DUH vermutet Abgas-Manipulationen bei Opel, BMW und Daimler

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VW-Abgas-Skandal - DUH setzt Frist
VW-Abgas-Skandal - DUH setzt Frist

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat eigenen Angaben zufolge detaillierte Hinweise auf illegale Abgasmanipulationen nicht nur bei Audi und Volkswagen, sondern auch bei den Herstellern Opel, BMW und Daimler. Die Organisation hat den Autobauern, die ähnliche Tricks wie VW anwenden, eine Frist bis heute um 15 Uhr gesetzt, eine vollständige Auflistung ihrer Fahrzeuge mit eingebauter Abgasmanipulation zu veröffentlichen. Sie geht von Manipulationen bei vielen Millionen Diesel- und Benzin-Pkw allein in Deutschland aus. BMW versicherte zuletzt, keine Abschalteinrichtung wie bei VW einzusetzen. Dennoch überschreiten auch einige BMW-Modelle die festgelegten Abgas-Höchstwerte erheblich. Derweil weitet sich auch der VW-Skandal immer weiter aus: Volkswagen hat gestern eingeräumt, dass auch Fahrzeuge in Europa betroffen sind.

Der VW-Abgas-Skandal nimmt kein Ende: Wie Verkehrsminister Dobrindt gestern mitteilte, hat VW gestanden, dass auch Diesel-PKW in Deutschland und Europa mit der Software zur Manipulation der Abgaswerte ausgestattet sind. Wie viele Fahrzeuge genau betroffen sind, wird sich erst in den nächsten Tagen offenbaren. VW arbeitet derzeit an einer detaillierten Auflistung der Modelle, um eine eventuelle Rückrufaktion starten zu können.

Indes wird immer wahrscheinlicher, dass auch Fahrzeuge anderer Hersteller betroffen sind. Nach einem gestern von dem Fachmagazin „Auto Bild“ veröffentlichten Bericht habe das International Concil on Clean Transportation (ICCP) bei einem Abgastest eines BMW X3 xDrive unter Realbedingungen eine Überschreitung der zulässigen Emissionshöchstgrenze um mehr als das 11-fache festgestellt. Ein BMW-Sprecher versicherte jedoch, bei BMW sei keine Abschalteinrichtung wie bei VW im Einsatz. Auch die Auto Bild versicherte in einer nachträglichen Stellungnahme, nicht zu behaupten, BMW würde ähnliche Tricks wie VW anwenden.

Dennoch geraten neben der Volkswagen Gruppe auch die anderen deutschen Autobauer immer mehr in den Fokus der Abgas-Affäre. Verkehrsminister Dobrindt, der das Kraftfahrt-Bundesamt zunächst nur mit der Nachuntersuchung der in den USA beanstandeten VW/Audi Modelle beauftragt hatte, will jetzt auch die Fahrzeuge anderer Hersteller untersuchen lassen. Damit beugt er sich dem massiven Druck von Seiten der Opposition und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach umfassender Aufklärung der Abgasmanipulationen nicht nur bei VW.

Die DUH hatte bereits vor dem Bekanntwerden des VW-Skandals mitgeteilt, anhand von Recherchen klare Hinweise darauf zu haben, dass praktisch alle deutschen Hersteller von Diesel-Pkw die geltenden Grenzwerte für Abgase im Straßenbetrieb derart überschreiten, dass vom Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen bei der Stickoxid(NOx)-Abgasreinigungsanlage auszugehen ist. Die DHU sieht in diesem Fall den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung als erfüllt, da durch die fortgesetzte Vergiftung der Atemluft in deutschen Städten weit über den zulässigen Höchstwert die Gesundheit der Bevölkerung vorsätzlich geschädigt werde. Die hohe Luftverschmutzung in Deutschlands Städten sei für viele zehntausend vorzeitige Todesfälle jährlich verantwortlich, so die DUH.

Konkrete Beweise für das Vorhandensein der Software liegen der DUH zwar offenbar noch nicht vor, dennoch besitzt sie laut eigenen Angaben detaillierte Hinweise, Messprotokolle sowie Ergebnisse eigener Abgasmessungen, die belegen, dass die NOx-Emissionen einiger Fahrzeuge im Realbetrieb zwischen 500 bis 3.000 Prozent oberhalb der festgeschriebenen Grenzwerte liegen. Neben den Diesel-PKW von VW/Audi erhebt die DUH auch Vorwürfe gegen die Hersteller Opel, BMW und Daimler. Zudem seien nicht nur Diesel, sondern auch Benziner betroffen.

Als Beispiel nennt die DUH eine Abgasmessung aus dem Jahr 2011 mit einem BMW 1er mit Benzin-Direkteinspritzung. Damals sei „eine 30-fache Überschreitung der NOx-Grenzwerte gemessen“ und „klare Indizien für eine illegale Abschalteinrichtung des Katalysators ermittelt“ worden. Laut DUH könne eine derart große Überschreitung im Realbetrieb nicht anders erklärt werden, als durch den Einsatz von Abschalteinrichtungen.

Wie die DUH mitteilt, nutzen die Autobauer dazu unter anderem ein Programm, das die Abgaskatalysatoren bei einer bestimmten Geschwindigkeit abschaltet. Der Grund: Bei Abgastests werden die Fahrzeuge bei einer maximalen Geschwindigkeit von 120 km/h geprüft. Fährt der betreffende PKW schneller, beispielsweise 125 oder 140 km/h, geht das Programm davon aus, das es sich im realen Fahrbetrieb befindet und die Abgasreinigungsanlage wird deaktiviert.

Der Abgastest des 1er BMW sei erst der Anfang ihrer Enthüllungen, warnt die DUH. Sie räumt den deutschen Herstellern bis heute um 15 Uhr eine Frist ein, sieben Fragen zu den illegalen Abgas-Manipulationen zu beantworten. Sollte diese Frist ergebnislos verstreichen, will die DUH der Öffentlichkeit weitere Hersteller preisgeben, die ähnliche Tricks wie VW verwenden. Sie ruft zudem ‚Whistleblower‘ dazu auf, ihr bei Enttarnung der Abschalteinrichtungen zu helfen.

Quelle: Presseportal / Spiegel Online

 

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