Die Atomkraft war ein teurer Irrweg

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Atomausstieg
Atomausstieg

„Die Atomkraft war ein Irrweg.“ Das sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei der Eröffnung einer Konferenz anlässlich des 30 Jahrestages des Reaktorunglücks in Tschernobyl. Doch bis die Folgen dieses Irrwegs beseitigt sind, werden Millionen von Jahren vergehen – und viele Milliarden Euro ausgegeben werden müssen. Die EU-Kommission schätzt die Folgekosten stillgelegter AKW allein in Europa auf mindestens 253 Milliarden Euro. In Deutschland protestieren die Energiekonzerne wegen der unberechenbaren Kosten für die Endlagersuche.

„Die Kernenergie war aus heutiger Sicht eine Sackgasse der technischen Entwicklung. Die Orte Tschernobyl und auch Fukushima sind dafür ewige Mahnungen“, so Hendricks in Berlin. Noch heute seien die Auswirkungen von Tschernobyl mit seinen vielen verwaisten Regionen in der Ukraine, Russland und Weißrussland sichtbar.

Für die deutsche Atompolitik markiere der Reaktorunfall in der Ukraine eine Zäsur, so die Umweltministerin. „Eine Zäsur, die denen Recht gab, die schon lange vor den Gefahren gewarnt hatten (…) Diese Menschen verdienen unseren Respekt.“ Diese zivilrechtlichen Bündnisse seien der Ausgangspunkt eines Wandels gewesen, an dessen Ende die baldige Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke stehen wird. „Wir stehen heute – ohne Zweifel – am Beginn des Zeitalters der Erneuerbaren Energien. Das Zeitalter der Atomkraft endet.“

Die daraus folgenden Probleme werden die Menschheit jedoch noch viele Jahrtausende beschäftigen. Dafür ist kein Ende in Sicht. Allein die Suche nach einem geeigneten Endlager für die radioaktiven Abfälle könnte sich noch über viele Jahrzehnte hinziehen. In Deutschland wird die Atomenergie seit den 1960er Jahren genutzt. Alle 1-2 Jahre müssen die Reaktoren heruntergefahren werden, um die verbrauchten Brennstäbe auszutauschen. Bisher hat die Atomindustrie dadurch rund 14.000 Tonnen hochradioaktiven Mülls produziert – allein in Deutschland. Weltweit gibt es nach vorsichtigen Schätzungen etwa 300.000 Tonnen nuklearer Abfälle.

In Deutschland soll der letzte Reaktor planmäßig 2022 vom Netz gehen. Bis dahin werden etwa 17.500 Tonnen radioaktive Abfälle in Containern vor sich hin strahlen. Dort müssen sie bleiben – zumindest bis ein Endlager gefunden ist. Die geschätzten Kosten für die Zwischen- und Endlagerung schätzte die Endlagersuchkommission letztes Jahr auf 50 – 70 Milliarden Euro. Die verantwortlichen Konzerne E.On, RWE, EnBW und Vattenfall wollen das nicht alleine schultern. Wie die WirtschaftsWoche gestern berichtete, drohen sie damit, die Rechnungen für die Suche nach einem Endlagern nicht mehr zu bezahlen.

Bisher haben die Konzerne rund 18 Milliarden Euro für die Endlagersuche zurückgestellt – viel zu wenig. Der Chef der eigens gebildeten Atomkommission Jürgen Trittin fordert daher einen Risikoaufschlag von 30 bis 100 Prozent auf die Rückstellungen der Konzerne. Doch die wollen diese Forderung laut Medienberichten nicht akzeptieren. Weitere Verhandlungen sind für den 12. April geplant.

Dann wollte die Atomkommission der Bundesregierung eigentlich den Abschlussbericht zur Finanzierung des Atomausstiegs vorlegen. Dass bis dahin jedoch eine Einigung wegen der Endlagerkosten erzielt wird, ist unwahrscheinlich. Mittlerweile gehen die meisten Experten davon aus, dass die Bundesregierung – und damit die Steuerzahler – auf einem beträchtlichen Teil der Kosten für den Atomausstieg sitzen bleiben werden.

Und nicht nur in Deutschland fehlt es an Geld für die Beseitigung der jahrzehntelangen Nutzung der Kernenergie. Am Montag hat die EU-Kommission einen Bericht vorgelegt, der die Kosten für die Entsorgung und den Abriss stillgelegter Atomkraftwerke in ganz Europa bis 2050 auf rund 253 Milliarden Euro schätzt. Bislang wurden dafür aber nur 133 Milliarden Euro zurückgelegt. Die Folgekosten der Atomenergie sind damit aktuell nur zu 52 Prozent gedeckt.

Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace hält selbst diese Einschätzung für zu optimistisch. „Solange weltweit noch kein Endlager für hochradioaktiven Abfall gefunden ist und der Atommüll für eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss, wird die Rechnung weiter steigen“.

Quelle: www.bmub.bund.de / Greenpeace Magazin

 

One Response

  1. Helmut Meyer

    22. November 2016 14:55

    Der Artikel stellt die bzgl. Kernkraft in Deutschlaqnd übliche Schwarz-Weiß-Malerei dar – entbehrt der dringend nötigen Objektivität. Deutschland hat sich aus der Weiterentwicklung der Nutzung von Kernenergie verabschiedet – Kernkraft ist “oui”. Es versteht sich in Deutschland nahezu von selbst, dass über eine Entwicklung neuer vielversprechender Kernkraft-Konzepte bei uns nicht einmal nachgedacht wird. Jede Form der Energiegewinnung, die auf der Einstein-Gleichung E=mc² beruht, ist böses Atom und damit des Teufels. Unerheblich, ob damit handfeste Vorteile verknüpft sind, wie die Lösung der Endlagerfrage. Denkverbote wie diese in Deutschland können sich die USA und China nicht leisten. Gleichzeitig arbeitet China – inzwischen in Zusammenarbeit mit entsprechenden Entwicklungen / Forschungen in den USA – mit hoher Prorität daran, bis zum Jahre 20xx zum weltweit führenden Thorium-Kernkraftwerksanbieter geworden zu sein. Gibt es ernst zu nehmende Studien, woraus faktisch diese konträr unterschiedliche Bewertung resultiert, inwieweit die Ausrichtung in Deutschland evtl. mit Übergewicht politisch begründet wurde und was dies für Deutschland als Technologieland bedeutet? Preiswerte und verfügbare Energie aus im Überfluss vorhandenen Rohstoffen, inhärente Sicherheit und die Möglichkeit unseren „Atommüll“ nicht endlagern zu müssen, sondern mit Gewinn in harmlose Spaltprodukte umwandeln zu können, sollte für jeden rational denkenden Politiker eine äußerst attraktive Vorstellung sein. Nur leider scheint die Spezies des rational denkenden Politikers in Deutschland, wenn noch nicht ausgestorben, doch extrem selten geworden zu sein.

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