Alternative Energiepflanze Leindotter

Die Erzeugung von Biokraftstoffen bedeutet bis heute, entweder der Landwirt baut auf einer Ackerfläche ein Nahrungsmittel an oder er nutzt die Fläche für den Anbau einer Energiepflanze. Lebensmittel kontra Energie; ein immer heikler werdendes Thema.

Nachwachsende Rohstoffe ohne zusätzlichen Flächenverbrauch, ein Traum? Vielleicht nicht mehr lange. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Institut für Ökologischen Landbau Trenthorst untersucht schon seit langem die Möglichkeit neben einer Nahrungsmittel-Hauptkultur auch eine Energiepflanze als Zweitkultur mit einzusäen.

Bei dem sogenannten Gemengeanbau (2 Kulturpflanzen auf einem Feld) besteht der Vorteil, das diese zusätzliche Pflanze, die Beikräuter oder landläufig „Unkräuter“ genannt, unterdrückt und gleichzeitig deren Nährstoffe nutzt. Somit kann diese Art des Anbaus, die Anwendung von Herbiziden stark reduzieren. Besonders im ökologischen Landbau ein entscheidender Faktor, da keines der chemischen Pflanzenschutzmittel angewendet werden darf.

Seit dem Jahr 2001 wird an dieser Anbaumethodik vom Thünen Institut geforscht. Zielsetzung ist die klimaneutrale Kraftstofferzeugung für die hofeigenen Maschinen, das heißt, der Kraftstoff der für die Nahrungsmittelerzeugung benötigt wird, soll ohne zusätzlichen Flächenverbrauch erzeugt werden. Die Energie für Einsaat und Ernte des Nahrungsmittels wächst gleichzeitig mit. Sehr gute Erfolge stellten sich bei der Mischung von Weizen, Erbsen oder Lupinen mit der alten Kulturpflanzen Leindotter (Camelina sativa) ein. Bis nach dem Krieg eine noch weit verbreitete Ölpflanze, die mit den Jahren durch Raps und Co. verdrängt wurde. Grund war der höhere Ölertrag dieser Pflanzen beim Anbau in Monokultur. Dazu kommt, dass die Verbrennungseigenschaften des Leindotteröls im Vergleich zum Rapsöl etwas ungünstiger sind. Gesicherte Erfahrungswerte und motortechnische Standards gibt es daher bislang nur für Treibstoffe aus Rapsöl. Aus diesem Grund führt das Thünen Institut gemeinsam mit der Fachrichtung Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren der Uni Rostock ein Projekt durch, um Mischungen von kaltgepreßtem Leindotteröl mit anderen Pflanzenölen in Maschinen zu erproben. Die bislang erzielten Ergebnisse sind vielversprechend, so dass nach Aussagen des Institutsleiters die Treibstoffautarkie in ökologisch geführten Betrieben zukünftig möglich sein kann.

Ludger Schomaker

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