Costa Rica zu 100 Prozent mit Erneuerbaren versorgt

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Das ein ganzes Land zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann, ist keinesfalls Utopie. Genau das hat auch Costa Rica jetzt bewiesen. Seit Anfang des Jahres deckt das mittelamerikanische Küstenland seinen gesamten Energiebedarf durch die Erneuerbaren. Damit übernimmt Costa Rica eine Vorbildfunktion für alle Nationen, die ebenfalls eine rein regenerative Energieversorgung anstreben und ist außerdem auf dem besten Weg, das selbst gesteckte Ziel zu erreichen, das erste völlig CO2-neutrale Land der Welt zu werden.

Das costaricanische Institut für Elektrizität (ICE) hatte kürzlich bekannt gegeben, dass 99,4 Prozent des benötigten Stroms während der vergangenen drei Monate aus erneuerbaren Quellen erzeugt wurden. Damit hat das Land der „reichen Küste“ (span: Costa Rica) seine bisherigen Rekorde übertroffen. So waren bereits 2013 87 Prozent und 2014 94 Prozent des benötigten Stroms mit den Erneuerbaren produziert worden.

Den Rekord der letzten drei Monate verdankt Costa Rica dem ICE zufolge vor allem den starken Regenfällen seit Anfang des Jahres. Dadurch seien die Stauseen gefüllt, und es möglich geworden, die Wasserkraftwerke Costa Ricas auf maximaler Leistung zu betreiben. Allein 68 Prozent der gesamten Energieerzeugung des Landes kamen demnach während dieser Zeit aus der Wasserkraft. Die übrigen 31,4 Prozent wurden aufgrund der vielen Vulkane im Land vor allem durch Geothermie (15 Prozent), sowie einem Mix aus Windkraft, Biomasse und Solarenergie erzeugt.

Das ICE verkündete, auch für die kommenden Monate sei ein vergleichbares Niveau zu erwarten. Durch die fast vollständige Energieversorgung mit den günstigen Erneuerbaren seien außerdem die Strompreise im Land deutlich gefallen. Insgesamt konnten sich die Verbraucher über eine rund 12 Prozent günstigere Stromrechnung freuen und zahlen somit im Moment etwa sieben Cent pro Kilowattstunde. Dieser Preis könnte mittelfristig sogar noch weiter fallen, denn die costaricanische Regierung will in den nächsten Jahren über eine Milliarde Dollar in den Bau neuer Kraftwerke investieren. Experten rechnen damit, dass der Strom dadurch nochmal etwa 2 Cent günstiger wird.

Costa Rica ist das erste lateinamerikanische Land, dass eine vollständige regenerative Energieversorgung erreicht hat. Dennoch sind auch die Nachbarländer auf einem guten Weg. Vor allem Panama hat gute Chancen, in naher Zukunft mit Costa Rica gleich zu ziehen. Bereits heute kommt 60 Prozent des dort konsumierten Stroms aus der Wasserkraft. Auch Nicaragua deckt mittlerweile etwa die Hälfte seines Energiebedarfs durch die Erneuerbaren und hat sich zum Ziel gesetzt, in naher Zukunft die 90 Prozent Marke zu übertreffen.

Doch noch ist Costa Rica an der Spitze und auch im globalen Vergleich ganz weit vorne. Laut des „Global Green Economy Index 2014“ liegt das lateinamerikanische Land hinter Schweden und Norwegen auf dem dritten Platz der umweltfreundlichsten Ländern der Erde. Das Ziel, 100 Prozent seines Bedarfs durch die Erneuerbaren zu decken, war ursprünglich sogar erst für 2021 angepeilt gewesen. Das frühe Erreichen sei möglich geworden, indem es seine erneuerbaren Energiequellen „planvoll und ausgeglichen“ nutze, erklärte Carlos Obregón, der Präsident des ICE, „in einer diversifizierten, nachhaltigen, optimierten und ökonomischen Weise, die eine qualitativ hochwertige Versorgung unter Teilnahme des öffentlichen und privaten Sektors garantiert.“

Auch der World Wildlife Fund lobte Costa Rica für das frühe Erreichen des Energie-Ziels. Das Land sei ein „inspirierendes Modell für andere Länder“, auch weil es versuche, sich nicht nur auf die Wasserkraft zu verlassen, sondern andere regenerative Quellen nutze und diese fördere. Das sei von großer Bedeutung, da der Bau von Staudämmen auch negative Seiten habe.

Die costaricanische Regierung denkt schon an das nächstes großes Ziel: Das erste Land der Erde werden, das völlige CO2-Neutralität erreicht. Der erste Schritt dafür ist bereits getan.

 

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