Vertical Forests in Nanjing

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© Stefano Boeri

Es ist fast eine Untertreibung zu sagen, China  hätte Probleme mit der Luftverschmutzung. Es gibt Tage, an denen die Einwohner Pekings nicht mehr ohne Masken auf den Straßen laufen können. Im Januar waren vor allem die nördlichen Gegenden Pekings von der Luftverschmutzung betroffen. Im Vergleich zu letztem Jahr ist die Luftqualität dort noch einmal um knapp 20 Prozent gesunken. Die Städte benötigen deshalb dringend Lösungen. Stefano Boeri, ein italienischer Architekt, der für seine Vertical Forests (vertikale Wälder) berühmt geworden ist, hat bereits Großes vor: mit China.

Das erste Beispiel des Vertical Forests von Boeri entstand in Mailand, auf zwei Wohnblöcken in Höhe von 110 und 76 Metern. Auf den Towern stehen nun 900 Bäume (je vier bis neun Meter hoch) und über 20.000 Pflanzen, Büsche, Stauden und Blumen. Der Vertical Forest entspricht etwa der Größe eines normalen Waldes von 7.000 Quadratmeter. Das vegetative System schafft eine Art Mikroklima: Die Pflanzen produzieren Feuchtigkeit produziert, nehmen Kohlenstoffdioxid und Feinstaub auf und produzieren natürlich Sauerstoff.

Ein ähnliches Projekt wie in Mailand will Boeri nun auch in der chinesischen Stadt Nanjing in der Nähe von Shanghai eröffnen. Zwei benachbarte Tower sollen dort mit 23 Baumarten und über 2.500 kaskadenförmigen Büschen ausgestattet werden. Doch Boeri hat weitere Pläne für China und will ganze Forest Cities bauen. Boeri erklärt: „Wir wurden gebeten, eine ganze Stadt zu entwerfen, mit bis zu 200 Gebäuden, die alle von Pflanzen umgeben sind. Bis zum Jahr 2020 könnte bereits die erste Forest City in China stehen.“

© Open Source Growroom IKEA

Natürlich sind zwei Tower in Nanjing ein nur ein kleines Beispiel. Aber Boeri, der erstmals in 1979 nach China kam, glaubt an sein Projekt: „Die chinesischen Amtsleute verstehen endlich, dass sie für ihre städtische Planung ein komplett neues, nachhaltigeres Modell schaffen müssen, wobei weniger Menschen in den Städten leben, dafür aber mehr Pflanzen in das Stadtbild integriert werden.“

Auch Ikea setzt diese Idee der Begrünung nun auf wesentlich kleinerem Level um. Mitte Februar brachte das schwedische Möbelhaus den Space10, eine Art gestaffeltes, kugelförmiges Gewächshaus aus Holz heraus, in dem Gewürze, Gemüse und Früchte für eine ganze Nachbarschaft angepflanzt werden können. Damit soll das Pflanzen und die Lokalbeschaffung angeregt werden. Für Menschen, die gerne Ikea Tisch und Stühle zusammen bauen, wäre der Space10 eine neue Herausforderung.

Quellen:
The Guardian: Forest cities
Today’s Paper: The vertical Forest
Stefano Boeri Architetti
The Times of India: China’s air quality worsens in January