So erreicht Deutschland das Ende des fossilen Zeitalters

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Treibhausgasemissionen verringern durch Dekarbonisierung

Um die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, muss die Weltgemeinschaft ihre Treibhaus-gasemissionen drastisch reduzieren. Neueste Klimaforschungen gehen sogar davon aus, dass dafür die klimaschädlichen Gase in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts nahezu vollständig vermieden werden müssen. Doch wie kann eine derart drastische Verringerung Wirklichkeit werden? Eine neue Studie zeigt, wie dieses Ziel für Deutschland erreicht werden könnte. Der Schlüssel dazu liegt der Studie zufolge im Ende des fossilen Zeitalters – der sogenannten Dekarbonisierung der Energie-wirtschaft.

Diesen Dezember blickt die Welt hoffnungsvoll auf die anstehende Weltklimakonferenz in Paris. Während bei den Verhandlungen zum Klimaschutz in der Vergangenheit meist so gut wie keine Ergebnisse erzielt oder gar verbindliche Klimaschutzabkommen unterzeichnet wurden, stehen die Vorzeichen diesmal unter einem deutlich besseren Stern – glücklicherweise. Denn nach Ansicht vieler Klimatologen ist die Pariser Konferenz die letzte Chance, den Klimawandel vielleicht doch noch in den Griff zu bekommen. Das große Ziel der internationalen Klimaschutzpolitik ist das sogenannte Zwei-Grad-Ziel: Der globale Temperaturanstieg soll auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. So würden zumindest die schlimmsten Auswirkungen der Erderwärmung vermieden, glauben viele Experten.

Um dieses Ziel zu verwirklichen, braucht es einen verbindlichen Weltklimavertrag, der die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) glaubt angesichts neuester Klimaforschungen sogar, dass das Zwei-Grad-Ziel nur erreicht werden kann, wenn die Emissionen aller klimaschädlicher Gase noch in diesem Jahrhundert gegen Null gehen. Diese radikale Absenkung vor allem des CO2-Ausstoßes wird international auch als „deep decarbonization“ bezeichnet. Eine solche globale Dekarbonisierung muss vor allem in der Energiewirtschaft erfolgen, dem mit Abstand größten Emittenten klimaschädlicher Gase. Vor allem Kohle und Öl sind für die Freisetzung riesiger Mengen Treibhausgase verantwortlich. Der IPCC schätzt, dass weltweit etwa drei Viertel aller Emissionen durch die Verbrennung dieser Energieträger entstehen.

„Diese Erkenntnis bedeutet, dass wir bis zur Mitte des Jahrhunderts die Energiesysteme vor allem in den Industrieländern substanziell umbauen müssen und sehr stark auf erneuerbare Energien stellen“, erklärt Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Wie diese Veränderung der Energiesysteme in den einzelnen Ländern funktionieren kann, haben nun Wissenschaftler aus 16 Ländern im Rahmen des „Deep Decarbonization Pathways Project“ (DDPP) untersucht. Auch die Ergebnisse für Deutschland liegen seit Mittwoch vor: In dem Report „Wege zu einer weitgehenden Dekarbonisierung Deutschlands“, analysieren die Autoren um Manfred Fischedick drei mögliche Szenarien für den Umbau der Energiewirtschaft in Deutschland bis zum Jahr 2050. In allen drei Szenarien sollen bis 2050 mindestens 80 Prozent weniger Treibhausgase zu emittieren werden als im internationalen Vergleichsjahr 1990 – ein Ziel, das auch die Klimapolitik der Bundesregierung vorsieht.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind nach Ansicht der Autoren drei zentrale Punkte von wesentlicher Bedeutung:

– Eine umfassende Erhöhung der Energieeffizienz bzw. ein sinkender Energieverbrauch (in allen  Sektoren, vor allem jedoch im Gebäudebereich)

– Die verstärkte Nutzung von Erneuerbarer Energien im Inland (insbesondere die erhöhte  Stromproduktion aus Wind- und Solarenergie)

– Die Elektrifizierung von Prozessen (d. h. verstärkter Einsatz von Strom als Endenergieträger) bzw. die   Nutzung synthetischer Gase und Treibstoffe (Power to gas), die mithilfe Erneuerbarer Energien    gewonnen werden.

Verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen im Inland

Hier sei Deutschland auf einem guten Weg, schreiben die Studienautoren. Sie gehen davon aus, dass der Anteil regenerativer Energien am gesamten Energiebedarf bis 2050 bei 51 bis 73 Prozent liegen wird. Der Anteil von Braun- und Steinkohle (heute 25 Prozent) wird dann deutlich auf dann nur noch zwei bis neun Prozent gesunken sein, während Öl (heute 35 Prozent) mit einem Anteil von neun bis 20 Prozent im Jahr 2050 noch immer eine Rolle spielen wird, vor allem im Verkehrssektor. Nachholbedarf sehen die Autoren bei der Nutzung Erneuerbarer Energien beim Heizen und im Verkehr: „Bei der Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien und beim Kraftstoff sind wir nicht substanziell nach vorne gekommen.“, sagt Fischedick.

Verbesserung der Energieeffizienz

Die Verbesserung der Energieeffizienz bleibe bislang weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. In den kommenden Jahren müsse die Bundesregierung daher vor allem in diesem Bereich dringend weitere Maßnahmen einleiten. Ohne die drastische Verringerung des Energiebedarfs gebe es „wenig Chancen, die Ziele zu erreichen“, so Fischedick. Demnach müsse der Primärenergieverbrauch bis 2050 um zwischen 40-47 Prozent gegenüber dem Niveau des Jahres 2010 verringert werden, damit Deutschland seine Energie- und Klimaziele erreichen kann.

Elektrifizierung von Prozessen

Die verstärkte Elektrifizierung von Prozessen sei vor allem im Verkehrs- und Industriesektor zwingend notwendig. In allen drei Szenarien gehen die Autoren davon aus, dass der Anteil von Strom an der Endenergienachfrage von 20 Prozent im Jahr 2014 auf zwischen 29 und 37 Prozent im Jahr 2050 ansteigt. Für eine umfassende Dekarbonisierung und das Erreichen der Klimaziele sei hier allerdings ein stark steigenden Anteil erneuerbarer Energiequellen an der Stromerzeugung die Voraussetzung. Wenn Strom nicht nachhaltig erzeugt würde, wäre eine „echte“ Dekarbonisierung kaum möglich, heißt es in der Studie.

Fazit

Trotz zu überwindender Herausforderungen kann eine weitgehende Dekarbonisierung Deutschlands bis zum Jahr 2050 erreicht werden, so das Fazit des Reports. Diese bedürfe jedoch konsequentes politisches und gesellschaftliches Handeln über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, schreiben die Autoren. Die Gesellschaft müsse auf diese „tiefgreifende Veränderung“ vorbereitet und mit darin eingebunden werden, sagt Fischedick. „Ohne geeignete politische, institutionelle, kulturelle und soziale Rahmenbedingungen ist eine Dekarbonisierung nicht möglich“. Wichtig sei, auch die öffentliche Akzeptanz für notwendige Änderungen zu sichern.

„Den langen Atem dafür bekommt man nur, wenn wir aufhören, uns ausschließlich mit den potentiellen kurzfristigen Nachteilen der Umstellung des Energiesystems zu beschäftigen“, betont Fischedick. Stattdessen müsse viel stärker herausgestellt werden, dass die Umsetzung nicht nur den Klimaschutz in Deutschland voranbringt, sondern darüber hinaus für die Gesellschaft einen erheblichen Mehrwert hat.

Die Links zur vollständigen Studie finden Sie hier.

Quelle: Wuppertal Institut / Deutsche Welle

 

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