess Biokraftstoffe oder Substanzen für die chemische Industrie erzeugt.

Als Nebenprodukte entstehen Wärme und Strom, die einen großen Teil der Prozessenergie decken und damit zu dem geforderten hohen CO2-Reduktionspotenzial beitragen. Die Biomasse kann so stofflich beziehungsweise energetisch vollständig verwertet und genutzt werden. Sobald alle Stufen des bioliq-Prozesses miteinander verbunden sind, wird die Pilotanlage hochwertigen Treibstoff aus Stroh liefern. Dies wird voraussichtlich Mitte 2014 sein. 

Das neue und nachhaltige Verfahren soll die Landwirte auch zu „Energiewirten“ machen. Denn sie könnten ihre Restbiomasse unmittelbar vor Ort nicht nur verwerten, sondern mit bioliq auch aufwerten. Währenddessen hoffen die Industriepartner des Projekts auf eine lukrative Kommerzialisierung. Doch den Berechnungen der Karlsruher Wissenschaftler zufolge würde ein Liter ihres Biokraftstoffs derzeit rund einen Euro kosten – das wäre doppelt so teuer wie der aus Erdöl gewonnene Sprit und daher nicht konkurrenzfähig.

Nicolaus Dahmen, Projekleiter, zeigt sich gegegüber Bild der Wissenschaft plus trotzdem zuversichtlich: „Die Kraftwerke würden sich schon heute über unseren Bioslurry freuen. Den könnten sie nämlich einfach zu ihrer Kohle in den Brennraum einsprühen und die enthaltene Energie gewinnen, ohne dass sie dafür teure CO2-Zertifikate kaufen müssten.“ 

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