Beitragsserie Teil 2 – Eckpfeiler einer europäisch-afrikanischen Solarpolitik

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Afrika und Europa sind Nachbarkontinente, verbunden mit einer gemeinsamen Geschichte. Von der Bewältigung der großen Herausforderungen hängt nicht nur die Zukunft Afrikas, seiner Menschen und seiner Natur, sondern auch die Zukunft Europas ab. Berichte über Hungernöte oder Fotos ankommender Flüchtlingsschiffe in Italien und Griechenland zeigen uns die Dimensionen dieser gewaltigen Herausforderung. Eine Lösung des Problems liegt im Interesse beider Kontinente. Eine intensive Zusammenarbeit bei der Förderung von Solarenergie sollte hierbei eine wichtige Rolle einnehmen.

Experten sind sich darin einig, dass sich die Stromkosten in Afrika mit der Förderung von Solarenergie deutlich reduzieren lassen. Auch das Armutsrisiko würde sinken. Der „Marshallplan mit Afrika“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verdeutlicht die enorme Herausforderung, vor der wir bei der Energieversorgung in Afrika stehen. Mit einer intensiven Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik könnte hier viel bewirkt werden. Zahlreiche erfolgreiche Projekte zeigen, dass die europäische Solarindustrie mit ihrem Know-how und ihrer Expertise einen wichtigen Beitrag bei diesem Vorhaben leisten kann.

Bereits im Jahr 2009 wurde mit großen Ambitionen eine Initiative zur Förderung von Solarenergie in Afrika ins Leben gerufen: die Desertec Foundation. Die Initiative von RWE, Siemens, Deutscher Bank & Co. hat zweifellos viele Impulse im Ausbau von Solarkraft in Afrika gesetzt. Das Vorhaben, große Solarkraftwerke in Nordafrika und im Nahen Osten zu bauen und den Strom mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung nach Europa transferieren, ist jedoch gescheitert. Das Projekt hat vor Augen geführt, welche Fehler wir bei der künftigen Gestaltung einer europäisch-afrikanischen Solarpolitik zu vermeiden sind. Das Engagement europäischer Unternehmen in Afrika sollte sich an den nachfolgenden Eckpfeilern orientieren:

  1. Größer ist nicht immer besser.
    Großprojekte sind sehr komplex und führen oft zu starken Kostensteigerungen beziehungsweise zeitlichen Verzögerungen. Dabei liegt eine der großen Stärken von Solaranlagen in der Skalierbarkeit. Man sollte nicht der Versuchung unterliegen große Probleme mit noch größeren Projekten lösen zu wollen. Für Unternehmen gilt es sich an den lokalen Begebenheiten zu orientieren. Und diese verlangen nach Solar-Home-Systemen und kleinere Solaranlagen.
  2. Lokale Lösungen für den Bedarf vor Ort.
    Solaranlagen bieten die Möglichkeit, Energie genau dort zu produzieren, wo sie gebraucht wird. Bislang gilt Afrika noch immer als der dunkle Kontinent, wo mehr als 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität haben. Zuversichtlich stimmt hierbei jedoch, dass immer mehr Orte durch dezentrale Solaranlagen Zugang zu Strom erhalten. Diese Entwicklung sollte weiter gefördert werden.
  3. Solarenergie als Baustein der Entwicklungspolitik begreifen.
    Damit das europäische Engagement für Solarenergie in Afrika einen nachhaltigen Einfluss auf die Flüchtlingsströme nach Europa hat, sollte Solarenergie stets als integraler Bestandteil der europäischen Entwicklungspolitik begriffen werden. Damit einher gehen die Integration von lokalen Unternehmen als Subunternehmer sowie der Know-how Transfer an diese Projektpartner.
  4. Finanzierungshürden schrittweise abbauen.
    Finanzierung ist in Afrika nach wie vor problematisch. Nur Menschen mit höherem Einkommen können sich alle nötigen Komponenten für eine Solaranlage leisten. Gäbe es mehr Ratenkredite, könnten sich breitere Schichten über Solarstrom versorgen. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit leistet hier bereits wertvolle Unterstützung. Der Bedarf ist jedoch noch lange nicht gedeckt.
  5. Angebots- und Nachfrageseite fördern.
    Es ist wenig sinnvoll, wenn wir uns in Europa nur auf die Angebotsseite in Afrika konzentrieren, denn das Problem besteht auch auf der Nachfrageseite. Es fehlt eine Verbraucherberatung, die darüber aufklärt, welcher ökonomische und ökologische Nutzen sich durch Solarenergie ergibt und welche Lösungen für den jeweiligen Fall sinnvoll sind. Gerade hier ist das Know-how europäischer Experten gefragt.

Es gibt für Solarenergie in Afrika gewaltigen Bedarf. Darüber hinaus kann ihr eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Fluchtursachen zukommen. Um das Engagement europäischer Firmen im afrikanischen Solarmarkt erfolgreich zu gestalten, gilt es aus vergangenen Fehlschlägen zu lernen. Deutschen Institutionen – allen voran die GIZ – kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Erneuerbare Energien sind zu Recht eines ihrer Schwerpunktthemen.

Autor: Thorsten Preugschas, Geschäftsführer, SOVENTIX GmbH
Stand: 02. März 2017