Bio-Bean – Die Energie aus der Bohne

,

Kay
Kay

„Ich brauch jetzt dringend einen Kaffee!“ Diesen Satz hat sicher jeder schon einmal gehört, wenn nicht sogar selbst gesagt. Wenn wir einen Energieschub brauchen greifen wir gerne zu dem koffeinhaltigen Getränk. Oft erscheint er uns – ob warm oder kalt, schwarz oder weiß, gesüßt oder schwarz und dank Starbucks und Co. in weiteren kreativen Geschmacksrichtungen – geradezu als Retter in der Not. Dass diese kleine Bohne jedoch nicht nur für unseren Körper eine Energiequelle darstellt, zeigt Arthur Kay.

Während unsereins bei einem Blick auf den Kaffeesatz an die Biotonne oder guten Kompostsatz denkt, denkt der junge Brite Arthur Kay um einiges weiter. In einer Zeit, in der die Suche nach alternativen Energiequellen immer stärker vorangetrieben wird, nutzt er die Überreste unseres morgendlichen Muntermachers für die Produktion von Pellets aus Biomasse sowie Biodiesel. Denn die haben Kay zufolge doppelt so viel Energie in sich, wie Holz.

Mit seinem Unternehmen Bio-Bean möchte sich der Brite genau diese Eigenschaft zunutze machen. Er hat in London mittlerweile einige Partner gefunden, die ihm ihren Kaffeesatz überlassen. Zurzeit verwertet Bio-Bean etwa zwei Prozent der 200.000 Tonnen Kaffeesatz, die jährlich in der britischen Hauptstadt entstehen – Tendenz wachsend. Das nächste Ziel sind 40 Prozent. Dabei will sich Kay nicht unbedingt auf die Coffee Shops konzentrieren, sondern auf die kaffeverarbeitenden Großkonzerne, in denen deutlich mehr des Abfallproduktes entsteht. Aus diesem Grund hat sich das Unternehmen auch in Suffolk nordöstlich von London niedergelassen, wo genau diese Fabriken zu finden sind. Doch will sich das Unternehmen nicht nur auf Großbritannien beschränken. So plant Arthur Kay in den kommenden Jahren auch nach Deutschland, USA und Brasilien expandieren.

Partner hat das junge Unternehmen nicht nur in den Bahnhof-Cafés gefunden, wo es bereits in ersten Testläufen Kaffeesatz eingesammelt hat. Auch der Londoner Bürgermeister, Energiefirmen wie Shell Oil , so wie auch die Greater London Authority (GLA) und das University College London (UCL) fördern die mehrfach ausgezeichnete Firma und ihre Idee.

Das Geschäft scheint in jedem Fall lohnend. Chris Chuck vom Department of Chemical Engineering in Bath zufolge ist unter anderem „die Gleichförmigkeit beim Kaffee-Biodiesel ist eine gute Nachricht für die Hersteller der Kraftstoffe“. Denn während die Öle aus anderen Biomaterialien oft je nach Art bzw. Sorte unterschiedliche Strukturen besitzen, weicht die Ölstruktur der verschiedenen Kaffeesorten kaum voneinander ab, was die Produktion des Kraftstoffes deutlich begünstigt. Gleichzeitig ist die Entsorgung des Kaffeesatzes über Bio-Bean für die Unternehmen in England deutlich preiswerter, als über den Standardweg. Denn hier müssen die Kaffee-Restprodukte, anders als in Deutschland, teuer auf der Müllkippe entsorgt werden. Gleichzeitig könnten durch die Energie aus diesen Abfällen mehr als 729.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

infografik 1139 Weltweiter Konsum von Kaffee b

Angesichts der Tatsache, dass weltweit täglich 2.500.000.000 Tassen Kaffee getrunken werden und Kaffee ist nach Erdöl der weltweit meist gehandelte Rohstoff ist, erscheint die Idee umso sinnvoller. Wenn man zu den 2,5 Milliarden Tassen noch hinzurechnet, was durch die industrielle Verwertung von Kaffeebohnen an täglichen Tonnen Kaffeesatz hinzu kommt, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass man nur mit dem Kraftstoff aus den kleinen Bohnen bereits die halbe Welt versorgen könnte. In der Realität jedoch ist dieser Biokraftstoff eher als eine Ergänzung zu anderen alternativen Energien zu sehen. Mit dem weltweit höchsten Kaffeeverbrauch pro Kopf könnten die skandinavischen Staaten hier allerdings einen deutlichen Vorteil haben. Vielleicht schafft es Bio-Bean es auch, sich dort zu etablieren. Für den Spitzenreiter Finnland mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 12,1 kg Kaffe pro Jahr könnte es sich zumindest lohnen eine entsprechende Produktion aufzubauen.

Sollten sich die Pläne des jungen britischen Unternehmers erfüllen, wäre diese Vorstellung einer Fabrik im hohen Norden gar nicht so unwahrscheinlich. Denn überall wo viel Kaffee genutzt wird und somit viele Tonnen Kaffeesatz entstehen könnte sich eine Fabrik rechnen. So denkt Arthur Kay über eine Art Franchise-System nach, bei dem Unternehmer weltweit Know-How und Maschinen von Bio-Bean erwerben können. Wer weiß, wenn sich diese Recyclingmethode wirklich durchsetzt, gibt es vielleicht in ein paar Jahren neben den Restmüll-, Recyclingmüll-, Papier- und Biomüll-Tonnen auch eine Kaffesatz-Tonne.

Quellen:
http://www.bio-bean.com/
http://de.statista.com/infografik/1139/weltweiter-konsum-von-kaffee/

 

Leave a Reply