Strom aus der Kanalisation

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Mit wenig Aufwand ein Wasserkraftwerk errichten, was zudem fischfreundlich und günstig ist? Das klingt eher nach Wunder, als nach Realität. Das ganze dann auch noch in Kanalisationen einsetzbar, um aus dem dortigen Abwasserfluss Energie zu gewinnen schon eher nach unrealistischer Zukunftsvision. Ein Leipziger Ingenieur hat sich diese Idee so zurecht getüftelt, dass er mit dem Einsatz seiner neuartigen Turbine nicht nur Strom aus Fließgewässern, sondern auch aus den mit reichlich Unrat behafteten Abwasserkanälen gewinnen kann. Dabei ist das Prinzip, das der junge Diplom-Ingenieur für dieses Unterfangen nutzt, schon seit Jahrtausenden bekannt: Die archimedische Schraube.

 

Eigentlich stammt die Idee bereits aus DDR-Zeiten. Damals züchtete Gerold Seyfarth Aquarienfische, nach der Wende stiegen die Energiekosten allerdings so rasch an, dass er sein kleines Geschäft aufgeben musste. Industrielle Fischzucht hingegen wurde von der EU gefördert und so kam Seyfarth zu einer professionellen Speisefischzucht. Tropenfische natürlich, denn diese verkauften sich besser. Doch genau hier lag wieder das Manko – die hohen Energiekosten, damit die Fische eine konstante Wärme genießen konnten. Als Ingenieur für Arbeits- und Kraftmaschinen eigentlich ein lösbares Problem und so entstand die fischfreundliche Turbine, die auch bei geringer Fließgeschwindigkeit Strom liefert und sich dabei auch von Treibgut nicht behindern lässt.

Um umweltfreundlichen Strom zu gewinnen, wird eine freilaufende Turbine im Wasser, oder Abwasser, versenkt. Der Generator ist dabei direkt in die Schraube integriert, die Turbine stellt sich auf die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse automatisch ein und kann für den Einsatz in Klärkanälen zudem mit kleinen Messern versehen werden. Aufgrund der fehlenden Querverbauung ist es möglich die Anlage entweder auf dem Grund von Fließgewässern zu installieren, ohne den Schiffsverkehr zu behindern oder Fischbeständen in die Quere zu kommen, oder in bereits existierende Wehre einzubauen. Mit dem Laufwasserwerk liegen die Gestehungskosten für die erzeugte Energie bei rund fünf Cent je Kilowattstunde, wobei Seyfarth Turbinen zwischen fünf und 300 Kilowatt stark sind. Damit könnte das gigantische Potenzial, die TU Braunschweig beziffert das Energiepotenzial deutscher Flüsse mit dem Äquivalent von 2.000 Atomkraftwerken, mit wenig Aufwand nutzbar gemacht werden. Auch die Kanalisationen bergen ein hohes, verstecktes Energiepotenzial. Jährlich rauschen etwa 37 Milliarden Kubikmeter Abwasser durch das unterirdischen Rohrsystem.

Judith Schomaker

 

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