China verbrennt mehr Kohle als bisher bekannt

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China verbrennt 17 Prozent mehr Kohle
China verbrennt 17 Prozent mehr Kohle

Die Volksrepublik China ist der weltweit größte Verursacher von Treibhausgasen. Neuen Daten zufolge verbrennt das Land jährlich sogar bis zu 17 Prozent mehr Kohle, als die Regierung bisher behauptet hat. Die neuen Zahlen bringen nicht nur die kommenden Klimaverhandlungen in Paris gehörig durcheinander, auch Prognosen zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels könnten durch die erhöhten CO2-Werte Chinas deutlich pessimistischer ausfallen.

Ende Oktober wurde über die Auswertung der INDC-Klimapläne für den geplanten CO2-Ausstoß aller 146 beteiligten Staaten berichtet. Der neue Ansatz der UN für den anstehenden Weltklimagipfel: Anders als bisher bleibt es diesmal den Ländern selbst überlassen, mit welchen Maßnahmen sie ihren CO2-Ausstoß bis 2030 einschränken. Damit sollen mehr Freiheiten für die entsprechende Problemlösung eröffnet sowie langfristig besser von Verletzungen der jeweiligen Klima-Versprechen abgehalten werden. Die Erwartung, dass deshalb auf der Klimakonferenz kommende Woche gar nicht mehr über die Emissionen einzelner Staaten diskutiert werden müsse, weil die Klimaschutzziele schon vorab beschlossen wurden, könnte nun allerdings enttäuscht werden.

Wie die New York Times berichtete, basieren die bisherigen Schätzungen über den CO2-Ausstoß Chinas auf teilweise falschen Daten. Die neuen Zahlen wurden vergangene Woche in einem chinesischen Energiestatistik-bericht veröffentlicht, der unabhängig von der Regierung und ohne die übliche statistische Beschönigung er-hoben wurde.

Demnach verbrannten chinesische Industrieanlagen und Kraftwerke jährlich bis zu 17 Prozent mehr Kohle, als die Regierung bisher offengelegt hatte. Allein 2012 habe das Land der Mitte zusätzlich rund 600 Millionen Tonnen des fossilen Brennstoffs verbraucht. Das entspricht etwa 70 Prozent des jährlichen Kohleverbrauchs der USA. Ein immenser Wert, der die Erwartungen und Pläne für den globalen CO2-Ausstoß bis 2030 gehörig durcheinander bringen könnte. Zwar kommt es in einem Land von der Größe Chinas zwangsläufig häufiger zu statistischen Abweichungen, die neuen Zahlen lassen dennoch vermuten, dass die chinesischen Emissionen fast um eine Milliarde Tonnen CO2 größer sind, als es in bisherigen Daten angegeben wurde. Das ist mehr, als die gesamte deutsche Wirtschaft pro Jahr durch fossile Brennstoffe verursacht.

Damit erscheint auch das offiziell herausgegebene chinesische INDC in einem völlig neuen Licht. Die Regierung in Peking hatte versprochen, den Anstieg der CO2-Emissionen durch Kohle sowie andere fossile Brennstoffe bis 2030 vollständig zu stoppen. Dies könnte sich nun als deutlich größere Herausforderung herausstellen, als bisher gedacht. China ist stark abhängig vom Energieträger Kohle. Ungefähr zwei Drittel der chinesischen Elektrizität werden in Kohlekraftwerken erzeugt. Bei einem Land von der Größe der Volksrepublik ist es daher nicht verwunderlich, dass China mittlerweile für knapp ein Viertel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist. Und dabei fallen die neuen Zahlen noch gar nicht ins Gewicht.

Als Präsident Xi Jingping der Weltgemeinschaft vor knapp einem Jahr versprach, dass die Emissionen der Volksrepublik ab dem Jahr 2030 nicht weiter steigen werden, ließ er offen, welches Level die CO2-Werte seines Landes bis zu diesem Zeitpunkt schließlich erreicht haben werden. Da Experten davon ausgehen, dass der Höhepunkt der Emissionen trotz des derzeitigen Abflauens des chinesischen Wirtschaftswachstums noch nicht erreicht worden ist, bleibt unklar, wie ambitioniert Chinas Klimaschutzversprechen tatsächlich ist.

Auch die nach oben korrigierten Zahlen zum CO2-Ausstoß lassen Zweifel daran aufkommen, ob Chinas INDC tatsächlich wirkungsvoll zum Klimaschutz beitragen kann. Der Spitzenwert der chinesischen Emissionen wird 2030 aufgrund des weit größeren Kohleverbrauchs deutlich höher liegen, als bisher angenommen. Das ist insofern besonders problematisch, da aktuelle Prognosen im Zusammenhang mit dem vereinbarten Zwei-Grad-Ziel schon jetzt davon ausgehen, dass dieses bis 2030 kaum noch zu erreichen ist. 

Die neuen Daten bedeuten auch für die Klima-verhandlungen in Paris nichts Gutes. Die Auswertung des UN-Berichts über die nationalen INDCs, die in der Summe ohnehin als nicht besonders ambitioniert gelten, könnte nun in Frage gestellt werden, und die Gespräche stark belasten. Muss das Thema der CO2-Emissionen am Ende sogar neu aufgerollt werden, könnten andere Punkte, insbesondere die finanzielle Unterstützung der armen Entwicklungsländer im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels, unter den Tisch fallen. Zudem ist der Erfolg von Verhandlungen dieser Art immer stark von gegenseitigem Vertrauen abhängig – Vertrauen, das durch die falschen chinesischen CO2-Zahlen nicht unbedingt gestärkt worden sein dürfte.

 

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