Die Wasserkraft aus der Kohlemine

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Eingang Bergwerk Prosper-Haniel
Bergwerk Prosper-Haniel Bild: Goseteufel [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Wenn die Energiewende einmal vollzogen ist, was passiert dann eigentlich mit den ungenutzten Kohleminen? Tageabbaugebiete können renaturiert werden, die die Schächte in den Bergen, die der Tiefbau hinterlassen wird, werden wohl so bleiben. Seit 2012 untersuchen Forscher der Universitätsallianz Ruhr ob diese Minen möglicherweise weiteres  Potential  bergen – für Grüne Energien.

Dieses Potential soll in dem Platz und der Beschaffenheit der der Stollen und Schächte liegen. So könnten diese für ein unterirdisches Pumpspeicherkraftwerk eingesetzt werden, welches überschüssigen Strom aus Wind- und Sonnenenergie durch das Umwälzen von Wasser speichern kann. Dafür wird Wasser an einen höhergelegenen Ort gepumpt, wenn genügend Energie zur Verfügung steht. Wird die Energie wieder benötigt, lässt man das Wasser wieder zurückfließen. Dabei wird es durch Turbinen geleitet und erzeugt so wieder elektrischen Strom.

Pumpspeicherwerke werden bereits über Tage genutzt und haben sich mit Wirkungsgrad von 75 bis 80 Prozent bewährt. Doch gab es aufgrund des für die Kraftwerke für benötigten Platzes bereits Kritik aus Reihen der Bevölkerung. Die Nutzung der stillgelegten Minen könnte dieses Problem beheben.

Um festzustellen, ob ein solches Vorhaben sich wirklich lohnen könnte, führten 50   Forscher der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Bochum (RUB) sowie von RAG und DMT eine Machbarkeitsstudie anhand der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop durch. Das Ergebnis: nicht jede Zeche ist geeignet, insbesondere bereits stillgelegte Anlagen,  deren Zustand sich nicht sicher feststellen lässt. Doch die Mine in Bottrop, welche noch bis Ende 2018 voll in Betrieb sein wird, erfüllt die technischen Voraussetzungen, wie etwa die Fallhöhen zwischen den Sohlen.

So soll das Pumpspeicherkraftwerk Prosper-Haniel einmal aussehen © Universität Duisburg-Essen, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft

„Prosper-Haniel ist geologisch und von der Infrastruktur her geeignet, um hier ein unterirdisches Pumpspeicherkraftwerk als geschlossenes System umzusetzen“, sagt UDE-Professor André Niemann. Der Experte für Wasserbau und Wasserwirtschaft leitet das Projekt. „Wir gehen von einem Speichervolumen von 600.000 Kubikmetern aus. Das heißt, bei voller Ladung bekäme man vier Stunden lang eine Leistung von ca. 200 Megawatt. Das reicht für 450.000 Haushalte.“

Der Haken: Aktuell rechnen sich Pumpspeicher  noch nicht. So erklärt Professor Dr. Hermann-Josef Wagner: „Zwar sind die Kosten einer untertägigen Anlage mit 600 bis 2.400 Euro pro Kilowatt vergleichbar mit denen einer oberirdischen. Allerdings sind die regulatorischen Bedingungen in Deutschland gerade sehr ungünstig. Für Stromspeicher etwa wird ein doppeltes Netzentgelt verlangt.“

Niemann zufolge hat die Industrie jedoch großes Interesse an dem Projekt.  So hilft das Kraftwerk nicht nur dabei, den Strom aus erneuerbaren Energien für die spätere Verwendung zu speichern. Es schafft auch neue Arbeitsplätze für die Arbeiter aus dem Bergwerk, die dadurch eine bessere Zukunftsperspektive erhalten.

Weitere Informationen zur Studie und dem Projekt finden Sie hier.

Quellen:
https://www.uni-due.de/de/presse/meldung.php?id=9524
http://www.trendsderzukunft.de/aus-dieser-kohlemine-soll-ein-gigantisches-pumpspeicherwerk-werden/2017/03/21/