Kein Strom bei kalter Dunkelflaute?

,


Erneuerbare Energien und schlechtes Wetter © DPA

Dunkle Wolken am Himmel, die Luft scheint still zu stehen. Dieses Wetter ist nicht nur für unser Gemüt sehr bedrückend, sondern stellt auch unser Stromsystem vor immer größere Probleme. Denn je mehr wir auf erneuerbare Energien setzen, desto abhängiger sind wir von diesen. In einer von der Greenpeace Energy AG in Auftrag gegebenen Studie untersuchte das Analyseinstitut Energy Brainpool nun solche Situationen. Das Ergebnis zeigt, dass die Stromversorgung während einer solchen kalten Dunkelflaute bei derzeitiger Entwicklung nicht mehr gewährleistet werden könnte.

Der Weg weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien hat nicht nur Vorteile. Denn durch das Ausbleiben von fluktuierenden Kräften stößt unser Stromnetz schon heute immer wieder an seine Grenzen. Bei bedecktem Himmel und Windstille fallen Sonnen- und Windkraft aus. Wenn diese Situation im Winter über mehrere Tage hinweg andauert und die Bevölkerung witterungsbedingt mehr Energie verbraucht, wird es langsam eng. Ein solcher Stresstest für unser zukünftiges Energiesystem wird als „Kalte Dunkelflaute“ bezeichnet. Nun wurde die Häufigkeit und die Folgen solcher Extremsituationen in einer Studie vom Analyseinstitut Energy Brainpool untersucht.

Bisher sieht die Politik für solche Fälle den Import von Strom aus anderen Ländern vor. Die Studie zeigt nun jedoch, dass solche Wetterflauten oft nicht nur Deutschland betreffen. Dazu wurden Wettereinflüsse auf unser heutiges Stromnetz über einen Zeitraum von 2006 bis 2016 untersucht. Dabei zeichneten sich zwei Wochen von Ende Januar bis Anfang Februar 2006 als Extremfall einer kalten Dunkelflaute aus. Grund dafür ist, dass diese Situation nicht nur sehr lange angehalten, sondern sich dabei auch über einen Großteil Europas erstreckt hat. Da inzwischen auch andere europäische Länder immer mehr auf erneuerbare Energien setzen, gab es auch dort eine Flaute. Der geplante Energieaustausch stößt in einer solchen Situation also auch sehr stark an seine Grenzen.

Flexibilitätsoptionen bei kalten Dunkelflauten © Energy Brainpool
Flexibilitätsoptionen bei kalter Dunkelflaute © Energy Brainpool

Beängstigend an dieser Beobachtung ist allerdings nicht, dass es bereits einmal dazu kam, sondern dass sich solche Extremwetterlagen circa alle zwei Jahre wiederholen. Nach Vollendung des Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung wäre eine ausreichende Energieversorgung daher nicht mehr vollständig gewährleistet. Aus diesem Grund wurde im Zuge der Studie auch gleich ein robustes und nachhaltiges Stromsystem entworfen und wirtschaftlich bewertet. Es wird davon ausgegangen, dass verfügbare Gasspeicher mit Elektrolysegas aus dem hohen Anteil erneuerbarer Energien gefüllt werden können. Um Angebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen zu können, bräuchte es zusätzlich kurz- und mittelfristige Flexibilitätsoptionen wie Batterie- und Pumpspeicher. Laut der Studie könnte mit diesem System die Versorgungssicherheit während einer kalten Dunkelflaute wieder gewährleistet werden.

Quelle: Energy Brainpool