Norwegens Finanzierung von Elektromobilität

,

Elektrofahrzeuge in Norwegen
Norwegen ist Spitzenreiter in der Elektromobilität

Norwegen ist Spitzenreiter beim Thema Elektromobilität. Nun konnte das Land sogar einen neuen Rekord bei den Neuzulassungen von Elektro- und Hybridautos vorweisen. Das dieses Wachstum nicht von alleine kommt, sondern staatlich gefördert wird, sollte niemanden wundern. Doch bei all den vielen umweltfreundlichen Fahrzeugen, bleibt dennoch einer nicht verschont: unser Klima.

Bereits vor zwei Monaten berichteten wir, dass Norwegen zum Vorbild der Elektromobilität wurde. Die aktuellen Zahlen aus vergangenem Juli zeigen: Norwegen baut seinen Vorsprung weiter aus. Erstmals waren mit 53 Prozent mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen Elektro- und Hybridfahrzeuge. Wie im Mai bereits berichtet, möchte Norwegen diese Zahl bis 2025 auf 100 Prozent steigern und bietet als Anreiz großzügige Vergünstigungen.

Doch so ein Vorhaben kostet auch viel Geld. Jedes Jahr kostet es den Staatshaushalt 420 Milliarden Euro. Grund dafür sind jedoch nicht etwas wie in anderen Ländern der Erhalt von Prämien beim Kauf eines entsprechenden Fahrzeugs. Norwegen macht es umgekehrt: Statt die Bevölkerung beim Kauf eines Elektroautos finanziell zu unterstützen, wird beim Kauf eines Autos mit Verbrennungsmotor eine Kaufsteuer von bis zu 85 Prozent fällig. Auf der einen Seite ermutigt dieser massive Kostenfaktor die Käufer zur Wahl eines umweltfreundlichen Modells, auf der anderen fehlen diese Steuern dem Staat am Ende des Jahres. Doch wie kommt der Staatshaushalt damit klar?

Niemand spricht von einer „Überförderung“ von Elektroautos, da der Staat dieses Defizit mit Exporten von Öl und Gas wieder ausgleicht. Norwegens Vorreiterrolle im Ausbau von Elektromobilität sollte uns allen ein Vorbild sein. Jedoch wird immer mehr Kritik laut, warum das Land ein so umwelt- und klimaschonendes Wachstum ausgerechnet mit dem Handel der umweltschädlichen Energien Öl und Gas finanziert. Nebenbei ist Norwegen durch den großen Staatsfonds auch weiterhin deutschen Autobauern beteiligt. Und diese verdienen ihr Geld bisher noch hauptsächlich mit dem Verkauf von Verbrennungsmotoren.

Doch das durch das Fehlen der Steuern verursachte Loch im norwegischen Staatshaushalt könnte bald kleiner werden. Denn der konservative Klimaminister Vidar Helgesen schätzt, dass die staatliche Förderung mit all seinen Vergünstigungen, in circa fünf Jahren zurückgehen wird. Man ist sich zwar nicht sicher, aber man befürchtet, dass der Absatz von Elektroautos im Zuge dessen schnell abnehmen wird. Vorgemacht hat es bereits Dänemark: nach dem Ende der Steuervorteile ging der Umsatz stark zurück. Es muss zwar nicht so kommen wie dort, jedoch gibt die große Mehrheit in Norwegen an, dass gerade diese Vorteile das Hauptkaufargument waren.

Quelle: heute.de