Diese Apps helfen, Lebensmittel vor der Tonne zu retten

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App guenstig uebrige Lebensmittel aus Restaurants bestellen
Foto: Mealsaver / In den kommenden Monaten wird die App in weiteren deutschen Großstädten angeboten werden. Das zweite Standbein ist der Aufbau eines internationalen Netzwerks gegen Lebensmittelverschwendung.

“In Wien wird täglich jene Menge an Brot als Retourware vernichtet, mit der die zweitgrößte Stadt Österreichs, das ist Graz, versorgt werden kann.” (Aus dem Film „We feed the World“ von Erwin Wagenhofer)

Am Büffet im Restaurant hat auch der letzte Gast noch eine große Auswahl. Bis Abends ist die Theke beim Bäcker gefüllt mit Brot, Brötchen und Kuchen. Der Markthändler gibt gegen Mittag seinen Stammkunden gerne das ein oder andere Gemüse oben drauf, um zu vermeiden, später wieder etwas mit zurück nehmen zu müssen. Es bleibt allerdings trotzdem fast immer etwas zurück, egal ob beim Mittagstisch, in der Backstube oder beim Gemüsegärtner. Doch was passiert mit diesen Lebensmitteln? Viele landen in der Mülltonne!

In der Europäischen Union werden jedes Jahr pro Person durchschnittlich 179 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Das macht insgesamt zirka 89 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. Gemäß einer von der EU finanzierten Untersuchung „Preparatory study on food waste across EU 27“ gehen 42 Prozent aller weggeworfenen Lebensmittel auf das Konto der privaten Haushalte. 39 Prozent landen bei den Herstellern im Müll, 14 Prozent in der Gastronomie und fünf Prozent bei den Einzelhändlern. (Quelle: Stadt Wien)

Was für den einen Müll ist, ist für den anderen die Gelegenheit, Gutes zu tun; nämlich, Lebensmittel vor der Tonne zu retten und dabei auch noch Geld zu verdienen. Gleich zwei Unternehmen haben Apps entwickelt, über die man “übrig gebliebene” Mahlzeiten aus Restaurants “retten” kann. MealSaver und ToGoodToGo kooperieren mit Gastronomiebetrieben, Bäckereien und dem Lebensmitteleinzelhandel. Die Partnerbetriebe stellen ihre Anzahl übriger Mahlzeiten kurz vor Ladenschluss online. Verbraucher können diese dann online bezahlen und zum vereinbarten Termin vor Ort abholen. So wandern Sandwiches, Sushi-Boxen und Salate nicht in die Tonne, sondern werden noch gegessen. Zwischen zwei bis vier Euro werden pro Box verlangt, meist bedeutet dies mehr als 50% Rabatt. Dafür kauft der Kunde oft eine Überraschungstüte und muss in einem engen Zeitfenster erscheinen. Doch beide Seiten können profitieren.

Vorerst konzentrieren sich MealSaver und TooGoodToGo auf Großstädte wie Berlin, München, Hamburg und weitere Städte, z.B. in Nordrhein-Westfalen, doch in Zukunft soll es in der ganzen Republik möglich sein, übrige Mahlzeiten vor der Tonne zu retten.

Verschiedenes krummes Gemüse
Foto: Malchus Kern / Für den Handel nicht mehr gut genug. Diese Lebensmittel wurden vor der Mülltonne “gerettet”.

Einen anderen Ansatz verfolgt FoodLoop. Die Softwarelösung erlaubt Unternehmen Produkte kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum automatisch im Preis zu reduzieren. Im Geschäft werden diese dann noch mit einem FoodLoop Aufkleber versehen. Welche Produkte reduziert wurden, können Verbraucher auch via App verfolgen. Doch neue Ideen brauchen Überzeugungsarbeit. In Spanien hat FoodLoop bereits Pilotprojekte mit Supermarktketten, in Deutschland ist die App noch in der Betaphase. Dabei gäbe es viele Lebensmittel zu retten.

Quellen: Stadt Wien, Preparatory study on food waste across EU 27

Malchus Kern schreibt als Freier Autor über Nachhaltigkeit, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und digitale Innovationen. Auf seinem Balkon versucht er sich an Selbstversorgung.

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