Der 82. Autosalon in Genf

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Aufnahme auf dem 82. Autosalon in Genf

Mit Bezug auf den derzeit stattfindenden 82. Autosalon in Genf gibt das CleanEnergy Project einen Überblick über die aktuellsten Entwicklungen auf dem Automobilsektor. Derzeit rücken erneut die Größe des Automobils, mehr Leistung sowie mehr Luxus in den Fokus der Autokonstrukteure. Das Elektroauto wird in die Rolle des Zweitautos sowie in jene des Luxusspielzeugs gedrängt, wenngleich es durchaus auch alltagstaugliche Angebote in diesem Bereich gibt.

Größe und Luxus. Wer heute durch den Autosalon in Genf schlendert, der könnte annehmen, dass sich sämtliche Automobilhersteller momentan ausschließlich mit Fragen der Größe, des Luxus sowie des Prestiges auseinandersetzen. Die große Begeisterung für alternative Antriebe scheint abgeflaut zu sein.

Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten wagen sich renommierte Marken in Marktsegmente vor, die über Jahrzehnte hinweg als absolut unvorstellbar galten. So präsentiert neben Maserati mit seinem Kubang auch Bentley erstmals mit dem EXP 9 F einen wuchtigen SUV. Gewicht und Verbrauch erscheinen hier als unwesentliche Details. Schneller und lauter hingegen scheint die Devise bei Lamborghini und Bugatti zu lauten. Deren neueste Modelle, der Aventador sowie der Veyron Gran Sport Vitesse, bringen es gar auf 700 beziehungsweise 1.200 PS.

Sanfte Fastenkur. Dennoch unterziehen einige Hersteller ihre Automobile einer maßvollen Diät. Generell scheinen die Nachfolgemodelle vieler Hersteller ein wenig sparsamer im Verbrauch zu sein. Ferrari etwa gelang es, den Benzinverbrauch des neuen F12 Berlinetta um über 30 Prozent auf 15 Liter pro 100 Kilometer zu reduzieren. Auch Porsche berichtet von ähnlichen Erfolgen.

Bei den alltagstauglicheren Fahrzeugen ist eine Entwicklung dahin gehend erkennbar, dass die Konstrukteure die Größe des Hubraums reduzieren. Parallel dazu wird sich in Zukunft voraussichtlich die Zylinderabschaltung immer stärker durchsetzen. VW, Audi und Škoda setzen bereits auf diese Technologie. Dabei werden, bei moderater Fahrweise, vorübergehend zwei der vier Zylinder abgeschaltet. Diese Technologie zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs wurde zwar bereits vor rund 35 Jahren entwickelt, scheint jedoch erst jetzt langsam auf breite Gegenliebe seitens der Hersteller zu stoßen.

Darüber hinaus peilen die Autobauer auch ein geringeres Gesamtgewicht der Fahrzeuge an. Immer häufiger werden Teile der Karosserie, die bisher aus Stahlblech gefertigt wurden, durch leichtere Elemente, etwa aus Aluminium, ersetzt.

Das Elektroauto als Zweitauto. In naher Zukunft wird ein reines Elektroauto das klassische Automobil nicht vollständig ersetzen können. Der relativ hohe Preis, die geringe Reichweite sowie eine gewisse Unsicherheit bei vielen potenziellen Kunden sprechen hier – noch – gegen den Siegeszug des Elektroantriebs. Ein Trend hin zum Zweitwagen oder zum umweltfreundlichen Sportauto zeichnet sich jedoch ab.

Renault präsentiert mit dem Modell Zoe ein Elektroauto, das noch 2012 erhältlich sein wird. Mit einer Reichweite von 210 Kilometer pro Ladung, einem (österreichischen) Verkaufspreis von 20.780,- Euro sowie einer Batteriemiete von monatlich 79,- Euro bietet sich der Kompaktwagen durchaus als alltagstaugliches Zweitauto an.

Der Lampo 3 von Protoscar hingegen fällt durchaus in die Kategorie Luxusspielzeug. Dennoch peilt der Hersteller auch hier eine baldige Serienfertigung, wenn auch in Form einer Kleinstserie, an. Das serienreife Modell bringt nicht weniger als 570 PS sowie ein Drehmoment von 900 Newtonmeter auf die Straße. Bewegt sich die Akkuanzeige bei einer Ausfahrt gegen Null, so reicht bereits ein kurzer Ladestopp von nur zehn Minuten, um mit dem Sportauto eine zusätzliche Distanz von 100 Kilometern zurücklegen zu können.

Die Zukunft des Automobils. Der 82. Autosalon in Genf erweckt den Eindruck, als seien sich die Automobilhersteller momentan uneinig darüber, welchen Weg sie in Zukunft einschlagen sollen. Welche Straße langfristig zum Erfolg führt, scheint noch nicht eindeutig festzustehen.

Joachim Kern

 

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