Biogas auf dem Vormarsch

Rund 660 Millionen Euro flossen allein im Jahr 2009 in den Bau von Biogasanlagen, 500 neue Anlagen schossen aus dem Boden und sind nun Teil der insgesamt 4.500 Biogasanlagen in Deutschland. Zwei Prozent des Gesamtstroms werden somit vom Biogas abgedeckt, in Niedersachen sorgen 700 Biogasanlagen dafür, dass sogar fünf Prozent des niedersächsischen Strombedarfs gedeckt sind. Nicht nur in Deutschland ist Biogas auf dem Vormarsch, sondern entwickelt sich auf der ganzen Welt zu einer wichtigen Säule bei der Lieferung erneuerbarer Energien. In der Schweiz wird seit einem Jahr Biogas aus der landesgrößten Biogasanlage in das Erdgasnetz eingespeist, in Österreich tüfteln Wissenschaftler an einer Möglichkeit, Traktoren mit Biogas zu betreiben. Und auch Entwicklungsländer hat die Technik mittlerweile erreicht, doch anders als bei uns, spielen Genehmigungsverfahren und eventuelle Konflikte mit der Natur dort eine untergeordnete Rolle.

Die Voraussetzungen für die Akzeptanz von Biogas könnten kaum günstiger sein, als in den so genannten Entwicklungsländern, wo ein Großteil der Bevölkerung Holz und Gas zum Kochen nutzt und insbesondere das dafür benötigte Propangas teuer kaufen muss. Zudem wird beim Kochen auf offenem Holzfeuer die Umwelt belastet, was angesichts des angeschlagenen Weltklimas nicht erstrebenswert ist.

Diese Mustervoraussetzungen haben sich das deutsche Projekt Ingenieure ohne Grenzen e. V. zunutze gemacht und eine Biogasanlage auf Samoa errichtet. Rund ein Drittel der Bevölkerung des Inselstaates im Südpazifik lebt von der Landwirtschaft. Doch aus der Landwirtschaft ergeben sich in Samoa auch schwerwiegende Probleme. So ist die Haltung von Tieren in Ställen fast nirgendwo anzutreffen, stattdessen bewegen sie sich frei in den Städten und Dörfern. Ihre Hinterlassenschaften „verlieren“ sie inmitten ebendieser, was ein hohes hygienische Risiko darstellt. Besonders Kinder sind von Krankheitserregern stark gefährdet und infizieren sich leicht durch die mangelnden hygienischen Voraussetzungen.

Durch das Projekt des 33-jährigen Bauingenieurs Chrisof Langguth wird die Bevölkerung Samoas nicht nur für den Umweltschutz sensibilisiert. Die Kleinstbiogasanlage in der Nähe der Hauptstadt Apia bringt den samoanischen Bauern gleich mehrere Vorteile! Zum Betrieb einer Biogasanlage wird das Vieh in Ställen gehalten, was die hygienischen Bedingungen um ein Vielfaches verbessert und das Krankheitsrisiko schrumpfen lässt. Zusätzlich lassen sich die Erträge aus der Landwirtschaft durch den Verkauf von Düngemitteln aus den Gärresten der Biogasanlage steigern. Hinzu kommt die Entwicklungshilfe aus dem EU-Topf, welche die samoanischen Landwirte finanziell entlastet und auch gesellschaftlich besser stellt. Entlastung finanzieller Art gibt es auch für die, durch den Betrieb der Biogasanlage eingesparten Kosten für Gas und einen Ausbau der lokalen Arbeitskräfte im Bereich Konstruktion, Betrieb und Wartung solcher Anlagen.

Das soll gewiss nur ein Anfang der Ingenieure ohne Grenzen sein, denn sie planen den Aufbau eines nationalen Biogas-Programms. Auch in Afrika unterstützen die Ingenieure verschiedene Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien. Mehr Informationen über die geplanten und bereits abgeschlossenen Umweltprojekte gibt es auf der Homepage der Ingenieure ohne Grenzen.

Judith Schomaker

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