Busse in Oslo fahren mit Biogas

Biogasanlage bei Oslo
Biogasanlage bei Oslo. (Bild: Ilja C. Hendel / Zukunft Erdgas)

Oslo setzt auf emissionsfreie Busse, die mit Biogas betrieben werden. Produziert wird dies aus den Lebensmittelresten der norwegischen Hauptstadt.

Um die Hälfte möchte die norwegische Hauptstadt Oslo ihre C02-Emissionen bis zum Jahr 2022 gegenüber 1990 reduzieren. Schon bis 2020 sollen die öffentlichen Verkehrsmittel C02-frei fahren. Eine zentrale Rolle hierbei spielt die Umstellung der Busflotte auf den Betrieb mit flüssigem Biogas. Erzeugt wird dies in der Biogasanlage Romerike, die von dem norwegischen Unternehmen Cambi im Auftrag der Waste-to-Energy Agency der Stadt Oslo betrieben wird.

„Wir sind bisher sehr zufrieden, arbeiten jedoch sukzessive an weiteren Optimierungen“, sagt Espen Govasmark.  Er leitet als Operational Manager der städtischen Agentur die Biogas-Anlage. Bis zu 50.000 Tonnen Lebensmittelreste werden dort jährlich zu flüssigem Bio-LNG verarbeitet.

Treibstoff für 135 Busse

Um aus den Bioabfällen Gas zu gewinnen, wird das vorbehandelte Substrat aus Bioabfall in die Tanks dreier Bioreaktoren mit einer Kapazität von jeweils 3.200 m3 gepumpt. Eine Bakterienkultur zersetzt die Lebensmittelreste bei 38 Grad Celsius, wobei durch die Gärung innerhalb von 24 Tagen ein Gasgemisch aus 60 Prozent Methan und 40 Prozent C02 entsteht. Dieses wird anschließend in einer Aufarbeitungsanlage mittels Druckwasserwäsche zu Methan mit einem Reinheitsgrad von 99,9 Prozent weiterverarbeitet, auf minus 162 Grad Celsius abgekühlt und bei einem Druck von zwei bar gespeichert.

Täglich entstehen auf diese Weise 14.000 m3 Biomethan, dessen Volumen sich durch die Abkühlung um den Faktor 600 reduziert. In Form von LNG steht das Biomethan als umweltschonender Kraftstoff für 135 Busse des öffentlichen Personennahverkehrs in Oslo zur Verfügung. „Auf diese Weise können jährlich bis zu 10.000 Tonnen C02 eingespart werden“, berichtet Govasmark. Das Bio-LNG trägt darüber hinaus auch zur Luftreinhaltung sowie zur verminderten Lärmemission im Stadtverkehr bei.

Zudem wird organischer Dünger für bis zu 100 landwirtschaftliche Betriebe in der Region erzeugt. „Uns ist es wichtig mit der Anlage auch ein Bindeglied zwischen der Stadt und dem Land zu schaffen“, betont Govasmark. Die Belieferung der noch weit verbreiteten Landwirtschaft im Großraum Oslo ist der Hauptgrund, warum die Anlage etwa 50 Kilometer außerhalb der Stadt errichtet wurde. Zudem lässt sich das komprimierte Bio-LNG vergleichsweise einfach zur Betankung der Busse in die Stadt transportieren.

Optimierungsmöglichkeiten, an denen weitergearbeitet wird, ist unter anderem ein möglichst „sortenreine“ Erfassung der Bioabfälle der rund 670.000 Einwohner zählenden Großstadt. Denn die Entfernung, vor allem von beigemengten Metallresten, beispielsweise ausgedienten Getränkedosen, ist vergleichsweise aufwendig, wie ein Besuch vor Ort zeigte.