Die vergessenen Selbstmorde französischer Bauern

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Niedrige Milchpreise treiben französische Landwirte in den Ruin

Niedrige Preise für Milch und Fleisch sind nicht nur in Deutschland ein Problem, sondern treiben auch französische Hofbetreiber in die Verzweiflung. Das Vertrauen in die Politik ist verloren und auch die aktuellen französischen Präsidentschaftskandidaten, Emmanuel Macron und Marine Le Pen scheinen sich vor Antworten zu drücken.

Häufig werden klein- und mittelgroße Milch- und Fleischbetriebe über Generationen weitergegeben – die Bauern sind von dem Stolz erfüllt, die Betriebe ihrer Väter und Großväter weiterzuführen. Doch die heutigen Bedingungen treiben die Landwirte in den finanziellen Ruin: statistisch gesehen begeht in Frankreich alle zwei Tage ein Landwirt Selbstmord. Die meisten fühlen sich von der Politik im Stich gelassen – trotz der sinkenden Preise erhalten die Bauern keine Hilfsgelder.

„Die Situation ist schlimm“, beschreibt der französische Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll die aktuellen Bedingungen. Doch bereits im Herbst 2015 demonstrierten die Landwirte in Paris gegen den Rettungsplan der französischen Regierung, den sie weiterhin als zu gering einstuften. Einen Tag lang legten sie den Verkehr in Paris lahm und stellten Kreuze für ihre Kollegen, die sich das Leben genommen hatten, auf. Doch welche Faktoren sorgten für die prekären Arbeitsbedingungen der Landwirte? Hauptgrund sind die niedigen Milch- und Fleischpreise, doch auch die wirtschaftliche Krise, in der sich Frankreich seit Jahren befindet, wirkte sich auf viele Bauern aus.

Ein Drittel der Bauern in Frankreich verdiente 2015 weniger als 350 Euro im Monat. Der finanzielle Druck sei enorm, die Bauern in Bedrängnis, so Véronique Louazel, Soziologin im Auftrag der Hilfsorganisation „Solidarité Paysans“. Viele leiden an Burn-out, weil Arbeitsleben und Freizeit schwer zu trennen sind, laut Louazel sei es außerdem verpöhnt, in Schwäche zu zeigen oder aufzugeben. Daher haben sich vor einiger Zeit Hilfsorganisationen wie die „Solidarité Paysans“ oder “„Agri’écoute“ gebildet, um die Landwirte zu beraten. Einige haben ihren Bestand seither verkleiner, auf Bio umgestellt und verkaufen ihre Milch und ihr Fleisch nur noch auf dem Markt und an lokale Kunden.

„Diejenigen, die heute leiden, sind natürlich die Betriebe, die wirtschaftlich am wenigsten leistungsstark sind. Entweder, weil sie hoch verschuldet sind – also die Berufseinsteiger, oder weil die Produktionsstruktur zu klein ist, um Sparmaßnahmen durchführen zu können“, sagte Agrar-Experte Hervé Guyomard, wissenschaftlicher Direktor beim nationalen Agrarforschungsinstitut INRA. In Frankreich könne der Staat daher den kleineren Höfen stärkere Hilfen gewähren, wenn sie auch die Umwelt mehr schützten, so die Agraringenieurin Aurélie Trouvé.

Quelle:
Greenpeace-Magazin