Ein Gletschersee wird zur Bedrohung für eine ganze Stadt

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Gletschersee
Gletschersee

Das durch den Klimawandel die Polkappen schmelzen ist allgemein bekannt. Auch das Gletscherschmelzen ist keine Neuigkeit. Doch nicht alle sind sich den Folgen dessen bewusst. Oft sind kleine Gemeinden am Fuße solcher Gletscher von deren Wasser abhängig. Doch was, wenn es auf einmal zu viel Wasser wird? Huaraz in Peru liegt am Gletscher Pastoruri und ist eine dieser Gemeinden. Sie fürchten jeden Tag den Ausbruch der gewaltigen Wassermassen.

Die Bewohner der Stadt Huaraz nutzen das Wasser des nahen gelegenen Gletschers zur Bewässerung ihrer Landwirtschaft. Doch die Klimaerwärmung stellt sie vor zwei Probleme: was, wenn der Gletscher endgültig geschmolzen ist? Und was, wenn die Wassermassen zu viel werden?

Das Schmelzen der Gletscher geht sehr langsam und wir frühestens die Nachkommen der derzeitigen Bewohner aus Huaraz betreffen. Die größere Sorge sind die Gletscherseen, die entstehen, wenn Gestein und Eis zu einer Moräne werden. In ihnen sammelt sich Schmelzwasser. Doch die Wände dieser natürlichen Seen sind oft sehr dünn. Wenn der Druck der Wassermassen zu groß wird, geben sie nach und die Flutwelle ist nicht mehr aufzuhalten.

Gerade in Erdbebengebieten ist die Gefahr eines Zusammenbruchs solcher Walle sehr groß. Doch nicht nur Erdbeben können einen solchen Kollaps auslösen. Oft werden die Moränen durch überschwappendes oder einsickerndes Wasser ausgehöhlt und dadurch zum Einsturz gebracht. So rauschte 1985 in Nepal eine Flutwelle eines Gletschersees über 50 km weit in die Tiefe , nachdem eine Eis- und Steinlawine in den See abgegangen war und die daraus entstehende Welle die Wand zum kollabieren brachte.

Das Phänomen eines solchen Kollaps und der daraus entstehenden Flut wird von Wissenschaftlern „Glof“ (Glacial Lake Outburst Flood) genannt. Die Ausmaße eines solchen Glofs werden einem bewusst, wenn man sich überlegt, dass der Ärmelkanal vermutlich aus einem solchen entstanden ist. Sollte der Gletschersee Palcacocha am Pastoruri wirklich kollabieren, würde die Flutwelle eine lange Spur der Verwüstung hinter sich herziehen.

Huaraz wurde nun von Morales Arnao, Leiter des Nationalen Instituts für Gletscherforschung in Peru, dazu aufgerufen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. An anderen Orten wurden z.B. Überläufe oder Dämme errichtet, die das Dorf oder die Stadt schützen sollen. Eine andere Möglichkeit wäre das Ziehen von Kanälen durch die Gletscherdämme. Die beste Aussicht für die Zukunft ist jedoch der Kampf gegen die globale Erderwärmung, da dies auch einen Rückgang der Gletscherschmelze bedeuten würde.

Quelle: Die Welt

 

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