Die Folgen fossiler Brennstoffe für das arktische Eis

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Arktis Eisschmelze durch Klimawandel
Arktis Eisschmelze durch Klimawandel

Das Ewige Eis der Arktis ist in Gefahr. Während die weltgrößte Eisdecke langsam vor sich hin schmilzt und der Meeresspiegel unseres Planeten mehr und mehr steigt, kommt die Reduzierung der globalen Treibhausgasproduktion eher schleppend voran. Wie stark der Ausstoß von Kohlenstoffemissionen als Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe im Detail zum Rückgang des arktischen Festlandeises führt, wird unter Wissenschaftlern immer wieder diskutiert. Nun haben die Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung simuliert, wie sich der Verbrauch unserer globalen Reserven von Öl, Gas und Kohle auf die arktische Eisdecke auswirkt. Die Ergebnisse sind äußerst beunruhigend.

Die UN-Klimakonferenz findet dieses Jahr, gleichzeitig mit dem 11. Treffen des Kyoto-Protokolls, vom 30. November bis 11. Dezember in Paris statt. Der Erfolgsdruck der Konferenz ist hoch. Nach einer Analyse des Grantham Institute for Climate Change müssten sich die bisherigen Klimaschutzvorhaben bis 2030 mindestens verdoppeln, um zumindest eine 50-prozentige Chance gewährleisten zu können, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Dabei wird es vor allem auf die Zugeständnisse der großen Schmutzfinken unter den Staaten ankommen, allen voran China und die USA.

Wie essentiell die weitere Eindämmung des globalen CO²-Ausstoßes für die Zukunft des menschlichen Lebens auf der Erde ist, hat nun eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung gezeigt. Die Leitautorin Ricarda Winkelmann resümiert: „Wenn wir alle verfügbaren fossilen Energiequellen verbrennen, wäre das ein Ende des Ewigen Eises: Die Antarktische Eisdecke würde nahezu komplett abschmelzen und einen seit Menschengedenken noch nie dagewesenen Anstieg des globalen Meeresspiegels verursachen.“

Natürlich wäre dies ein langwieriger Prozess, doch bereits unser Handeln bis heute hat langfristig gravierende Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Dies zeigten zwei separate Studien von 2014. Sie stellten fest, dass das Abschmelzen der Eisdecke auf der westlichen Antarktis bereits in vollem Gange und von uns nicht mehr aufzuhalten ist. Das Schmelzen der west-arktischen Gletscher liegt besonders in der fortschreitenden Erwärmung des umliegenden Wassers aufgrund des Klimawandels begründet und werde einen Anstieg des Meeresspiegels von bis zu vier Metern verursachen. Die Erwärmung des Wassers ist dabei deutlich wirkungsstärker als die der Luft. Das Wasser erwärmt die Eisdecke von unten, indem es das Eis unterspült und langsam destabilisiert, bis es schließlich kollabiert. Große Platten brechen so immer wieder vom Festlandeis ab und stürzen ins Meer. Zwar könne dieser Prozess in der West-Arktis schon nicht mehr gestoppt werden, dennoch ist er nach Meinung der Forscher noch einige Jahrhunderte entfernt. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass sich das Angesicht der Erde langfristig gravierend verändern könnte – durch Menschenhand.

Denselben Schluss ziehen nun auch die Potsdamer Wissenschaftler. Zum ersten Mal konnten sie eine Simulation erstellen, mit der die Verbrennung unserer fossilen Brennstoffe direkt auf die Schmelzung der arktischen Eisdecke umgerechnet werden kann. Die Berechnung zeigt: Würde die gesamte auf der Erde vorhandene Menge an fossilen Brennstoffen, also Kohle, Öl und Gas, verbrannt werden, so hätte dies einen Ausstoß an Kohlenstoffemissionen von etwa 10.000 Millionen Tonnen zur Folge. Diese kaum vorstellbare Menge würde, nach den Ergebnissen der Studie, über die nächsten zehntausend Jahre zu einem vollkommenen Abschmelzen der gesamten Antarktis führen und alle 100 Jahre einen Anstieg des Meeresspiegels von bis zu drei Metern mit sich bringen.

Die Antarktis beherbergt die größte Eisfläche der Erde. Dennoch trägt sie bisher nur zu 10 Prozent zur Erhöhung des Meeresspiegels bei, weil die Temperaturen dort trotz der globalen Erwärmung weiterhin unter dem Gefrierpunkt liegen. Doch wie das detaillierte Computermodell der Potsdamer Forscher voraussagt, könnte sich dies durchaus ändern. Im simulierten Extremfall, in welchem eines Tages alle Reserven an Öl, Gas und Kohle verbraucht sind und der Temperatur-Durchschnitt somit um ca. 10 Grad steigt, würde sich der Meeresspiegel bereits alle zehn Jahre um ca. 30 Zentimeter erhöhen. „Wenn wir Städte wie Tokio, Hong Kong, Schanghai, Kalkutta, Hamburg oder New York als unser zukünftiges Erbe bewahren wollen, müssen wir ein Kippen der Ost-Antarktis verhindern, und das gelingt nur, wenn wir den Treibhausgasausstoß stoppen“, so Ko-Autor Anders Levermann. 

Doch damit nicht genug. Projiziert man das simulierte Worst-Case-Szenario noch weiter in die Zukunft, dann resultiert am Ende dieses Jahrtausends eine Erhöhung des Meeresspiegels um 30 Meter, um über 40 Meter während des kommenden und bis zu über 60 Meter über die darauffolgenden Jahrtausende. Das Gesicht unserer Erde würde sich damit für immer vollkommen verändern.

 

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