Bioenergie statt Klimawandel

Bioenergie erfreut sich nicht gerade eines guten Rufes. Vor allem für steigende Nahrungsmittelpreise wird Bioenergie gern als Sündenbock hingestellt. Eine neue Analyse des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigt nun, dass die Auswirkungen des Klimawandels weit stärker wären als die einer steigenden Bioenergienachfrage. Die Agrarpreise würden durch die direkten Folgen der Klimaerwärmung um rund 25 Prozent bis 2050 stiegen. In einem Szenario ohne Klimawandel hingegen würde eine hohe Bioenergienachfrage die Preise auf den Weltagrarmärkten nur um rund fünf Prozent steigen lassen.

Insgesamt wurden im Rahmen eines umfassenden Projekts drei Studien veröffentlicht, die sich mit den Themen Klimawandel und Landwirtschaft befassen. Kernaussage einer dieser Studien: Der Klimawandel lässt den Bedarf an Ackerflächen steigen. Wissenschaftler haben zehn unterschiedliche Szenarien simuliert. Die meisten prophezeien eine signifikante Zunahme von Ackerland bis 2050 um mehr als 50 Prozent im Vergleich zu einem stabil bleibenden Klima. Die größten Flächenzuwächse sind in Südamerika und Afrika zu erwarten – in jenen Gebieten, die wertvolle und für die Klimaregulierung so wichtige Regenwaldflächen beherbergen.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe rückläufig
  • Hat die Biomassenutzung doch Zukunft?
  • Biokraftstoffe: Verkehrte Welt!
  • Nutzung von Energie aus Biomasse ethisch verwerflich?

Mit Hinblick auf Bioenergie könnten langfristig Biokraftstoffe der zweiten Generation wichtiger werden, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Derzeit wird der Bioenergiesektor durch Holz zum Heizen, Ethanol aus Zuckerrohr und Biodiesel aus Ölsaaten dominiert. Der Vorteil von Biokraftstoffen zweiter Generation ist, dass sie nicht mit Nahrungs- und Futtermitteln konkurrieren. Generell wird von einem Anstieg der Bioenergienachfrage von heute 40 ExaJoule auf 100 ExaJoule im Jahr 2050 ausgegangen, vorausgesetzt das zwei-Grad-Ziel wird eingehalten. Das entspricht etwa 15 Prozent des weltweiten Primärenergiebedarfs.

Im Fall des von den Wissenschaftlern prognostizierten Klimawandels wären für die fünf wichtigsten Nutzpflanzen Reis, Weizen, Mais, Soja und Erdnüsse mit Ernterückgängen um zehn bis 38 Prozent zu rechnen. Das würde massive wirtschaftliche und soziale Folgen nach sich ziehen.

Die Studien, die im Agricultural Model Intercomparison and Improvement Project  (AgMIP) entstanden, tragen dazu bei, zukünftige Landwirtschaftsszenarien besser einzuschätzen und sich darauf einzustellen. „Dürren wie im Jahr 2012 in den USA können immense Auswirkungen auf Ernteerträge und Exporte haben“, wie Hermann Lotze-Campen vom PIK erklärt. Das zeige, dass schlechte Ernten in wichtigen Produktionsregionen, auch wenn sie nur in einem überschaubaren Gebiet auftreten, einen erheblichen Einfluss auf die Weltagrarmärkte, Preise und Nahrungsmittelsicherheit haben können.

2 Bemerkungen

  • Sehr geehrte Frau Lehnert,

    das ist ja wirklich mal eine positive Nachricht, dass die Nutzung von Bio-Energie einen geringeren negativen Effekt auf die Nahrungsmittelsituation und deren Preise hat als die Nichtnutzung. Betrachtet man wie viel Nahrungsmitteln in den wohlhabenden Ländern weggeworfen werden so kann man sich hier bezüglich der Nahrungsmitteleffizienz Gedanken machen, wie man den Überschuss an Lebensmitteln an den hungernden Teil der Weltbevölkerung weiter gibt. Somit wäre die Diskussion um Tank oder Teller etwas entschärft.
    Auch beim Einsatz von Primärenergie sind noch immense Potenziale vorhanden, um diese noch effiziente in Strom und Wärme umzuwandeln. Zu bedenken ist, dass der Peak der Primärenergieförderung, nach augenblicklichem Kenntnisstand, bereits überschritten ist. Das z. Zt. existierende Dilemma: Bisherige Energieversorgung (Strom u. Wärme) gegenüber regenerativer Energieversorgung ist u. a. ein Konflikt von Betriebswirtschaft gegenüber Volks-, bzw. Weltwirtschaft. Betriebswirtschaftlich ist es i.A. ohne Subventionen nicht möglich regenerative Energie zu vermarkten. Auch die Grundlastfähigkeit ist durch diese nicht gegeben. Volkswirtschaftlich gesehen ist es verantwortungsvoller die Primärenergieressourcen zu schonen, für künftige Generationen aufzubewahren und last not least Öl mit einem Wirkungsgrad von ca. 30% in Kraftwerken zu verbrennen anstelle höherwertiger Produkte herzustellen.
    Durch die Liberalisierung und Privatisierung im Energiemarkt wurde die Energiebreitstellung immer stärker Renditegetrieben. Denn wenn aus betriebswirtschaftlicher Sicht, keine Rendite erwirtschaftet wird, laufen Unternehmen Gefahr in die Insolvenz zu laufen. Würde man jedoch heute die externen Kosten in Form von Förderungen, Steuerentlastungen, Umlagebefreiungen und die Kosten durch Klimaschäden verursacht, diesen Unternehmen anrechnen, so wären diese schon heute betriebswirtschaftlich nicht mehr rentabel.
    Der Staat hat i.A. das Problem, dass er durch die Privatisierung seinen Einfluss in der Energiebranche stark reduziert hat. Nun versuch man durch Gesetze doch noch Einfluss zu nehmen. was einer Quadratur des Kreises gleichkommt.
    Nun ein Gesinnungswechsel, sowohl auf betriebswirtschaftlicher als auch volkswirtschaftlicher Seite kann das Dilemma lösen.
    Denn die Nutzung von Bio-Energie ist bessere als deren Nichtnutzung und die Sonne liefert uns global ein Vielfaches des Weltenergiebedarfs. Genauso wie damals die Förderung der Kernenergie und der Kohlepfennig sind die „Regenerativen“ weiter zu unterstützen (Speichertechnologien, Elektrolyse, usw.), damit auch im großtechnischen Maßstabe die Energieversorgung gesichert, bezahlbar und umweltverträglich ist. Denn die Sonne schickt keine Rechnung und versorgt uns mit „unerschöpflicher Energie im Gegensatz zur Bisherigen Energieversorgung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lothar Sowa

  • Schon der Begriff „Bioenergie“ ist Neusprech. Denn erstens ist der Begriff gesetzlich nicht definiert, es kann also jeder alles Bioenergie nennen, zweitens sind laut allgemeiner Theorie Öl, Gas, Kohle auf irgendeine Weise Biologisch entstanden.