Doch nicht Uniper: E.on behält die Sparte Atomenergie

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E.on behält Sparte Atomenergie, Uniper bekommt Kohle- und Gaskraft

Der Energiekonzern E.on hat am Mittwoch bekanntgegeben, seine Kernkraftwerke doch nicht wie bislang geplant an das neu gegründete Tochterunternehmen Uniper abzugeben, sondern unter der eigenen Verantwortung zu belassen. Der erneute Strategiewechsel ist die Konsequenz aus dem neu vorgestellten Gesetzesentwurf der Bundesregierung, nach dem Konzerne auch dann noch für die Finanzierung des Atomausstiegs haftbar gemacht werden können, wenn sie sich – wie E.on – aufspalten.

Die Entscheidung fiel am späten Mittwochabend bei einer Vorstandsitzung: „Der verbleibende Betrieb und Rückbau der konzerneigenen deutschen Erzeugungskapazität aus Kern-energie geht nicht auf Uniper über, sondern bleibt bei E.on“, hieß es in einer Pressemitteilung. Das habe der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen. Kohle- und Gaskraftwerke sollen jedoch weiterhin wie geplant an Uniper abgegeben werden.

Doch warum der erneute Kurswechsel?

Vorausgegangen war dem die Entscheidung des Energiekonzerns, sich in zwei unabhängige Unternehmen aufzuspalten (CEP berichtete). Demnach wolle sich das „alte“ E.on ab 2016 verstärkt auf die Bereiche Erneuerbare Energien und Energienetze konzentrieren. Die Sparte konventionelle Energieerzeugung werde abgespalten und firmiere künftig unter dem Namen Uniper, verkündete Konzernchef Johannes Teyssen Ende 2014. Die geplante Aufspaltung sei, sagte Teyssen damals, eine notwendige Reaktion auf die weitreichenden Veränderungen des Strommarkts.

Uniper werde neben den Kohle- und Gaskraftwerken auch die Rückstellungen bzw. die Verantwortung für den Rückbau der verbleibenden deutschen Atomkraftwerke E.ons übernehmen – so zumindest war es damals geplant. Doch bereits kurz nachdem diese Nachricht bekannt wurde, äußerten viele Experten die Befürchtung, der abgespaltene Konzern werde möglicherweise über zu wenig finanzielle Mittel verfügen, um den Abriss seiner Atomkraftwerke und die Entsorgung des anfallenden Atommülls alleine schultern zu können. Zudem warnten sie davor, dass Uniper nach der vollzogenen Abspaltung per Gesetz maximal fünf Jahre für das Abrissprojekt haftbar gemacht werden könne. Danach sei der Konzern aus der Verantwortung und die Regierung bzw. der Steuerzahler bleibe womöglich auf den übrigen Kosten sitzen.

Die Bundesregierung reagierte und stellte vergangene Woche eine Gesetzesentwurf vor, nach dem die Konzerne auch im Falle einer Aufspaltung auf unbegrenzte Zeit für die im Zuge des Atomausstiegs anfallenden Kosten haftbar gemacht werden können. Sollte das Gesetz tatsächlich kommen, würde das für E.on bedeuten, trotz Aufspaltung weiter für die Sparte Atomenergie verantwortlich zu sein. Das dürfte den Konzern hart treffen.

E.on schrieb, ein verantwortungsvoller Vorstand könne seinen Eigentümern nicht vorschlagen, unbegrenzt für völlig unabhängiges Handeln einer anderen Gesellschaft zu haften. „In der globalen Wirtschaftswelt gibt es bei der Auftrennung von Eigentum kein vergleichbares Vorgehen für eine Haftungsregelung ohne Beschränkung von Dauer und Umfang. Dennoch will Deutschland diesen Sonderweg offenbar einschlagen“, betont Teyssen.

Zwar hat der Konzern bereits angekündigt, gegen den Gesetzesentwurf Klage einreichen zu wollen, denn „ein solches Gesetz wäre zwar voraussichtlich verfassungswidrig“, doch „ein solcher Rechtsstreit könnte sich über Jahre hinziehen“, und man wolle die Abspaltung wie geplant zum Jahreswechsel vollziehen. Daher greift E.on nun zur einzigen anderen Lösung und behält das unliebsame Geschäft mit der Kernenergie.

„Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor. Denn wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten“, sagte Teyssen. Deshalb sei aktives Handeln geboten.

„Unsere Entscheidung ermöglicht den nötigen Freiraum, die Konzernstrategie und den laufenden Abspal-tungsprozess im vorgesehenen Zeitrahmen umzusetzen. Damit schaffen wir gute Perspektiven für unsere Mitarbeiter und eine wertorientierte Neuaufstellung für unsere Eigentümer“, so Teyssen.

Gleichzeitig begegne das Unternehmen damit der in jüngster Zeit zunehmend zum Ausdruck gebrachten Sorge, E.on wolle sich der Verantwortung für die Kernenergie entledigen. „Diese Sorge war und ist unbegründet. Die Kernenergie war nie ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung der Konzernstrategie und der daraus folgenden Aufspaltung des Unternehmens“, stellte der E.on-Chef klar.

In der politischen Diskussion komme es jetzt darauf an, die wichtigen offenen Fragen rund um die Beendigung der Kernenergie in Deutschland anzugehen. „Für konstruktive Lösungen sind wir nach wie vor offen. Staat und Unternehmen sind gemeinsam in die friedliche Nutzung der Kernenergie eingestiegen, jetzt müssen beide diesen Weg auch in gemeinsamer Verantwortung zu Ende gehen“, so Teyssen.

Quelle: E.on Presse

 

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