El Niño ist da?!

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El Nino
El Nino

Nein, das Christkind kommt wie geplant erst wieder in etwa sechs Monaten. Gemeint ist hier das bereits seit vier Jahren von Klimaforschern angekündigte Phänomen, bei dem ein zu hoher Luftdruck im Westen und ein zu niedriger im Osten des Pazifik regelmäßig für ein ziemliches Durcheinander in der Welt sorgt. Diese bereits seit Jahrhunderten bekannte Wetteranomalie fand ursprünglich seinen Höhepunkt etwa zur Weihnachtszeit – daher der Name El Niño.

Nachdem bereits letztes Jahr viele Prognosen deutlich von der Natur wiederlegt wurden, stehen nun die Zeichen bereits seit März auf El Niño. Dabei sind in den Medien die interessantesten, skurrilsten und besorgniserregendsten Nachrichten zu finden. Zu hohe Wassertemperaturen an der Südamerikanischen Küste und stark von den Vorjahren abweichende Durchschnittsniederschläge sind altbekannte Begleiterscheinungen. Doch sind die zeitlichen Phasen dieser Anomalien in diesem Jahr anders gelagert als in vorangegangenen El Niño-Ereignissen, worauf Flora und Fauna deutlich reagieren. So wird hinter dem massiven und auch verfrühten Aufkommen an Land gespülter Seelöwenjunge an der kalifornischen Küste El Niño vermutet. Dabei ist die Anzahl der abgemagerten Tiere um ein vielfaches höher als in den Vorjahren. Die Rettungsstationen vor Ort waren restlos überlastet. Jetzt tauchten, ebenfalls an der kalifornischen Küste, tausende kleiner Krebse auf, die eigentlich in den wärmeren Gewässern um Mexico zu finden sein sollten. Auch hier wird wieder El Niño als Grund vermutet. Die Nahrungsknappheit für die kleinen Meeresbewohner treibt sie in kühlere Gewässer, in denen sie jedoch nicht lange überleben können.

Südostasien hat hingegen vor allem mit starken Dürren zu kämpfen. Dies schlägt sich insbesondere in den Lebensmittelpreisen nieder. So berichtet die Börse am Sonntag, dass nach jahrelang fallenden Kursen für den Zuckerpreis dieser bei einem möglichen Ausfall der Zuckerrohrernten in Indien, einem der weltweit größten Zuckerproduzenten, wieder ansteigen könnte. Auch die Ernten von Reis, Kaffee und Kakao könnten stark beeinträchtigt werden und die Preise nach oben treiben.

Wie der weitere Verlauf von El Niño ausfallen könnte, weiß niemand. Einige Forscher sind zuversichtlich, dass das Phänomen noch moderat ausfallen könnte. Andere jedoch rechnen mit heftigen Katastrophen. Bereits die Hitzewelle in Indien Ende letzten Monats forderte über 1.000 Opfer. Die klimatischen Folgen El Niño’s sollen voraussichtlich noch bis in den Herbst hinein anhalten. Auswirkungen auf das europäische Klima konnten bisher noch nicht nachgewiesen werden.

Allen Meldungen ist eine Grundaussage gemein: El Niño ist da, er kommt immer wieder, doch weder Ursache noch Wirkung, ja nicht mal ein sicherer Rhythmus, konnten bisher sicher festgestellt werden. Woher die plötzlichen Veränderungen der Hochdruckgebiete kommen, ob nun drei, vier, fünf oder sechs Jahre zwischen den einzelnen Erscheinungen liegen oder welche klimatischen Auswirkungen wirklich von El Niño herrühren – darüber wird vor allem spekuliert. Und wie sich der Klimawandel vielleicht auf ein solches Phänomen auswirkt, bleibt fürs Erste wohl auch unbeantwortet.

 

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