Bioenergie: Strom und Wärme versus Kraftstoff

Sie schafft es einfach nicht aus dem Kreuzfeuer der Kritik – die energetische Nutzung der Biomasse. Während Bioenergie für die einen als „Multitalent“ gepriesen wird, sehen die anderen eine Nahrungskonkurrentin und Bedrohung für Umwelt und Klima in ihr. In der Tat ist der Anbau von Biomasse zur Energiegewinnung für die nachhaltige Entwicklung in vielen Fällen eher kontraproduktiv. So müssen beispielsweise wertvolle Regenwälder durch Rodung dem Energiepflanzenanbau weichen und hohe Einsätze von synthetischen Düngern und Pestiziden Belasten neben der Umwelt auch die Energiebilanz der Biomasse.

Damit die alternative Energiegewinnung auch tatsächlich im Sinne der nachhaltigen Entwicklung ist, hat sich die Europäische Union im Dezember 2008 auf Nachhaltigkeitsanforderungen für die energetische Nutzung von Biomasse verständigt. In Deutschland wurde am 10. Juni dieses Jahres auf Initiative des Bundesumweltministeriums und nach Anhörung der Länder und Verbände der Entwurf einer Nachhaltigkeitsverordnung für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung) beschlossen. Durch diesen Entwurf „soll sichergestellt werden, dass fortan flüssige Biomasse, die zur Stromerzeugung eingesetzt und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet wird, nur unter Beachtung verbindlicher Nachhaltigkeitsstandards hergestellt wird.“ Für Biokraftstoffe ist die Vorlage eines weiteren Verordnungsentwurfs angekündigt.

Doch schon haben wir den nächsten Konflikt: Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) fordert auf Grundlage seines Gutachtens „Welt im Wandel: Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung“ den Ausstieg aus der Förderung von Biokraftstoffen im Verkehrsbereich und entfacht so einen Disput mit den Befürwortern von Biodiesel, Pflanzenöl und Co. Er begründet seine Forderung damit, dass der Einsatz von Bioenergie im stationären Bereich zur Strom- und Wärmeerzeugung wesentlich mehr Treibhausgase spare als mit Biokraftstoffen im Verkehrssektor und empfiehlt stattdessen die Strom- und Wärmeerzeugung aus Biomasse stärker zu fördern.

Im Gegenzug ließ die Agentur für Erneuerbare Energien eine Analyse des WBGU-Gutachtens durchführen und kommt zu dem Ergebnis, dass sich schon heute durch den Einsatz biogener Kraftstoffe CO2-Emissionen in erheblichem Umfang vermeiden lassen. Noch stärker wird dieser Vorteil zum Tragen kommen, wenn die Produktion unkonventioneller fossiler Kraftstoffe aus Teersanden, Ölschiefer oder Kohleverflüssigung berücksichtigt werden – was man aufgrund des Rückgangs der gut zugänglichen Ölquellen nicht außer Acht lassen darf.

Außerdem stellt sich die Frage, welche erneuerbare Energiealternative sich außer der Bioenergie in absehbarer Zeit im Verkehrssektor durchsetzen kann. Ein Durchbruch der Elektrotechnologie bei Automotoren ist jedenfalls noch nicht in Sicht. So macht Bosch-Manager Wolf-Henning Scheider im zeo2-Interview wenig Hoffnung darauf, dass in den nächsten Jahrzehnten die Mehrzahl der Neufahrzeuge rein elektrisch fährt: Die Batterien sind derzeit schlichtweg zu teuer und weisen noch nicht die gewünschte Leistungsfähigkeit auf.

Corinna Lang

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