Desertec ist tot- es lebe das Projekt „Noor“

,



Die Erwartungen waren hoch, die Idee innovativ und namenhafte Unternehmen beteiligt. Doch so groß, wie die Begeisterung zu Beginn war, so ernüchternd war am Ende das Ergebnis. Im Oktober letzten Jahres wurde Großprojekt Desertec für gescheitert erklärt. Übrig blieb nur eine kleine Beratungsfirma, die das bisher angesammelte Wissen konservieren und nordafrikanische Länder beim Einsatz und Bau von Ökokraftwerken beraten soll.

Von der Auflösung der Planungsgesellschaft lassen sich jedoch nicht alle abschrecken. Marokko hatte bereits in den 80er Jahren erste Bestrebungen im Bereich der erneuerbaren Energien gezeigt und ist nun dabei seine Vorstellungen – auch ohne Desertec – umzusetzen. Das neue Großprojekt wurde „Noor I-III“ benannt, was so viel wie „Licht“ bedeutet. Und die Ziele dieses Projektes sind hoch gesteckt: bis zu 560 Megawatt sollen bei Endausbau durch vier einzelne Kraftwerke produziert werden.

Der deutschen Förderbank KfW zufolge sieht die Ausgangslage für Noor folgendermaßen aus:
Die Regierung Marokkos verfolgt eine ambitionierte Energiestrategie: Bis 2020 sollen die Kapazitäten von Sonnenergie, Windkraft- und Wasserkraft auf jeweils 2000 MW ausgebaut werden. Der Anteil der installierten Stromerzeugungskapazität auf Basis regenerativer Energien wird dann bei 42 % liegen. Auch über die Region hinaus ist das Land damit ein Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien wird ein Beitrag zum globalen Klimaschutz sowie zur Stromversorgungssicherheit des Landes geleistet.

Damit würde Noor durch seinem zurzeit weltweit größten solarthermischen Kraftwerk-Projekt, mit einer Gesamtfläche von rund 3000 Hektaren, mehr als ein Viertel der geplanten Megawattzahl durch Solarenergie in Marokko abdecken. Bereits im Laufe dieses Jahres soll ein Teil der Anlage mit einer Leistung von etwa 160 MW in Betrieb genommen. Die Kosten für diese erste Etappe belaufen sich auf etwa 700 Millionen Euro. Auch Deutschland hat sich an dem Projekt mit bisher 115 Millionen Euro beteiligt. Nach den Angaben der KfW wird die weitere Beteiligung an den Kraftwerken Noor II und III bei gut 654 Millionen Euro liegen. Die Gesamtinvestitionskosten werden auf eine Höhe von 1,8 Milliarden Euro geschätzt.

Auch im Bereich Windenergie wurden bereits in den vergangenen Jahren erste Schritte unternommen. Erwähnenswert ist dabei insbesondere die Windenergie-Anlage in Tarfaya südlich von Agadir. Der bisher größte Windpark Afrikas wurde im Dezember letzten Jahres in Betrieb genommen und besitzt eine installierte Leistung von 300 Megawatt. Die Anlage umfasst 131 Windgeneratoren mit einem Durchmesser von je mehr als 100 Metern.

Es lässt sich nicht leugnen, dass Marokko auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien Pionierarbeit leistet und damit Referenzprojekte schafft, die den kohlenstoffarmen und damit klimafreundlichen Zukunftstechnologien zum Durchbruch verhelfen könnten. Doch hat sich bereits im Rahmen des Desertec-Projekts gezeigt, dass besonders im Bereich der Solarenergie auch die dezentrale Erzeugung eine große Rolle spielt. Hier gibt es in Marokko noch einigen Nachholbedarf, da der Netzzugang von der staatlichen Stromfirma reguliert wird. Es fehlt ein freies Installationsgewerbe, durch das Panels problemlos auch auf Häuserdächern angebracht werden könnten. Es geht jedoch nicht nur darum, die Bürger zu Energieerzeugern zu machen, sondern das aktuell stark für Heiz- und Kochzwecke subventionierte Gas als Hauptenergieträger durch Solarthermie abzulösen – auch in den Köpfen der Menschen.

Quellen: 
KfW-Konzern/Newsroom
NZZ Schweiz

 

Leave a Reply