Bessere Nahrungsmittelverwertung als aktiver Klimaschutz

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Fresh Food
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Rund ein Zehntel der globalen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft könnte laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) bis zur Mitte des Jahrhunderts allein auf die Verschwendung von Nahrungsmitteln zurückgehen. Wenn diese Lebensmittelverluste eingedämmt würden, könnte die Treibhausgas-Emissionen auf dem Planeten um rund 10 Prozent gesenkt werden, errechneten die Wissenschaftler.

Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel landen im Müll – das zeigten die Resultate von Studien der Weltbank sowie der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen. Dieser Anteil könnte drastisch ansteigen, wenn Schwellenländer wie China oder Indien den westlichen Ernährungsstil übernähmen, so die Analyse des PIK.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebensmittelverfügbarkeit in den letzten fünf Dekaden bereits stark angestiegen ist, obwohl der Nahrungsmittelbedarf pro Person im globalen Mittel fast konstant bleibt. „Vor allem zeigt unsere Arbeit, dass sich das Verhältnis zwischen Nahrungsmittelverfügbarkeit und -bedarf mit der Entwicklung verändert. Das drückt sich unter anderem dadurch aus, dass reichere Länder mehr Nahrung konsumieren als gesund ist, oder eben Lebensmittel  verschwenden“, erklärt Prajal Pradhan, Ko-Autor der Studie. So könnten die mit Lebensmittelverlusten verbundenen Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts enorm ansteigen.

Studienergebnisse der FAO zeigen, dass weltweite Lebensmittelverluste und -Verschwendung für rund 4,4 Gigatonnen Treibhausemissionen verantwortlich sind. Das ist mehr als jedes einzelne Land – außer China und der USA – in einem Jahr produziert.

FLW graphic2Wenn Lebensmittelverschwendung ein Land wäre, wäre es der drittgrößte Produzent von Treibhaus-Emissionen ©FAO/World Resources Institute

 

Weitere Forschungsarbeiten gehen davon aus, dass durch starkes demografisches Wachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie Veränderungen der Lebensstile allein die landwirtschaftlichen Emissionen bis 2050 auf bis zu 18 Gigatonnen CO2-Äquivalente ansteigen könnten. „Die Emissionen, die auf verschwendete Nahrungsmittel zurückgehen, sind daher nur die Spitze des Eisbergs“, so Pradhan. „Dennoch ist es erstaunlich, dass bis zu 14 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft relativ einfach vermieden werden könnten, zum Beispiel durch eine bessere Nutzung und Verteilung von Nahrungsmitteln. Individuelle Verhaltensänderungen sind deshalb auch ein Weg, um die Klimakrise zu mindern.“

„Die Lebensmittelverschwendung zu verringern ist ein Beitrag zur Bekämpfung von Hunger, gleichzeitig vermindert dies durch die Minderung von Treibhausgasen aber auch Klimafolgen wie stärkere Wetterextreme oder Meeresspiegelanstieg“, so die leitende Autorin der PIK-Studie, Ceren Hic. Global sei das Nahrungsmittelangebot ausreichend, um den durchschnittlichen Bedarf zu decken, das Problem sei die ungleiche Verteilung – und die Verschwendung. „Die Vermeidung von Nahrungsmittelverlusten könnte deshalb ein Hebel sein, der gleich mehrfach greift: für die Minderung der landwirtschaftlichen Folgen für Klima und Umwelt, für die Schonung von Ressourcen in der landwirtschaftlichen Produktion, und zur Verbesserung lokaler, regionaler und globaler Lebensmittelsicherheit“, resümiert Jürgen Kropp, stellvertretender Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität.

Was tun?

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Laut der genannten Studien teilt sich der Lebensmittelverlust bzw. die Verschwendung in folgende Gruppen auf: 39 Prozent liegen bei den Produzenten, hier müssen neue Wege für die Verarbeitung und Nutzung gefunden werden. Für fünf Prozent sind die Händler verantwortlich, 14 Prozent werden in den Bereichen Gastronomie und Bewirtung verschwendet und für 42 Prozent der Verschwendung sind die Konsumenten verantwortlich.

David Gross kocht mit dem, was andere verschwenden © Wastecooking/Mischief Films

In der Gastronomie entstehen bereits immer mehr Projekte, die das Thema gezielt angehen. Das Restaurant „Instock“ in Amsterdam, kocht mit Resten, die in Partner-Supermärkten nicht mehr verkauft werden. In Berlin ist mit dem „Restlos Glücklich“ ein ähnliches Projekt gestartet und im Londoner Stadtteil Notting Hill hat der Koch und Food-Aktivist Justin Horne mit dem “Tiny Leaf” eine vegetarische Resteverwertungs-Variante gestartet.

In Deutschland und Österreich war der gelernte Koch, Filmemacher und Aktivist David Groß mit einer Serie über seine Reise durch fünf europäische Länder auf Sendung. Dabei zeigt er, wie vermeintliche Abfälle kulinarisch recycelt werden können. Über die Plattform „wastecooking“ wird diese Initiative fortgesetzt. Auch sonst finden sich immer mehr Anregungen im Netz, wie jeder Einzelne Lebensmittelverschwendung vermeiden kann und wie Resten für leckere Rezepte genutzt werden können.

 

Quellen und weitere Informationen:
www.pik-potsdam.de
http://www.fao.org/home/en/
http://www.wastecooking.com
www.instock.nl/en/

 

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