Das Problem mit dem Plastik

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Mehr als zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Inzwischen schwimmen in jedem Quadratkilometer Meer zehntausende Teile Plastik. Die meisten sind für den Menschen kaum zu erkennen. Aber durch ihre bloße Masse sprechen Forscher bereits von einem achten Kontinent – bestehend aus Plastik. Das alles ist nicht neu. Umso erschreckender, dass der Müll im Meer weiter zunimmt. Auch vor unserer Haustür.

Mehr als zehn Millionen Tonnen Müll gelangen jährlich in die Weltmeere. 75 Prozent davon bestehen aus Kunststoff. Nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sollen bereits 18.000 Plastikteile pro Quadratkilometer auf der Meeresoberfläche treiben. Ein Vielfaches davon liegt auf den Meeresböden (CEP berichtete). Die Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft kostet, Schätzungen zufolge, 100.000 Meeressäugern und über einer Million Wasservögel das Leben. Jedes Jahr verhungern die Tiere, weil sie Plastik für Nahrung halten. Vögel verfangen sich in Plastiktüten und ertrinken. Säuger verletzen sich an scharfkantigen Kunststoffteilen oder alten Fischernetzen und verenden.

Bei einer Untersuchung von Eissturmvögeln fanden Forscher bei 93 Prozent der Tiere Plastikteilchen im Magen. Durchschnittlich waren es 27 Partikel pro Vogel.

Bild: WWF
Bild: WWF

„Es ist inzwischen jedem klar, dass wir nicht nur in Deutschland vor einer riesigen Welle an Problemen stehen. Über zehn Millionen Tonnen Kunststoffe verarbeitet allein Deutschland jährlich. Genau so viel landet weltweit Jahr für Jahr allein von Land im Meer – mit tödlichen Folgen für Vögel und Fische. Wir fordern die Bundesregierung und die Wirtschaft auf, in den nächsten zehn Jahren das Ende des Kunststoff-Zeitalters einzuläuten. Dazu brauchen wir schnellstmöglich einen Ausstiegsplan, um den Verbrauch von Kunststoffen auch in Deutschland drastisch zu verringern“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Gigantische Müllteppiche wie etwa der „Great Pacific Garbage Patch“ kennt inzwischen selbst der Laie. Doch nicht nur im Pazifik sind Müllinseln ein großes Problem. Auch in Nord- und Ostsee häuft sich der Plastikmüll.

Zur Überwachung von Abfällen an Stränden, im Meer und in Meereslebewesen wurde die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie beschlossen. Sie sieht Maßnahmen vor, um weiteren Abfall zu verhindern und vorzubeugen. Gelöst werden muss das Problem sowohl see- als auch landseitig.

Eine Möglichkeit ist die „Fishing For Litter“-Initiative. Zur Säuberung der Meere wird die Fischindustrie miteinbezogen. In Deutschland haben sich bereits 2011 Küstenfischer, der Naturschutzbund NABU sowie regionale Partner auf eine Kooperation geeinigt. Auch die Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen beteiligen sich an der Initiative.

Initiative "Fishing For Litter". Foto: NABU
Initiative “Fishing For Litter”. Foto: NABU

Die beteiligten Fischer erhalten kostenlose Sammelsäcke, in denen der Müll aus Nord- und Ostsee gesammelt und später fachgerecht entsorgt wird. Analysen des gesammelten Mülls ergaben, dass Kunststoff mit 76 Prozent den Hauptbestandteil ausmacht. Allein am Grund der Nordsee werden 600.000 Kubikmeter Plastikmüll vermutet.

Die ökologischen Folgen für die Meeresumwelt sind vielfältig: Seevögel und Meeressäuger ersticken oder verhungern. Auch Fische, Muscheln und Kegelrobben sind heute durch Mikroplastik belastet. Selbst die Fischer klagen über verunreinigte Fänge sowie kaputte Netze und Kommunen müssen Millionen Euro für die Reinigung von Stränden ausgeben.

Quellen: NABU , WWF