Biomasse statt Erdöl als Grundstoff für die Chemieindustrie

,

Die Synthese von Methanol aus nachwachsenden Rohstoffen soll den Erdöl-Verbrauch senken ©TVT/ TU Kaiserslautern
Die Synthese von Methanol aus nachwachsenden Rohstoffen soll den Erdöl-Verbrauch senken ©TVT/ TU Kaiserslautern

Anstelle von Erdöl sollen zukünftig nachwachsende Rohstoffe Grundbausteine für die chemische Industrie liefern, um den Verbrauch fossiler Ressourcen zu reduzieren. Ein Verbund aus Forschungsinstitutionen und Industriepartnern arbeitet daran, den in Biomasse enthaltenen Kohlenstoff und das in der industriellen Produktion als Nebenprodukt anfallende Kohlendioxid als Kohlenstoffquelle nutzbar zu machen. Das Ziel der Wissenschaftler ist die Entwicklung einer neuartigen Prozesskette für die Synthese der Basis-Chemikalie Methanol. Der Forschungsverbund für dieses Projekt, unter der wissenschaftlichen Leitung des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,4 Millionen Euro gefördert.

2016 148 Chemikalien aus Biomasse 2

Für die Erzeugung von Strom und Wärme gibt es bereits zahlreiche kohlenstofffreie Alternativen, die im Zuge der Energiewende immer stärker eingesetzt werden. Die chemische Industrie ist für die Herstellung ihrer Produkte jedoch auch in Zukunft auf Kohlenstoff angewiesen. Als weltweit verfügbare nachhaltige Kohlenstoffquelle könnte künftig auch Biomasse genutzt werden, um einen Teil des Rohstoffbedarfs der chemischen Industrie abzudecken. Idealerweise könnten dazu organische Reststoffe aus Industrie und der kommunalen Entsorgung verwendet werden.

Versuchsaufbau mit Blasensäule für das Verfahren, das Kohlendioxid aus Biomasse als Kohlenstoffquelle nutzbar machen soll. ©KIT

Forscher des KIT, der DVGW-Forschungsstelle (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches), der Universität Stuttgart und der TU Kaiserslautern haben gemeinsam mit drei Industriepartnern das Projekt „Optimierte Prozesskette zur ressourceneffizienten Methanolsynthese – OptiMeOH“ gestartet. In dem Forschungsvorhaben soll eine neuartige Prozesskette zur Synthese von Methanol entwickelt werden, bei der auf fossile Rohstoffe entweder ganz verzichtet wird oder aber Kohlendioxid aus fossilen Quellen nochmals Verwendung findet. Dieses fällt in der Industrie bisher als ungenutztes Nebenprodukt an.

„Die Kohlenstoffausnutzung und Ressourceneffizienz werden dadurch deutlich verbessert“, erklärt Dr.-Ing. Siegfried Bajohr, der am Engler-Bunte-Institut des KIT das Arbeitsgebiet katalytisch-chemische Verfahren der Brennstoffwandlung leitet.

Methanol ist ein wichtiges Ausgangsmaterial für die chemische Industrie. Der aus einem Kohlenstoff-, einem Sauerstoff- und vier Wasserstoffatomen bestehende Chemie-Rohstoff wird beispielsweise für die Produktion von Ameisen- und Essigsäure, Formaldehyd sowie von Lacken und Farben eingesetzt. Im Jahr 2015 nutzte die Chemieindustrie weltweite rund 65 Millionen Tonnen Methanol.

Quellen und weitere Informationen: http://www.kit.edu und
https://www.bmbf.de/pub/Kohlendioxid_als_Ressource.pdf

 

Leave a Reply