DUH: Daimler räumt Einsatz von Abschalteinrichtung ein

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Daimler mit Abschalteinrichtung?
Daimler mit Abschalteinrichtung?

Ein Mercedes C220 CDi BlueTec ist bei Abgastests im Straßenverkehr bei niedriger Außentemperatur mit einer mehr als zehnfachen Überschreitung der Schadstoffhöchstgrenzen aufgefallen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen Antrag auf sofortiges Einfahrtverbot für diesen Mercedes in Umweltzonen gestellt. Zudem soll dem Modell die Typenzulassung entzogen bzw. das Fahrzeug zurückgerufen werden. Daimler hat sich bereits zu den Ergebnissen geäußert und „Anpassungen an die jeweiligen Betriebsbedingungen“ zugegeben, „die den Wirkungsgrad beeinflussen“. Die DUH wertet das als Eingeständnis, eine Abschalteinrichtung einzusetzen. 

Der Daimler Konzern stand nach dem VW-Abgas-Skandal immer wieder im Visier der Umweltorganisation. Der Vorwurf: Einige Mercedes Dieselmodelle überschreiten den zulässigen Grenzwert für Stickoxide unter Realbedingungen so deutlich, dass vermutlich eine Software zur Manipulation der Schadstoffemissionen eingesetzt werde (CEP berichtete).

Doch Daimler hat die Vorwürfe bislang von sich gewiesen und der DUH sogar bereits mit einer Klage gedroht. Nun könnte eine neue Wendung in den Fall kommen. Grund ist ein in den Niederlanden durchgeführter Abgastest. Das holländische Prüfinstitut TNO hat einen Mercedes C220 CDi BlueTec unter realen Straßenbedingungen hinsichtlich des Schadstoffausstoßes getestet – mit für Daimler unangenehmen Ergebnissen.

So hatte der Mercedes von insgesamt 16 getesteten Fahrzeugen die mit Abstand schlechtesten Abgaswerte. Der gemessene Spitzenwert von 2.250 mg NOx/km bedeute sogar eine 28-fache Überschreitung des Grenzwerts. (80 mg/km). Bei für den Stadtverkehr typischen Geschwindigkeiten sei der Grenzwert um mehr als zehnfache überschritten worden. Die Straßentests führte das niederländische Institut bei Außentemperaturen von sieben bis zehn Grad Celsius durch, wie sie bei uns in dieser Jahreszeit normal sind.

Daimler reagierte prompt und räumte überraschend ein, dass die Messergebnisse als „plausibel eingestuft“ worden seien. Der Grund dafür ist laut Konzern, dass die Motorsoftware bei niedrigen Temperaturen legale Schutzmaßnahmen für die Emissionstechnik, sogenannte „emission-technic-protection-measurements“ ergreife. Das sei „entscheidend, um den sicheren Bauteilschutz am Motor über die gesamte Laufzeit zu gewährleisten“.

Die DUH wertet das als Eingeständnis für die Verwendung einer Abschalteinrichtung: Die Formulierung Daimlers entspreche exakt der Formulierung der einzigen erlaubten Ausnahme zur Verwendung einer solchen Einrichtung in der EU-Zulassungsverordnung. Diese erlaubt es, unter extremen Bedingungen die Emissionstechnik zum Schutz der Fahrzeugteile zu verringern.

Daimler verwende demnach wahrscheinlich eine Abschalteinrichtung, die unter extremen Bedingungen zulässig wäre, argumentiert die DUH. Alle der über 30 TNO-Einzeltests fanden jedoch unter leichten bis normalen Belastungen des Motors statt, extreme Belastungen waren nicht Bestandteil der Prüfungen. Temperaturen unter 10 Grad Celsius seien zudem in Deutschland die Norm. Und die Zulassungsverordnung schreibe vor, dass die Vorschriften “in normal use” eingehalten werden müssen.

Die DUH glaubt deshalb, dass die von Daimler mutmaßlich verwendete Einrichtung illegal ist. Es sei kein anderer Autohersteller bekannt, der reklamiere, bei Temperaturen unter 10 Grad zum “Bauteilschutz” eine Abschalteinrichtung aktivieren zu müssen. Die Organisation wirft der Daimler AG damit vor, gegen geltende Gesetze zu verstoßen und seine Kunden mit dem Versprechen von umweltfreundlichen Fahrzeugen zu täuschen.

„Wie soll die für über 10.000 jährliche Todesfälle verantwortliche NO2-Belastung der städtischen Atemluft sinken, wenn Mercedes Chef Dieter Zetsche Euro-6 Diesel-Pkw verkauft, deren Abgasreinigung ‘zum Schutz des Motors’ bei Außentemperaturen unter zehn Grad Celsius faktisch abgeschaltet wird? Das ist vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge in vielen tausend Fällen“, betont DUH-Chef Jürgen Resch.

Die DUH hat beim Kraftfahrt-Bundesamt einen Antrag auf Widerruf der Typgenehmigung bzw. eine Rückrufanordnung für alle bereits zugelassenen Fahrzeuge des Modells C220 CDi BlueTec gestellt. Zudem fordert sie die Bundesregierung zu Sofortmaßnahmen auf. Haltern der entsprechenden Mercedes-Fahrzeuge soll die Einfahrt in die Umweltzonen mit sofortiger Wirkung untersagt werden, sobald die Außentemperatur unter zehn Grad Celsius beträgt.

“Daimler-Chef Zetsche hat sich von seinem Qualitätsversprechen ‘Das Beste oder nichts’ verabschiedet. Besser passt der Slogan “Wir können alles, nur nicht saubere Autos bauen”, so Resch.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

 

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