Carbon War Room

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Ausschnitt der Erde; Foto: Bigstock

Eigentlich ist der Unternehmer Sir Richard Branson ein wahrer Abenteurer, ein bisschen verrückt und dabei sagenhaft reich. Den Grundstein für seinen Milliardenschweren Reichtum legte er mit seinem ersten Unternehmen Virgin und den damit verbundenen Aktivitäten. Neben den kommerziellen Belangen, engagiert sich Branson aber auch im sozialen, sowie ökologischen Segment und erhielt für seine unternehmerischen Tätigkeiten sogar den begehrten Ritterschlag der Queen.

Dabei ist längst nicht alles konventionell, was der Milliardär in die Hand nimmt. Er liebt das Bizarre und die Extreme, tanzt schon mal mit halbnackten Frauen auf Flugzeugflügeln oder überquert den Ärmelkanal mit einem Surfbrett.

Doch das, was den Ausschlag für seine neue Initiative, den „Carbon War Room“ gab, klingt richtig vernünftig aus dem Munde eines ultimativen Adrenalinjunkies. Die Kohlenstoff-Einsatzzentrale, so der futuristischen Name sinngemäß auf Deutsch, entstand im Jahr 2009, nachdem der Klimagipfel in Kopenhagen kläglich gescheitert war. Hier wurde Branson klar, dass die Politik zwar die Rahmenbedingungen für eine Verminderung der CO2-Emissionen legen, die Senkung des Ausstoßes aber tatsächlich nur durch die Unternehmen selbst erfolgen kann.

Jetzt wirbt der Milliardär auch bei deutschen Unternehmen um Mitstreiter, damit die Herausforderung „Klimawandel“ bekämpft werden kann. Im September soll eine Tagung in Berlin deutschen Industriekonzernen den „Carbon War Room“ schmackhaft machen. Eigentlich ist es eher eine „Mitmachsache“, denn die Teilnehmer des Workshops Creating Climate Wealth sind angehalten, gemeinsam neue Geschäftsmodell zu entwickeln.

Branson erhofft sich von der Ortswahl einen kleinen, nostalgischen Funkenflug. Immerhin war Berlin Ausgangspunkt der industriellen Revolution und ist von Pionieren, die sich zu heutigen Technologieführern entwickelt haben, wie Bosch, Siemens oder BASF, geprägt worden. Der milliardenschwere Abenteurer hofft nun, dass der Funke noch nicht erloschen ist und die Konzerne ihn im Krieg gegen den Klimawandel tatkräftig unterstützen.

Erreichen will Sir Richard Branson das Ankurbeln der grünen Wirtschaft durch den Abbau von Hemmnissen. So soll Kapital künftig in technische Lösungen fließen, die zuvor jedoch durch eine entsprechende Nachfrage und neue Finanzierungsmodelle überhaupt erst generiert werden müssen. Konkret heißt das: Aufklären und Modelle zur Finanzierung schaffen. Es gibt bereits grüne Lösungen in vielen Bereichen, doch diese werden oftmals gar nicht erst nachgefragt, da ihre Existenz bei den Kunden nicht bekannt ist. Diese Informationslücke soll der „Carbon War Room“ schließen und im zweiten Schritt für die Finanzierbarkeit der grünen Lösungen sorgen.

Judith Schomaker

 

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