Windkraft soll weiter dezimiert werden

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Windkraftanlagen
Windkraftanlagen

Im Norden Deutschlands stehen auf Grund der guten Voraussetzungen viele Windkraftanlagen, die fleißig Ökostrom produzieren. Doch das wird langsam zum Problem. Denn das Stromnetz, welches Nord- und Süddeutschland verbindet, ist diesen Energiemengen nicht gewachsen. Die Regierung  möchte daher den Ausbau von Windkraft im Norden Deutschlands noch weiter bremsen, auch wenn bereits vor ein paar Monaten der Ausbau von neuen Anlagen durch die EEG-Reform eingeschränkt wurde. Doch dieses Vorhaben stößt auf reichlich Gegenwehr.

In ganz Deutschland werden Windkraftanlagen erbaut. Sie erzeugen grünen Strom und sind im Bau nicht ganz so aufwändig wie z.B. ein Wasserkraftwerk. Die meisten dieser Anlagen stehen im Norden Deutschlands, da der Wind dort vergleichsweise am stärksten bzw. konstantesten ist. Doch obwohl sich Deutschland zum Kampf gegen den Klimawandel entschieden hat, will die Regierung den Ausbau von neuen Windkraftanlagen nun noch weiter bremsen, als es die EEG-Reform des vergangenen Sommers bereits getan hat.

Denn die Menge an Energie, die durch die vielen bereits bestehenden Anlagen produziert wird, können vom Stromnetz nicht mehr aufgenommen werden. Vor allem die Leitungen zwischen Nord- und Süddeutschland sind stark ausbaufähig. Ist die Netzkapazität ausgelastet, müssen die Windräder kostenaufwändig ab geregelt werden. Auf diese Weise konnten im Jahr 2015 über 4100 MW nicht genutzt werden.

Ein Entwurf für eine neue Verordnung der Bundesnetzagentur sieht daher vor, den Neubau entsprechender Anlagen stark zu bremsen. Statt der geplanten 2500 MW pro Jahr, sollen in Norddeutschland ab 2017 lediglich 902 MW neu errichtet werden. Das entspricht, je nach der Größe, 120 bis 200 Windkraftanlagen, verteilt auf ein Fünftel der Fläche Deutschlands. Betroffen sind davon das nördliche Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und die Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Laut Rainer Banke, zuständigem Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministeriums, soll diese Vorordnung den Ausbau der Windkraftanlagen mit dem Ausbau des Stromnetzes verzahnen und 2020 automatisch wieder außer Kraft treten.

Dieses Vorhaben trifft aber auf reichlich Protest. Umweltminister Stefan Wenzel von den Grünen sieht darin einen „falschen Weg“, da die Leitungen noch stark mit Kohle- und Atomstrom verstopft werden. Andreas Jesse, Vorsitzender des Landesverbandes Windenergie, sieht darin eine „energiepolitische Rolle rückwärts“. Diese Maßnahme sei völlig konträr zu den energiepolitischen Zielen Deutschlands. Der Energieminister aus Schleswig-Holstein Robert Habeck ärgert sich, dass Ökostrom wegen zu geringer Netzkapazität abgestellt werden muss, obwohl dieser Strom zur Bundesweiten Energiewende und Klimaschutz beiträgt. Sein Bundesland liegt im Zeitplan für den Netzausbau, es ist der Bund, der in dieser Sache hinterherhinkt. Das Energieministerium in Schwerin entgegnet, dass der Entwurf derzeit noch der Ressourcenabstimmung in Berlin vorliegt. Es soll geprüft werden, warum ganz Mecklenburg-Vorpommern betroffen sei und wie dies gerechtfertigt wird.

Und auch der Bund für Natur und Umweltschutz fragt sich, warum ausgerechnet die kostengünstigste Technologie am passendsten Standort gedeckelt werden soll.

Quellen: NDR, Süddeutsche Zeitung

 

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