Ende der Spekulationen: E.on Abspaltung wird konkret

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E.on Chef Teyssen bei der Pressekonferenz zur neuen Strategie des Konzerns.

Wie bereits letzten Dezember angekündigt, reagiert der Energieriese E.on auf die Anforderungen der Energiewende und zerlegt sich im Zuge dessen selbst. Der Bereich konventionelle Energieerzeugung wird abgespalten und läuft künftig unter dem Unternehmensnamen „Uniper“. Das alte E.on will sich in Zukunft verstärkt auf Erneuerbare Energien konzentrieren. E.on Chef Johannes Teyssen, der in der Vergangenheit immer wieder Kritik an der Energiewende übte, behält auch nach der Aufspaltung den Vorstandsvorsitz von E.on und will den Konzern nun in eine Zukunft mit innovativen Energielösungen führen.

Nun ist es raus: E.on lässt Worten Taten folgen und zerschlägt sich selbst. Bereits letzten Dezember kündigte Teyssen die Abspaltung der Sparte konventionellen Energieerzeugung mit Kohle- Gas- und Atomkraft vom Mutterkonzern an, und sorgte damit für viel Wirbel und Spekulationen bei der europäischen Energiebranche. Die geplante Aufspaltung sei, so sagte Teyssen damals, eine notwendige Reaktion auf die weitreichenden Veränderungen des Strommarkts. Unternehmen, die sich sowohl auf konventionelle als auch auf erneuerbare Energieformen konzentrieren würden, seien „Streifenhörnchen“. Das wolle E.on nicht mehr sein. Deshalb, so verkündete Teyssen im Dezember, wolle das „alte“ E.on künftig verstärkt auf Erneuerbare Energieformen setzen, ganz im Sinne der deutschen Energiewende.

Am Dienstag machte E.on Ernst, und teilte in einer Pressemitteilung mit, dass der Konzernumbau in vollem Gange sei. Dazu seien wichtige Struktur und Personaländerungen getroffen worden. Die Sparte konventionelle Energieerzeugung werde wie angekündigt in ein eigenständiges Unternehmen abgespaltet und firmiert künftig unter dem Namen Uniper. Der Name steht für „Unique Performance“, schrieb E.on. Das stehe für einzigartige Leistungsfähigkeit und hohe Kompetenz. Der neue Name gehe auf den Vorschlag eines langjährigen Mitarbeiters zurück und habe sich aus anfangs rund 3.000 Ideen durchgesetzt. Dieser Mitarbeiter arbeitet für ein Tochterunternehmen, das künftig zu Uniper gehören wird.

Unternehmenschwerpunkt von Uniper sind konventionelle Stromerzeugung, Energiehandel und Exploration & Produktion (E&P). Anders als bislang angenommen fallen darunter nicht nur die Bereiche Kohle- , Gas und Atomkraft sondern auch sämtliche Wasserkraftwerke, der gesamte Energiehandel, der brasilianische und russische Kraftwerksbereich sowie die Öl- und Gasförderung. Außerdem soll Uniper die Rückstellungen für den Atomrückbau übernehmen. Nach wie vor unklar ist allerdings, ob dafür genügend Geld zur Seite gelegt wurde. Bereits im Dezember, nachdem die Pläne zur Abspaltung des Kerngeschäfts pubik wurden, äußerten viele Beobachter und Politiker Bedenken, ob der abgespaltene Konzern über ausreichende Mittel zum Abriss seiner Atomkraftwerke verfügen werde. Dazu äußerte sich der Energieversorger bislang nicht.

Das Ziel von Uniper solle es künftig sein, „mit hoher Effizienz und Flexibilität unsere Portfolios in allen Märkten, von Kraftwerken über Erdgasspeicher und Gasterminals bis zu Pipelines, bestmöglich zu vermarkten“, sagte Klaus Schäfer, der CFO von E.ON und künftiger Vorstandvorsitzender von Uniper. Aufgrund der „strategischen Herausforderungen“, die auf beide Firmen zukommen werden, soll es in beiden Firmen künftig einen vierköpfigen Vorstand geben, teilte E.on mit. So werden neben der CEO- und der CFO-Funktion jeweils zwei operative Ressorts eingerichtet. Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning sagte dazu: „Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es mit den neuen Führungsstrukturen gelingen wird, den immensen Herausforderungen in beiden Energiewelten zu begegnen.“

Uniper wird künftig den Firmensitz von E.on in Düsseldorf übernehmen. Der Unternehmensstart ist für den 1. Januar 2016 vorgesehen. Das neue, alte E.on zieht nach Essen, wo auch Konkurrenz RWE seinen Sitz hat. Chef von E.on bleibt Johannes Teyssen. Gerade Unternehmensintern ist das für viele eine Überraschung, denn Teyssen hatte in der Vergangenheit die deutsche Energiewende immer wieder kritisiert. Daher verwundert es, dass gerade er E.on in den zukunftsträchtigen Bereich Erneuerbare Energien führen soll. Viele sahen in ihm eher den Chef der konventionellen Stromfirma Uniper.

Das zukünftige Ziel von E.on sei es, bevorzugter Partner für innovative Energielösungen zu werden und sich vorrangig auf die Bereiche Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen zu fokussieren, schrieb der Konzern online. Das globale Geschäft mit Erneuerbaren Energien wird dabei weiter unter dem Namen E.ON Climate & Renewables laufen, allerdings soll der Bereich weiter verstärkt werden. „Mit der Neuaufstellung werden wir in der Lage sein, Kundenbedürfnisse in der sich schnell verändernden Energiewelt optimal zu erfüllen. Dies kommt unseren 32 Millionen Kunden in Europa unmittelbar zu Gute“, sagte Teyssen dazu.

E.on war in den letzten Monaten für die konsequente Reaktion auf die steigenden Anforderungen durch die Energiewende immer wieder von Analysten gelobt worden, schrieb am Dienstag „Die Welt“ online. Auch die Anleger und Aktionäre honorierten den Kurs des Energieriesen. Die E.on-Aktie entwickelte sich zuletzt besser als die von RWE. Der Konkurrent will sich, anders als E.on, auch weiterhin auf alle Bereiche der Energieerzeugung konzentrieren.
 

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