COP 21: Letzte Chance im Kampf gegen den Klimawandel?

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Weltklimakonferenz Paris
Weltklimakonferenz Paris

Heute beginnt die 21. UN-Klimakonferenz in Paris. Während dem mit Spannung erwarteten Treffen beraten die UN-Staats- und Regierungschefs, Delegierten und Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Verbänden insgesamt zwei Wochen darüber, wie die globale Erwärmung wirksam bekämpft werden kann. Das große Ziel des Gipfels: Der Klimawandel soll auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem Zeitalter vor der Industrialisierung begrenzt werden. Erwärmt sich die Erde darüber hinaus, wären die Folgen für die Menschheit und die Natur katastrophal. Dementsprechend groß sind die Erwartungen für Paris. Die Konferenz wird als die bisher wichtigste aller Zeiten angesehen – als vielleicht letzte Chance die Erde noch vor der übermäßigen Erwärmung zu retten.

Eine halbe Billionen Tonnen Kohlenstoff 

Seit wir im Zuge der globalen Industrialisierung begonnen haben, gewaltige Mengen fossiler Rohstoffe zu verbrennen, um Energie zu gewinnen, wird es auf der Erde nachweislich immer wärmer. Über eine halbe Billionen Tonnen Kohlenstoff haben wir seit Mitte des 19. Jahrhunderts bereits in die Atmosphäre geblasen. Klimaforscher des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) haben errechnet, dass sich die Erde seitdem um 0,85 Grad Celsius erwärmt hat. Die Hälfte dieser Erwärmung geht auf unser Konto. Britische Meteorologen gaben vor kurzem sogar bekannt, der globale Temperaturanstieg werde 2015 erstmals die Ein-Grad-Marke erreichen.

Ein Grad mehr – das hört sich zunächst nach nicht viel an. Vielen Menschen ist daher die Gefahr, die vom Klimawandel tatsächlich ausgeht, noch nicht voll bewusst. Wenn in den Medien von globaler Erwärmung die Rede ist, wird diese Bedrohung oft als weit entfernt eingeschätzt. Nichts, was einen selbst betreffen würde. Und tatsächlich hat der Großteil der Menschen aus den Industrienationen gegenwärtig noch keine gravierenden Folgen der Erderwärmung zu spüren bekommen – von heißen Sommern einmal abgesehen. Der Klimawandel wird daher oft mit einem desinteressierten Gähnen abgetan – eigene Probleme oder Kriege und Terror scheinen da viel präsenter.

Folgen des Klimawandels schon heute spürbar

Sieht man jedoch einmal genau hin, wird deutlich, was die Erwärmung um nur knapp ein Grad bereits für Auswirkungen hat – auch auf die Menschen in den reichen Ländern. Immer häufiger ereignen sich auch dort extreme Wetterereignisse, wie dieses Jahr im US-Bundesstaat Kalifornien. Die Menschen dort mussten am eigenen Leib erfahren, was in den kommenden Jahrzehnten auf uns zukommen könnte: Eine Phase ausgeprägter Trockenheit führte dort zur schlimmsten Dürre in der Geschichte der USA. Fast das gesamte Jahr über musste das knappe Wasser dort streng rationiert werden.

Auch wir Europäer hatten bereits das Vergnügen, mit dem immer extremeren Wetter Bekanntschaft machen zu dürfen. Man denke nur an den Jahrhundertsommer im Jahr 2003, infolgedessen europaweit rund 70.000 Menschen Menschen ums Leben kamen. Oder an vergangenes Jahr, das als wärmstes Jahr in der Geschichte der Menschheit gilt, das aber wahrscheinlich schon dieses Jahr erneut übertroffen werden wird. Die Folgen der Erwärmung um knapp ein Grad sind also bereits heute deutlich zu erkennen. Die Industrienationen, als Hauptverursacher klimaschädlicher Gase, haben nur das Glück, in einem Teil der Erde zu leben, der als einer der letzten die Konsequenzen des globalen Treibhauseffekts zu spüren bekommen wird.

Klimawandel fuehrt zu haeufigeren WetterextremenIn anderen Teilen der Welt, in denen das Klima ohnehin extremer ist als bei uns, herrscht jedoch schon heute Alarmstufe Rot. Die UN gab vor kurzem bekannt, dass in den vergangenen 20 Jahren weit mehr als eine halbe Millionen Menschen auf der ganzen Welt in Folge des immer extremeren Wetters gestorben sind (CEP berichtete). Und Greenpeace glaubt, dass die fortschreitende Klimaerwärmung hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt aus ihrer Heimat vertreiben wird. Der Klimawandel werde „eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes“ auslösen. Schon heute gelten 50 Millionen Menschen weltweit als Klimaflüchtlinge, vertrieben durch Überschwemmung, Dürren, Wasserknappheit und Hitzewellen.

Erwärmung um vier Grad 

Dabei stehen wir gerade erst am Anfang des Erwärmungstrends. Sollten wir so weitermachen wie bisher, erwarten uns Folgen von ganz anderem Kaliber. Klimaforscher kamen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass uns bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung von drei bis vier Grad bevorstehen könnte. In den Polgegenden wäre der Temperaturanstieg sogar noch deutlich größer. Eine solche drastische Erwärmung würde eine katastrophale Kettenreaktion in Gang setzen. Die großen Eisschilde, Permafrostböden und die Polkappen würden schmelzen, der Meeresspiegel mehrere Meter ansteigen und die Küstenregionen würden im Meer versinken. Für kleine Inselstaaten wie die Fidschi-Inseln, aber auch Metropolen wie New York oder Singapur wäre das im wahrsten Sinne der Untergang. Und auch für die Regionen, die nicht direkt im Meer versinken, wäre ein solcher Anstieg katastrophal. Immer heißeres Klima, Wasserknappheit und stark zunehmende Wetterextreme würden ganze Länder unbewohnbar machen, Millionen das Leben kosten oder vertreiben und wirtschaftliche Schäden von vielen Milliarden Euro verursachen.

Weltklimagipfel in Paris die letzte Chance?

Doch wie können wir diese dramatischen Auswirkungen bekämpfen? Mit dieser Frage befassen sich ab heute rund 10.000 Vertreter der Vereinten Nationen auf der 21. UN Klimakonferenz in Paris (COP 21). Schon vorab ist klar: Ganz aufhalten können wir die globale Erwärmung nicht mehr. Dafür haben wir bereits zu viele Treibhausgase freigesetzt. Eine Erwärmung ist also unvermeidlich. Klimaforscher glauben jedoch, dass wir durch sofortige Maßnahmen zumindest das schlimmste vermeiden können: Ihrer Ansicht nach könnte der Klimawandel zumindest noch eingegrenzt werden. Als gerade noch akzeptabel haben die UN eine Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 (gegenüber dem Ende des 19. Jahrhunderts) festgelegt. In Paris soll nun darüber beraten werden, wie dieses Obergrenze eingehalten werden kann. Das Ziel ist es, einen globalen Klimaschutzvertrag abzuschließen, mit individuellen Klimaschutzbeiträgen der jeweiligen Mitgliedsstaaten.

Diese Klimaschutzversprechen haben die meisten Länder schon im Laufe des Jahres bei der UN eingereicht. Leider werden diese allein jedoch nicht ausreichen, um das große Zwei-Grad-Ziel Realität werden zu lassen. Der Grund: Die Ziele viele Nationen sind zu vage formuliert oder schlicht zu wenig ambitioniert. Vor allem die Klimaschutzpläne der EU und der USA seien mittelmäßig bis mangelhaft, die von Kanada und Japan völlig unzureichend, kritisieren Umweltverbände wie der NABU. Demnach werde sich die Erde, trotz eines Erfolges in Paris, ohne weitere Maßnahmen um rund 2,7 Grad erwärmen.

Die Teilnehmer von Paris stehen daher ganz besonders unter Druck. COP 21 muss ein Erfolg werden, doch selbst ein Erfolg ist nicht genug. Experten raten, die in Paris vereinbarten Klimaschutzversprechen der einzelnen Länder alle fünf Jahre zu überprüfen und zu erweitern, um das Zwei-Grad-Ziel doch noch zu schaffen. Doch dazu muss das Ziel erst einmal vertraglich vereinbart werden. Denn bisher sind die Klimaschutzversprechen erst einmal nur eins: Versprechen. Und die können ohne Konsequenzen gebrochen werden. Ein verbindliches Klimaschutzabkommen zu vereinbaren, gilt damit in Paris als unerlässlich. Einige Nationen, darunter die USA, haben jedoch bereits angekündigt, keine rechtlich verbindlichen Klimaziele unterschreiben zu wollen. Unter anderem darüber wird nun über 14 Tage verhandelt werden.

In Paris könnte tatsächlich Geschichte geschrieben werden. Es könnte der Wendepunkt werden, der die Menschheit doch noch auf den richtigen Kurs gebracht hat. Eine historische Vereinigung hunderter Nationen im Kampf gegen einen globalen Feind. Oder die Konferenz könnte der Menschheit als das genaue Gegenteil in Erinnerung bleiben. Als letzte vertane Chance.

 

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