Die Religionen und das Klima

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Pope Francis
Pope Francis

„Das Klima geht uns alle an!“ Diesen Satz hört man nun schon seit einigen Jahren immer wieder. Während Politiker aus allen Teilen der Welt diskutieren, welche Maßnahmen zum Schutze des Klimas zu ergreifen sind, vertreten viele die Meinung: Klimaschutz beginnt im Kleinen. Mit anderen Worten – also bei einem selbst. Doch wie bewegt man Menschen dazu, sich auch auf persönlicher Ebene mit diesem Thema auseinander zu setzen?

Medial hat das Thema Klimawandel eine hohe Präsenz, doch erscheinen einem die angesprochenen Probleme oft sehr entfernt. Sie haben selten mit unserem direkten Umfeld zu tun, sodass wir uns bei speziellen Ursachen des Klimawandels nicht immer verantwortlich oder angesprochen fühlen.

Wie also diese Menschen zum Umdenken bewegen?

In den letzten Jahren sind immer mehr Projekte entstanden, die auf lokale Probleme hinweisen und gegen diese vorgehen. Doch auch geistige Führer sprechen den Klimawandel immer offener an und fordern die Menschen dazu auf, sich ihm zu stellen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist wohl Papst Franziskus. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 hat er das Thema immer wieder zu den verschiedensten Anlässen angesprochen. Am vergangenen Wochenende nahm er den jährlichen Ostersegen „Urbi et Orbi“ als Anlass auf die Probleme in der Welt hinzuweisen und widmete auch dem Klimawandel einen Teil seiner Ansprache.

Der Papst sieht im Klimawandel einen der Hauptgründe für die „immer größer werdende Schar der Migranten und Flüchtlinge“, die sich „auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Armut und sozialer Ungerechtigkeit“ befinden. „Ich denke besonders an die Bereiche, die von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Dieser verursacht nicht selten Dürren oder heftige Überschwemmungen mit daraus resultierenden Nahrungsmittelkrisen in verschiedenen Teilen der Welt.“

Franziskus spricht bei seinem Segen eine Gemeinde mit mehr als 1,2 Milliarden Mitgliedern an, appelliert an ihre Verantwortung gegenüber der Erde auf der sie Leben und stößt damit vielleicht auch ein Umdenken bei jenen an, die sich bis dato noch nicht mit der Thematik Klimawandel auseinander gesetzt haben.

Der Einfluss der Religionen

Die katholische Kirche ist nicht die einzige Religion, die mit seiner Glaubensgemeinde über den Klimawandel spricht. Bereits 2009 trafen sich Vertreter von 30 Religionen und konfessionsübergreifenden Gruppen zu der religiösen Klimakonferenz „Many Heavens, One Earth“ im britischen Schloss Windsor. Dabei einigten sich die Teilnehmer auf verschiedene konkrete Projekte zum Klimaschutz. So wollen der Deutschen Welle zufolge chinesische Buddhisten und Daoisten die Anzahl der brennenden Räucherstäbchen auf drei pro Person beschränken und damit die Luftverschmutzung vermindern, während die Anglikanische Kirche und die Sikhs mehr Solaranlagen auf den Dächern ihrer Gebetshäuser installieren wollen.

Afrikanische Glaubensführer wollen dagegen erst einmal erzieherische Maßnahmen ergreifen: Sie haben sich 2010 in einer Deklaration darauf geeinigt, in ihren Predigten regelmäßig den Klimawandel anzusprechen und ihren Anhängern eine klimafreundliche Lebensweise näherbringen. So predigt der Religionsführer der Muslime, Mufti Mubajje, aus Uganda beispielsweise seinen Anhängern jede Woche aufs neue, wie sie das Klima schützen können: keine Bäume abholzen, weniger Kohle verbrauchen, einen Baum pflanzen. Ein Bischof der anglikanischen Kirche der Region Bunyoro im Westen des Landes wieder erklärt sich nur dann bereit Paare zu trauen oder Babies taufen, wenn die Menschen vorher einen Baum gepflanzt haben. So soll ein Beitrag zur Wiederaufforstung geleistet werden.

2016 03 11 Geneva G10 46Auch der Dalai Lama setzt sich für den Klimaschutz ein © The Office of His Holiness the Dalai Lama

Bei ihrem Bestreben, gegen den Klimawandel vorzugehen, versuchen die Religionen sogar Einfluss auf die Politik zu nehmen. So fordern mehr als 100 religiöse und nichtreligiöse Gruppen in der “Interfaith Declaration on Climate Change” die Staatsoberhäupter auf, verbindliche Ziele zu vereinbaren, um den Klimawandel einzudämmen. Die Liste der Einzelpersonen, die diese Erklärung mit tragen, wird dabei von den beiden Friedensnobelpreisträgern, dem vierzehnten Dalai Lama, Tenzin Gyatso, und dem ehemaligen anglikanischen Erzbischof Desmond Tutu angeführt.

Religionen haben Einfluss, sie bewegen Menschen, prägen deren Weltbild und sind nationsübergreifend. Angesichts der Tatsache, dass gut 80 Prozent der Weltbevölkerung religiös sind, kann der Glaube einen großen Einfluss auf den Klimawandel haben. Insbesondere wenn es um das Weltbild der Glaubensanhänger geht, können religiöse Führer für den Klimaschutz einen entscheidenden Unterschied machen.

Quellen:
http://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/urbi/documents/papa-francesco_20160327_urbi-et-orbi-pasqua.html
http://www.dw.com/de/predigen-f%C3%BCrs-klima/a-16713391
http://www.interfaithdeclaration.org/index.html

 

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