Dolly und Genmais in deutschen Lebensmittelregalen?

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Konsume rEvolution! – Unter diesem Titel liefen letzten Samstag viele bunt gekleidete Menschen durch die bayrische Landeshauptstadt, mit Schildern und Plakaten in der Hand, dem Demo-Truck hinterher. Ihr Ziel? Ein ausdrückliches Verbot von genveränderten Nahrungsmitteln trotz oder auch gerade wegen TTIP. Allen voran, als Beispiel für Unternehmen, die mit dem Freihandelsabkommen ihren Absatzmarkt vergrößern möchten, wird Monsanto genannt. Gegen den großen Saatguthersteller wird im Rahmen der Kundgebung unter dem Thema „March against Monsanto“ auch direkt demonstriert.

Doch nicht nur die Hersteller genmanipulierter Pflanzen klopfen an den Toren des deutschen Marktes. Auch das Thema Klonfleisch beschäftigt zurzeit Medien und Konsument. Denn in den USA ist der Vertrieb von Fleisch geklonter Tiere bereits erlaubt. In Deutschland hingegen gibt es diesbezüglich ein gesetzliches Verbot, dass jedoch vielen Kritikern und Politikern noch nicht genügt. Sie bestehen darauf, dass gerade auf europäischer Ebene härtere Gesetze erlassen werden, sodass das Fleisch nicht doch über Umwege in deutschen Kühltruhen landet. Bereits jetzt äußern viele ihre Sorge über die unzureichende Kennzeichnung von Fleisch und Nahrungsmittelerzeugnissen, die von Nachkommen eines Klons stammt. Die EU argumentiert mit dem enormen Mehraufwand einer gesonderten Etikettierung. Experten hingegen sagen, dass Zuchtbetriebe, die sich auch mit der Klonforschung beschäftigen, bekannt sind und es damit kein großes Problem sei die Nachfahren zu identifizieren.

Das grundlegende Problem ist, dass es noch keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen von Genpflanzen und Klonfleisch gibt. Doch gibt es zu beiden Themen bereits viele Dokumentationen. Insbesondere im Bereich der Klonforschung ähneln diese eher einem Horrorstreifen als einem der Biologie-Lehrvideos, die viele sicher noch aus ihrer Schulzeit kennen. Geringe Lebensfähigkeit, hohe Krankheitsanfälligkeit und starke Deformierungen auf zellularer Ebene lassen einen nicht unbedingt an ein nettes Candle-Light-Dinner denken. Genauso wenig ist über die Langzeitwirkungen von Genfutter für Nutztiere bekannt. Und auch hier gibt es wieder keine Kennzeichnungspflicht. Dem Konsumenten wird damit die Möglichkeit genommen selbst zu entscheiden. Unbewusst und oft ungewollt unterstützt er so Unternehmen aus der Agro-Gentechnik. Mit den angeregten Gesetzen sollen die Menschen wieder wählen dürfen, was sie essen und welche Unternehmen sie mit ihrem Kaufverhalten unterstützen möchten.

Sollte ein entsprechendes Gesetz wirklich erlassen werden, könnte es jedoch genauso schnell von anderer Seite wieder gekippt werden. TTIP, das stark kontrovers diskutierte Freihandelsabkommen zwischen Deutschland und den USA, bereitet vielen gerade hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit große Sorgen. Gruselwörter wie Chlorhühnchen und Genmais schweben dabei durch die Medien und Köpfe. Kommt Klonfleisch nun auch hinzu? Von Seiten der Politik kommt zu all diesen Albträumen der Lebensmittelbranche ein klares Nein. Sie versprechen für die Zukunft eine deutliche Kennzeichnung entsprechender Nahrungsmittel und Einfuhrverbot für Produkte, die nicht den aktuellen deutschen Gesetzen entsprechen. Doch in Brüssel sei bisher noch niemand diesbezüglich vorstellig geworden. Kritiker hingegen gehen davon aus, dass der Preisdruck durch den Wettbewerb mit amerikanischen Produkten jede Versprechung hinfällig werden lässt, sobald deutsche Hersteller für ihre Wettbewerbsfähigkeit gegen die Gesetze klagen. Gleichzeitig üben auf Seiten der USA insbesondere große Agrarunternehmen Druck aus, um den deutschen Markt weiter für genmanipulierte Nahrungsmittel zu öffnen.

Fest steht, dass bisher wohl niemand etwas Genaues sagen kann. Solange die Verhandlungen zu TTIP hinter verschlossenen Türen stattfinden, bleiben nur Spekulationen und oberflächliche Versprechungen. Als Gewinner des Abkommen scheinen im Moment nur amerikanischen Megakonzerne zu sein. Ob sie sich am Ende gegen die große Kritik aus der Bevölkerung durchsetzen können wird sich noch zeigen.

 

 

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