Dicke Luft: Bald auch Stuttgart ohne Diesel?

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Luftverschmutzung - Stuttgart

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will Fahrverbote für Diesel jetzt auch in Stuttgart gerichtlich durchsetzen. Der Grund: Im Dezember und Januar wurde im Auftrag der DUH die Belastung der Stuttgarter Luft mit dem Schadstoff NO2 (Stickstoffdioxid) gemessen. Mit alarmierenden Ergebnissen. So habe in der schon lange als Feinstaub-Hochburg bekannten Stadt der Grenzwert für NO2 um teilweise das dreifache höher gelegen als der zulässige Jahresmittelwert. Ausgerechnet in der Nähe eines Krankenhauses sei die Schadstoffkonzentration am höchsten gewesen. Verursacher sind laut DUH die Dieselfahrzeuge und städtischen Busse.

Die DUH macht mobil gegen die Luftverschmutzung in Deutschlands Städten. Bereits im November hatte die Organisation Klage gegen mehrere Bundesländer eingereicht, um sie zur Einhaltung der Luftreinhaltepläne zu zwingen. In Hessen wurde dieser Klage bereits stattgegeben. Nun könnte es in Darmstadt und Wiesbaden tatsächlich auf ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge hinauslaufen (CEP berichtete).

Denn die sind laut Umwelthilfe die Hauptverursacher für die dicke Luft in den deutschen Ballungsgebieten. Diesel-PKW emittieren sogenannte Stickoxide (NOx), die für Mensch und Tier potenziell gesundheitsschädlich sind. Zwar betont die Automobilindustrie immer wieder, durch moderne Filteranlagen habe sich der Schadstoffausstoß deutlich reduziert, doch der Abgas-Skandal um die Volkswagen Gruppe hat das Image der „umweltfreundlichen“ Dieselfahrzeuge gründlich zerstört.

Jetzt holt die DUH zum nächsten Schlag gegen den erklärten Feind aus. In einer gestern veröffentlichten Studie warnt die Organisation vor der extrem schlechten Luft in Stuttgart. Die Luft in der Innenstadt sei erheblich mit dem Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2) belastet. Das hätten stationäre Messungen des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg im Dezember und Januar ergeben.

Bei den Messungen seien insbesondere an sensiblen Orten wie einem Krankenhaus, Kindergärten und Schulen hohe Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte festgestellt worden. Demnach sei nach dem Hauptbahnhof mit 126 µg/m³ ausgerechnet das Katharinenhospital mit einem gemessenen Mittelwert von 106 µg/m³ der traurige Spitzenreiter gewesen. Erschreckend hoch seien auch die gemessenen NO2-Werte mit 82 µg/m³ am Zeppelin Gymnasium, der Römerschule mit 65 µg/m³ sowie der Kindertagesstätte Lukas mit 63 µg/m³.

Die Umwelthilfe glaubt aufgrund dieser Messungen und der aktuellen Luftverschmutzung in Stuttgart, dass der zulässige Jahresmittelwert von 40µg/m³ an vielen der gemessenen Orte deutlich überschritten wird. „Die Hauptverursacher dieser hohen Schadstoffbelastung sind Diesel-Pkw, die auf der Straße bis zu hundertmal mehr NO2-Emissionen aufweisen als Benzinfahrzeuge, sagt der Verkehrsberater der DUH Axel Friedrich, Neben den privaten Diesel-PKW seien auch die städtischen Busse mit schuld an der „verheerenden Luftsituation“.

„Mit unseren Messungen wollen wir zeigen, dass ausgerechnet Krankenhäuser, Schulen und selbst Kindertagesstädten dem Dieselabgasgift NO2 ungeschützt ausgesetzt werden. Seit zehn Jahren verweigern Stadtverwaltung und Landesregierung den Stuttgarter Bürgern das ‘Recht auf saubere Luft’. Leiden müssen ausgerechnet die besonders empfindlichen Kleinkinder, Schüler und kranke Menschen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Eindringlich fordert die DUH die Stadt und die Landesregierung zu sofortigen Maßnahmen auf. Konkret nennt die DUH die Verbannung von Diesel-PKW mit manipulierten Abgaswerten und das Nachrüsten der schmutzigen städtischen Busse mit modernen Abgas-Katalysatoren. Auch eine City-Maut nach dem Vorbild von London könne wirkungsvoll sein. Andernfalls wolle man, ähnlich wie in Hessen und anderen Bundesländern, ein komplettes Fahrverbot für Diesel-PKW in der Innenstadt per Gerichtsbeschluss erzwingen.

Bereits im November 2015 hatte die DUH Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart wegen der hohen Luft-verschmutzung eingereicht, damit die Luftreinhaltepläne in Stuttgart eingehalten werden. Die Umwelthilfe zeigt sich zuversichtlich, dass dieser Klage, wie bereits in Hessen, stattgegeben wird. Die Organisation rechnet dann noch in diesem Jahr mit weitreichenden Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in der Stuttgarter Umweltzone.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

 

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