Chancen für den Umweltschutz auf Mallorca

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Umweltschutz - Mallorca
Umweltschutz - Mallorca

Mallorca – nach wie vor eine der beliebtesten Ferieninseln der Deutschen im sonnigen Süden. Nun soll Urlaub auf Mallorca teurer werden. Grund ist der Beschluss der balearischen Regionalregierung vom 22. März, eine Touristensteuer einzuführen. Was viele Urlauber verärgert, wird die Umwelt auf der Mittelmeerinsel danken. Denn das Geld soll nicht nur in die Modernisierung der touristischen Infrastruktur gesteckt werden, sondern auch in den Umweltschutz.

Laut Bericht der Süddeutschen Zeitung ist die Über-nachtungsabgabe ab 1. Juli dieses Jahres zu zahlen. Sie liegt, abhängig von der gewählten Unterkunft, zwischen 50 Cent und zwei Euro pro Person (ab 16 Jahre) und gilt auch für Kreuzfahrttouristen. In der Nebensaison reduzieren sich die Beträge auf jeweils die Hälfte. Der Regierungsbeschluss betrifft alle vier Baleareninseln. Die Politik erhofft sich dadurch Einnahmen von 50 bis 80 Millionen Euro im Jahr.

Wasserknappheit

Das Hauptproblem auf Mallorca ist aktuell die Wasserknappheit. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse fällt dort im Sommer nur sehr wenig Niederschlag. Aber zu eben dieser Jahreszeit kommen die meisten der insgesamt rund 9,6 Millionen Touristen (Stand 2014) auf die 880.000 Einwohner zählende Insel.

Zwar gibt es auf Mallorca zwei Meerwasserentsalzungsanlagen, doch das Verfahren ist aufwendig und teuer. Und so wird immer wieder zu viel Grundwasser angezapft, mit der Folge, dass der Grundwasserspiegel sinkt, immer wieder Meerwasser in die Grundwasserspeicher eindringt und diese versalzen.

Zudem gibt es auf Mallorca eine hohe Dichte an Golfplätzen. Um diese grün zu halten, sind immense Wassermengen notwendig. Viele Betreiber der insgesamt 24 Anlagen nutzen auch dafür Frischwasser anstelle von grob geklärtem Abwasser.

Zahllose Unterkünfte sind in den vergangenen Jahrzehnten gebaut worden. Doch die Größe der Kläranlagen ist nicht angepasst worden. Daher sind diese oft überlastet und können dann das anfallende Abwasser nicht vollständig aufnehmen. So kommt es immer wieder vor, dass Abwasser ungeklärt direkt ins Meer fließt.

Müll-Boote im Einsatz

Ein weiteres Problem im Meereswasser sind Müllteppiche, die sich aufgrund der Strömung an einigen Stellen immer wieder bilden. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, fahren daher in den Sommermonaten ganze 15 Müll-Boote die Küste auf und ab, um Plastikunrat aufzunehmen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass dieser nicht ausschließlich von Mallorca stammt. Denn auch von der nordafrikanischen Küste werde viel Plastikmüll angeschwemmt, heißt es.

Kritik an der Touristensteuer

Bereits im Jahr 2002 hatte es auf den Balearen eine Ökosteuer für Touristen gegeben, die aber aufgrund starken Protests und geänderter politischer Machtverhältnisse schon nach rund einem Jahr wieder gekippt wurde. Diesmal sind die Hoteliers nicht ganz so vehement dagegen, fürchten aber dennoch ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Dem balearischen Umweltverband GOB geht der politische Beschluss hingegen nicht weit genug. Der GOB fordert eine deutliche Beschränkung der Touristenzahlen durch Reduzierung der Unterkünfte. Durch Qualitätstourismus mit entsprechend höheren Preisen für die Touristen sollen die Hoteliers dennoch weiterhin ihre Einkünfte erzielen können.

Fazit: Wie anfangs erwähnt, ist die Touristensteuer sowohl für die Verbesserung des touristischen Angebots bestimmt als auch für Umweltschutzprojekte. Hier hat die Politik eine Riesenchance, beide Bereiche miteinander zu verbinden. Mit den richtigen Maßnahmen – und Unterstützung des GOB – ist es möglich, den Tourismus zukünftig sozial- und umweltverträglicher und ebenso wirtschaftlich tragfähig zu gestalten – eben nachhaltiger.

 

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