Biodiversität schützt vor den Folgen des Klimawandels

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Biodiversität - Klimawandel
Biodiversität - Klimawandel

Kann die biologische Vielfalt zum Schutz von Ökosystemen unter außergewöhnlichen Klimaereignissen beitragen? Die Antwort auf diese Frage ist enorm wichtig angesichts des anhaltenden Artensterbens und des Klimawandels, der zunehmend extreme Wetterumschwünge mit sich bringt. Eine aktuelle Studie eines internationalen Forscherteams, an der auch Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umwelt-forschung (UFZ) beteiligt waren, hat sich dieser Frage gewidmet.

Biologische Vielfalt oder Biodiversität ist ein bedeutender Faktor für die Biomasseproduktion von Pflanzen. Aber kann Bio-diversität auch Ökosystemen helfen, den Auswirkungen von extremen Wetterereignissen besser standzuhalten? Und tritt diese stabilisierende Wirkung während eines Wetterextrems auf oder danach – oder sogar zu beiden Zeitpunkten? Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat das untersucht. Das Ergebnis: Ökosysteme mit hoher Artenvielfalt zeigen bei extremen Klimaereignissen mehr Widerstandskraft. Artenreiche Pflanzengemeinschaften sind also wesentlich resistenter gegen die Auswirkungen des Klimawandels, als Ökosysteme mit nur wenigen Pflanzenarten.

An der Untersuchung waren, unter der Leitung von Dr. Forest Isbell von der University of Minnesota, mehr als drei Dutzend Forscher aus den USA, Europa und Japan beteiligt. Insgesamt 46 Graslandexperimente in Europa und Nordamerika wurden über mehrere Jahre beobachtet und die gewonnenen Daten analysiert. Die Wissenschaftler ordneten zunächst jedes untersuchte Jahr auf einer Fünf-Punkte-Skala von „extrem trocken“ bis „extrem feucht“ ein. Dann untersuchten sie die oberirdische Biomasseproduktion der Pflanzen pro Jahr bei höherer und bei niedrigerer Biodiversität.

Das Ergebnis: Je größer die Zahl der dort wachsenden Pflanzenarten, desto niedriger die Auswirkungen von extremen Feucht- oder Trockenperioden auf die Biomasseproduktion des Graslandes. In die Studie eingeflossen sind auch Daten aus dem Jena-Experiment, an dem auch UFZ-Biologin Dr. Christiane Roscher beteiligt ist: Seit 2002 wird in der Saaleaue in Jena die Vielfalt unterschiedlich artenreicher experimentell etablierter Grasländer untersucht.

„Die aktuelle Studie trägt zu einem besseren Verständnis bei, welche Rolle Biodiversität im Kampf der Natur gegen unvorhersehbare Ereignisse spielt“, so Professor Nico Eisenhauer, einer der Initiatoren und Mitautor der Studie. Für Eisenhauer zeigen die Ergebnisse „sehr eindrucksvoll, dass die Zerstörung der Umwelt das natürliche Gleichgewicht unserer Ökosysteme nachhaltig negativ beeinflusst“.

Während extremer Wetterlagen war laut Studie die Produktivität in Pflanzengemeinschaften mit nur ein oder zwei Arten im Durchschnitt um 50 Prozent verändert. Wohingegen sie sich bei Gemeinschaften mit 16 oder 32 Arten nur halb so stark veränderte.

„Wir Wissenschaftler suchen schon seit Jahrzehnten nach stabilisierenden Faktoren für Ökosysteme”, erklärt Eisenhauer. „Die vorliegenden Ergebnisse sollten uns Forschern und den politischen Akteuren vor Augen führen, wie sehr Biodiversität zur Stabilisierung unserer Ökosysteme beiträgt – und das angesichts des weltweiten Klimawandels.“

Quelle: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

 

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