Ein Windzug aus den Niederlanden

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Seit jeher verbinden wir mit unserem Nachbarn, den Niederlanden, nicht nur Gouda und Tulpen, sondern auch das landschaftliche Idyll der Windmühlen. Die typische Hollandwindmühle kam im 16. Jahrhundert auf, breitete sich rasch über Europa aus und fanden ihren Höhepunkt im windigen Tiefland Nordeuropas. Dessen Schwerpunkt, die niederländische Küstenregion, verzeichnete gar 10.000 Windmühlen.

Umso verwunderlicher, dass die Windenergie in den Niederlanden im weltweiten Vergleich der installierten Leistung relativ weit hinten liegt. Im Jahr 2008 waren es 2.225 Megawatt, im Jahr 2009 mit 2.229 Megawatt installierter Leistung nur wenig mehr. Zum Vergleich die USA mit einer Leistung von 35.159 Megawatt im Jahr 2009 und Deutschland mit 25.777 Megawatt. Dabei glänzt unser Nachbar mit hervorragendem Know-how auf dem Gebiet der Windenergienutzung und auch die strategisch und klimatisch gute Lage müsste sich in der installierten Leistung bemerkbar machen. Zwar sitzen zahlreiche namhafte Branchengrößen in den Niederlanden, doch größere einheimische Hersteller auf diesem Sektor fehlen, wodurch die Ausrüstung der Windanlagen importiert werden muss.

Dennoch arbeiten die Niederlande an einem starken Ausbau ihrer Leistung und wollen im Bereich der Windenergie ordentlich aufholen. On- und Offshore ist das Windpotenzial ausgezeichnet, zudem gibt es reichlich Platz für die Errichtung neuer Anlagen. Bislang sind 228 Megawatt der Gesamtleistung mit einer durchschnittlichen Nennleistung von 1,06 Megawatt an Land installiert, Offshore liegt die Leistung der Anlagen bei durchschnittlich 2,35 Megawatt. Die ehrgeizigen Ziele der niederländischen Regierung sehen bis zum Jahr 2020 einen deutlichen Ausbau der installierten Gesamtleistung vor. So sollen bis dahin 6.000 Megawatt mittels Windenergie erzielt, der derzeitige Stand also fast verdreifacht werden. Somit dürften die Niederlande vom riesigen europäischen Offshore-Markt, der momentan aufkeimt profitieren, wie kaum ein anderes Land. An Platz und Know-how sollte es zumindest nicht scheitern und auch die Förderpolitik des Landes, durch die Einführung der SDE-Regelung, dürfte dieser Entwicklung zuträglich sein.

Judith Schomaker

 

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