Boomzeiten für Pellet-Heizungen

Holzpellets; Foto: shutterstock

Statistisch gesehen haben rund 15 Millionen Heizungen in Deutschland die Altergrenze von zehn Jahre überschritten. Angesichts der über 40 Millionen Haushalte dürfte demnach fast jede zweite Heizung bald gegen eine moderne Heizungsanlage ausgetauscht werden. Das stimmt die Pellet-Branche froh, denn sie rechnt damit, dass viele diese Gelegenheit nutzen und Erdöl und Erdgas den Rücken kehren.

Keine unrealistische Annahme der Branche, wirft man einen Blick auf die steigenden Öl- und Gaspreise. Und auch ein Rückblick auf die vergangenen Jahre untermauert diese These. In den letzten zehn Jahren stiegen die Produktionszahlen für Pellets weltweit um 20 Prozent.

Alleine im Jahr 2010 wurden 16 Millionen Tonnen dieses Brennstoffs produziert, bis 2020 wird eine Verdreifachung erwartete.

Der Grund für diesen Boom ist sicherlich der Preis. Denn schon heute ist das Heizen mit Pellets etwa 35 Prozent günstiger als die Öl- oder Gasheizung. Und auch in Sachen Umweltfreundlichkeit können sich die kleinen Presslinge sehen lassen. Eigens für die Herstellung von Holzpellets müssen nämlich nicht extra Bäume gefällt werden. Die Späne entstehen als Nebenprodukt im Sägewerk und werden zu Pellets gepresst. Wenn das Prinzip der Rohstoffe „aus der Region für die Region“ beachtet wird, glänzen Pellets zudem noch mit einer hohen ökologischen Verträglichkeit und kurzen Transportwegen, was die Umweltbilanz nochmals positiv beeinflusst.

Bei so vielen Vorteilen lassen aber auch die Nachteile dieses Brennstoffs nicht lange auf sich warten. Durch die geringe Dichte von Pellets ist ein erhöhter Platzbedarf zur Lagerung erforderlich. Eine 15 Kilowatt-Anlage benötigt zirka drei bis vier Tonnen des Brennmaterials. Für das Beheizen eines normalen Einfamilienhauses mit Holzpellets muss demnach mit einer Lagerfläche von etwa fünf bis sieben Kubikmetern gerechnet werden. Wer im Winter also im Warmen sitzen möchte, muss sich mit ausreichend Brennmaterial eindecken. Hieraus ergibt sich zwangsläufig eine Vorfinanzierung, ähnlich wie bei der Ölheizung. Das größte Problem der Pelletheizung sind allerdings die hohen Investitionskosten. Im Vergleich zur normalen Heizung liegen sie etwa doppelt so hoch. Für eine Pellets-Zentralheizung mit einer Leistung von 15 Kilowatt muss derzeit mit rund 15.000 Euro gerechnet werden.

Judith Schomaker

2 Bemerkungen

  • Hallo,

    ich persönlich bin ein ganz großer Fan von Pallets-Heizungen und in Verbindung mit Solaranlagen auf dem Dach, sind sie ein großer Beitrag zur Reduzierung des CO2 und ein großer Schritt weg von den anderen fossilen Brennstoffen Kohle, Öl, Gas.

    Allerdings denke ich immer etwas weiter, was die Kosten in der Zukunft angeht. Jetzt ist der Brennstoff noch reichlich vorhanden, solange die Technologie in den Anfängen steckt und noch nicht viele Menschen darauf setzen (siehe Nachteile der Technologie). Was passiert wenn aber die Nachfrage nach dem Rohstoff steigt und dieser nicht mehr in ausreichenden Maß vorhanden ist? Ich sehe da den Schwachpunkt. Die Preise würden dann steigen und die Gefahr besteht dann, daß dann eben nicht nur Späne aus dem Abfall der Holzindustrie genommen werden, sondern eben doch an Bäume gegeangen wird, die vielleicht sogar aus dem Ausland kommen. Diesen Trend würde ich nicht unterstützen wollen.

    J.S.

  • Liebe Römer und Landsleute,

    im übergeordneten Sinne, denn wir sitzen alle auf der selben, einen, runden Kugel. Ich bin ebenfalls ein grosser Befürworter von Pelletsheizungen, wobei man im ländlichen Raum Hackschnitzel nicht vergessen darf.

    Die Verknappung von Pellets aus Holzabfällen sehe ich etwas weniger kritisch. Ich bin Österreicher, und bei uns zumindest ist es so, dass wir seit Jahrhunderten forstwirtschaftlich bewirtschaftete Wälder haben.
    Es wird also nie mehr Holz entnommen, als nachwächst. Das wird in Deutschland auch nicht anders sein. Wir haben hier sogar die Situation, dass in der jüngeren Vergangenheit unseren heimischen Wäldern stets wesentlich weniger Holz entnommen wurde, als nachwuchs.

    Wenn also zur Pelletsherstellung irgendwann extra Bäume gefällt werden, so ist das damit unbedenklich: an der postiven CO2 Bilanz ändert es nichts, ob ich nur die Abfälle eines Baumes verwende, oder den ganzen Baum.

    Wenn man nun, um den Gedanken weiter zu spinnen, um einen noch weiter steigenden Pelletsbedarf zu decken, mehr Bäume pflanzen würde (um nachhaltig mehr Pelletsholz ernten zu können), so wäre das äußerst positiv. Das würde den CO2-Gehalt der Atmosphäre verringern. Es ist sogar in den Klimazielen der EU als eine Maßnahme gegen den CO2-Anstieg vorgesehen, genau das zu tun.

    Abschliessend muss ich auf einen Gedankenfehler in den, sonst sehr geschätzten, Überlegungen von Judith Schomaker hinweisen: es ist der falsche Ansatz, nur das Heizsystem zu tauschen, wenn der Energiebedarf des Hauses vollkommen unzeitgemäß ist.

    Wenn ich von Einfamilienhäusern mit einer Heizlast von 15kW lesen, so klingt das nach einer sehr verbesserungsfähigen Wärmedämmung. Bereits mit einem Minimalstandard von 10cm Vollwärmeschutz und aktuellen Fenstern ist der Wärmebedarf für ein Haus mit 100m² Wohnfläche etwa 6kW, also weniger als die Hälfte der oben genannten 15kw.
    Und damit reduziert sich sofort der Preis der Pelletsheizung und absolut klar halbiert sich das benötigte Lagervolumen auf ca.3m³. Und das ist genau die Größe des Öltanks des alten Systems.

    Generell ist mittlerweile eine bekannte Tatsache, daß erneuerbare Energie genau dann leistbar und auch ökonomisch interessant wird, wenn vorher die “Haus”-Aufgaben gemacht wurden, und mit zeitgemässer Dämmung der Heizenergiebedarf auf ca. 30-50kWh pro m² und Jahr gesenkt wurde.

    So, eigentlich wollte ich nur ein paar Zeilen schreiben, aber wenn’s geholfen hat soll es gut sein,

    Euer Joule