Belgische Pannenmeiler verdeutlichen das Verhältnis der Politik zur Atomenergie

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Atomenergie
Atomenergie

Atommeiler mit technischen Mängeln, feinen Rissen in den Druckbehältern und ungenügender Vorbereitung für eine Notkühlung – was zunächst nach einer dunklen Fiktion klingt, ist unweit der deutschen Grenze Realität geworden. Die Medienberichte der letzten Wochen über die beiden belgischen Atomkraftwerke „Doel“ und „Tihange“ haben viele Personen beunruhigt. Das größte Ärgernis liegt jedoch im politischen Umgang mit den besorgniserregenden Störungen. Die belgische Regierung zeigt sich überrascht und auch deutsche Politiker lassen trotz großer Proteste der Bevölkerung ein konsequentes Handeln vermissen.

Das zögernde Verhalten im Falle der belgischen Atomkraftwerke ist nur eines von vielen Beispielen für das gespaltene Verhältnis der europäischen Politik zur Atomenergie. Auch auf der Ebene der Gesetzgebung zeigt sich eine tiefe Kluft zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und politischen Realität. Diese zeigt sich auch jüngst bei dem kürzlich verabschiedeten Gesetzespaket zur Finanzierung des Atomausstiegs. Während Politiker die Regelungen als einen großen Schritt zu einer nachhaltigen und ausgewogenen Energieversorgung Europas bezeichnen, wird das Gesetzespaket von Verbänden und Umweltschützern teilweise heftig kritisiert.

Das war vorhersehbar, denn während die Bedenken der Energiekonzerne in wochenlangen Verhandlungen gehört und eingearbeitet wurden, hatten Länder, Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen lediglich knapp zwei Arbeitstage Zeit, um Stellungnahmen einzureichen. Auch hier scheint mit zweierlei Maß gemessen zu werden. Die beiden Beispiele zeigen das eigentliche Dilemma vor dem wir stehen: Wir brauchen einen ehrlichen Umgang mit der Atomenergie.

Auch als großer Befürworter der Energiewende und des Atomausstiegs muss man den großen Beitrag anerkennen, den Atomenergie in den letzten Jahrzehnten für unsere Stromversorgung hatte. Und noch immer nimmt sie eine tragende Rolle im Energiemix Europas ein. Mit einem Anteil von rund 26 Prozent an der Stromerzeugung ist der Anteil von Atomenergie in Europa rund doppelt so hoch wie weltweit. Dennoch liegt Atomenergie noch hinten fossilen Energieträgern wie Kohle oder Erdgas, die etwa 34 Prozent ausmachen.

Da diese eine hohe Umweltbelastung bedeuten und der CO2-Anteil weiter reduziert werden soll, argumentieren Lobbyverbände, dass Atomkraft in Europa weiter gefördert werden solle. Und wenn man Berichte über die Energiepolitik Europas liest, könnte man den Eindruck bekommen, dass Atomkraft vor einer Renaissance steht. Aber kann eine solche gefährliche Technologie wirklich eine sinnvolle Alternative sein? Hat uns nicht Fukushima gezeigt, dass von der Atomenergie unbeherrschbare Risiken ausgehen? Warum setzten wir also nicht stärkere auf erneuerbare Energien, deren Bedeutung zwar gestiegen ist, deren Anteil an der europäischen Stromerzeugung jedoch in Europa lediglich rund 15 Prozent beträgt?

An dieser Stelle wird oft das Argument ins Feld geführt, dass Atomenergie günstiger wäre als erneuerbare Energien und die Energiewende die Stromkosten in die Höhe treiben würde. Immer wieder ist zu lesen, dass ein deutlicher Ausbau erneuerbarer Energien in Europa zwar gewünscht, aber aus finanzieller Sicht nicht realisierbar ist. Doch beim Vergleich von Erneuerbaren Energien mit Atomkraft bleiben wesentliche Aspekte in der öffentlichen Diskussion unberücksichtigt. 

Teil 2 – Verhältnis der Politik zur Atomenindustrie (Freitag 16.12.2016)

Ein Gastbeitrag von Thorsten Preugschas, Geschäftsführer, Soventix GmbH

 

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