Solarstrom in der Flüchtlingspolitik – Teil I

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© Flickr- Magahrebia

Kaum eine Frage hat die deutsche Öffentlichkeit in den letzten Jahren so sehr bewegt, wie die Suche nach dem richtigen Umgang mit Flüchtlingen. Während sich die Diskussion lange Zeit auf Flüchtlingsquoten, Integrationskonzepte oder Schleuserkriminalität konzentrierte, verschiebt sich die Wahrnehmung zunehmend auf die Frage, wie sich die Fluchtursachen bestmöglich bekämpfen lassen. Erst kürzlich sagte der neue EU-Parlamentschef Antonio Tajani hierzu: „Entweder wir handeln jetzt oder es werden in den kommenden 20 Jahren Millionen Afrikaner nach Europa strömen.“ Dieser Satz zeigt, wie wichtig es für Europa ist, eine Antwort auf die Auslöser der Migrationsbewegung zu finden.

Die aktuelle Debatte geht von der Förderung von Bildung in den Herkunftsländern, über die Schaffung von Arbeitsplätzen in Krisengebieten bis zur Stabilisierung der dortigen politischen Rahmenbedingungen. All diese Punkte erscheinen gleichermaßen wichtig. Dennoch bleibt ein wesentlicher Aspekt in der öffentlichen Debatte weitestgehend unberücksichtigt: Nur selten wird über den Einfluss von Ressourcen wie Strom und Wasser auf die Flüchtlingsbewegung gesprochen. Dabei liegt hier ein wesentlicher Treiber der Armut in den Herkunftsländern. Mehr noch, Europa verfügt über das Know-how und die Möglichkeiten, um hier einen wichtigen Unterschied herbeizuführen. Die europäische Politik und Wirtschaft sollten sich daher intensiv mit der Frage auseinandersetzen, welche Rollen man hier einnehmen kann und möchte.

Das Problem liegt auf der Hand: Die Ärmsten der Welt zahlen die höchsten Energiekosten. Während Privatpersonen in Deutschland im letzten Jahr einen Bruttostrompreis von etwa 28,70 Cent zahlen mussten, müssen afrikanische Haushalte bis zu zehn Euro pro Kilowattstunde zahlen. Damit liegen die Strompreise im internationalen Vergleich extrem hoch. Die eigentliche Brisanz des Problems zeigt sich beim Vergleich des Haushaltseinkommens. Während die Statistiker für Deutschland ein durchschnittliches Haushaltseinkommen von mehr als 40.000 Euro ermittelt haben, beträgt es in Eritea, einem der Hauptherkunftsländer für Flüchtlinge in Europa, weniger als 1.000 Euro. Kurzum: Menschen, die nur ein vierzigstel unseres Einkommens zur Verfügung haben, müssen mehr als das dreißigfache für Strom bezahlen. Dieser Vergleich sollte zu denken geben. Man darf sich nicht wundern, wenn diese Personen an die Tür nach Europa klopfen.

Hier kann die europäische Solarindustrie einen wichtigen Beitrag leisten. Günstige erneuerbare Energien könnten die Energiekosten in Afrika erheblich senken. Ein Rechenbeispiel: Da viele Afrikaner keinen Zugang zur öffentlichen Stromversorgung haben, setzen sie auf die Stromerzeugung über einen eigenen Dieselgenerator. Die Kosten bei der Erzeugung von Dieselstrom liegen bei 30 bis 40 Cent je Kilowattstunde. Bei einer Solaranlage in Afrika liegen die Kosten jedoch bei lediglich 10 bis 15 Cent je Kilowattstunde. Das Einsparpotenzial ist also gewaltig.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum in Afrika nicht stärker auf Solarenergie gesetzt wird. Die Rahmenbedingungen sind ausgesprochen attraktiv: Die Stromkosten sind hoch, die Energieinfrastruktur schlecht ausgebaut und die Einstrahlungswerte gut. Die aktuelle Entwicklung stimmt mich jedoch zuversichtlich. Solarsysteme machen in Afrika zunehmend Strom für die ländliche Bevölkerung verfügbar. Doch mehr Aufklärung über Aufbau und Nutzung der Anlagen sind nötig – und bessere Finanzierungsmöglichkeiten auch. Die Liste der Herausforderungen ist lang. Der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik, um Solarenergie in Afrika weiter zu fördern, muss weiter intensiviert werden. Dieser Dialog muss zu einem integralen Bestandteil der europäischen Flüchtlingspolitik werden.

Autor: Thorsten Preugschas, Geschäftsführer, SOVENTIX GmbH
Stand: 02. März 2017