Deutschlands Problem mit der Braunkohle

,

Braunkohle Problem
Braunkohle Problem

Atomkraft, nein danke – Erneuerbare Energien, kommt her? Man könnte meinen, Deutschland wäre in puncto Energiepolitik ein wahrer Superheld. Das stimmt sogar ein wenig, wenn man den schwächenden Effekt betrachtet, den die Kohle als Energie-träger auf Bundeskanzlerin Merkel und Bundeswirtschafts-minister Sigmar Gabriel ausübt. Kryptonit für Deutschlands Klimaziele – heute Teil 1 unseres Gastbeitrags von Bernd Weidmann, Inhaber des Portals wind-turbine.com.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahre 2011 nach der Katastrophe von Fukushima der Atomkraft in Deutschland das Aus verkündete, lag der Gedanke nahe, dass von nun an Erneuerbare Energien in der Energieversorgung die erste Geige spielen sollen. Tatsächlich gab es einen starken Zuwachs und wachsende Begeisterung – vor allem im Bereich Windkraft. Betrug die installierte Leistung 2011 nämlich noch rund 29.000 Megawatt, lag diese zur Mitte des Jahres 2015 bei ca. 39.000 Megawatt – fast so viel, wie 2005 in ganz Europa installiert war. Wenn da nur nicht die Braunkohle wäre.

Braunkohle – Strom zu Dumpingpreisen

Während Deutschland mit dem Atomausstieg als eine der weltweit führenden Industrienationen einen großen Schritt wagte, dreht sich in künftigen Fragen der Energieerzeugung scheinbar noch immer alles um die liebe Kohle. Die Stromproduktion aus Braunkohle hat in Deutschland seit 1990 einen neuen Höhepunkt erreicht und ist mit drei Cent pro Kilowattstunde billig wie nie. Zudem ist die Bundesrepublik nach Daten des Statistischen Bundesamtes mit 17 % der Braunkohle-Weltförderung unangefochtener Spitzenreiter – noch vor China und Russland.

Im Gegensatz zu Erneuerbaren Energien ist Braunkohle trotzdem kein Exportschlager, denn ihr relativ geringer Heizwert und der hohe Wassergehalt sorgen dafür, dass der fossile Rohstoff im weltweiten Handel nicht allzu begehrt ist. Dafür wird dieser jedoch hierzulande unter Inkaufnahme immenser Eingriffe in Landschaft und Natur abgebaut und anschließend im großen Stil verfeuert. Mehr als 40 Prozent des deutschen Energiemixes entfällt auf Braun- und Steinkohle. Willkommen im 21. Jahrhundert.

CO2 und Quecksilber

Angesichts des Engagements in der Braunkohle kann von wirklichem Klimaschutz keine Rede sein – liegt der Anteil des Energieträgers an den europaweiten Treibhausgasemissionen doch bei 13 Prozent. In Zahlen sind das 175 Millionen Tonnen CO2. Im Jahre 2010 waren es noch 11 Prozent. Und das, obwohl laut den Klimazielen der Bundesregierung der CO2-Ausstoß bis 2020 im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um 40 % gesenkt werden soll Erneuerbare Energien werden ausgebaut und gleichzeitig steigt der CO2-Ausstoß? Irgendwas stimmt gewaltig nicht. Und Kohlendioxid ist bei weitem nicht das einzige Problem, das unsere Kohlekraftwerke verursachen. Stichwort: Quecksilber.

Quecksilber ist ein hochgiftiges Schwermetall, das bei der Stromproduktion aus Kohle anfällt. Mehr als zwei Drittel des Ausstoßes gehen allein auf das Konto der Kohlemeiler. Geradezu paradox erscheint es dann, wenn von Seiten der Betreiber E.ON, Vattenfall oder RWE von modernster Technik gesprochen wird, die bei der Verfeuerung von Braunkohle zum Einsatz kommt. Deutsche Kohlekraftwerke zählen nämlich nachwie vor zu den schmutzigsten in Europa. Würde man die in den USA gültigen Grenzwerte hierzulande anwenden, dürfte keines von ihnen mehr betrieben werden. Hinzu kommt außerdem, dass Deutschland seinen Energiehunger mit importierter Steinkohle aus Ländern stillt, in denen ihr Abbau katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Umwelt hat.

Deutsche Kraftwerkstechnik für die Welt

Wenn man die Braunkohle wie erwähnt schon nicht beliebig exportieren kann, möchte man dem Rest der Welt zumindest die fortschrittlichsten Technologien nicht vorenthalten. Mithilfe von deutschen Steuergeldern. Wie hätte sich Griechenland im vergangenen Jahr etwa die Kraftwerks-technik Made in Germany im Werte von 730 Millionen Euro leisten können, wenn nicht mit den attraktiven Konditionen der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau? Während also der Klimawandel gepredigt wird und CO2-Emissionen hierzulande gesenkt werden sollen, wird andernorts die Verstromung von Braunkohle noch gefördert, und das obwohl in Griechenland ganz andere Energieformen immense Potenziale bereithalten.

Es ist nicht zuletzt die Kraft der Sonne, welche den griechischen Wein hervorbringt, den Udo Jürgens einst zu Lebzeiten besang. Für Sigmar Gabriel liegt die Logik jedoch vielmehr darin, jene beschworene „modernste Kohlekraftwerkstechnik“ dazu zu nutzen, die CO2-Emissionen in Griechenland zu senken. Mit den Bedingungen zur Solarenergie-Nutzung, die in Griechenland zu den besten in Europa zählen, wäre eine spürbare Senkung ohne weiteres möglich. Doch statt die Erneuerbaren zu stärken, bindet sich Griechenland für weitere Jahrzehnte an die Nutzung fossiler Brennstoffe und verbaut sich mithilfe der Bundesrepublik wertvolle Perspektiven in der klimaschonenden Energieerzeugung. Griechenland stellt außerdem keinen Einzelfall dar, den die KfW in derlei Projekten finanziell unterstützt. Wie der Kohlendioxidausstoß auf diese Weise weltweit gesenkt werden soll, ist fraglich.

Im zweiten Teil unseres Gastbeitrags lesen Sie: Welche Lösungsstrategien für das Problem mit der Kohle gibt es? Was sind die Hürden neuer Technologien zum Beenden des fossilen Zeitalters? Was sind die Aufgaben der Bundesregierung? 

 

One Response

Leave a Reply